Themen: 100.000 Hamburger stehen gegen die AfD auf +++ HSV verliert gegen Karlsruhe +++ Die Kriege zu Ende denken.

Das „geringste Übel“ wählen

29. Januar: „100.000 Hamburger stehen gegen AfD auf“ und Leitartikel: „Das ist mein Hamburg!“

Die Demonstrationen gegen Rechts sind zwar erfrischend, jedoch wirkungslos. Die einzige Möglichkeit in einer Demokratie Wirkung zu erzielen, ist die Teilnahme an Wahlen! Ich persönlich kann mich derzeit mit keiner Partei zu hundert Prozent identifizieren, gehe aber zu jeder Wahl und wähle „das geringste Übel“ um ungewollte Minderheiten wie die AfD zu verhindern. Anders geht es nicht!

Jörn Albrecht

Fun geht vor Engagement

Ich möchte etwas Wasser in den Wein von Herrn Haider schütten. Ich kann seine Euphorie über die „gigantische Demonstration der Hamburger gegen den Rechtsextremismus“ nicht teilen. Die Besucherzahl des Hamburger Schlagermove im vergangenen Jahr betrug über 300.000. Ich interpretiere das so: Fun geht vor politisches Engagement.

Manfred Frühwald, Hamburg

Demo ohne Schwarz-Rot-Gold

Mit einer kleinen Flagge an meinem Rucksack stand ich am Rödingsmarkt. Schwarz-Rot-Gold symbolisiert für mich das demokratische Deutschland. Das sehen andere Demo-Teilnehmer anscheinend anders. Nach der Aufforderung der Demoleitung über Lautsprecher, keine Nationalflaggen zu zeigen, damit es friedlich bleibt, stürzten sich gleich mehrere Personen verbal auf mich. Endlich konnten sie mich dank der Ansage darauf aufmerksam machen, wie unmöglich es sei, die Deutschlandflagge zu zeigen. Es hieß sogar „geh’n sie doch zur AfD damit“. Das hat mich zutiefst erschüttert, mir die Sprache verschlagen und die Lust, Flagge zu zeigen, genommen. Auch in Zukunft. Den Demo-Zug habe ich mir dann von außen angesehen. Schwarz-Rot-Gold kam darin nicht vor. Armes Deutschland.

Sabine Reymann

Zu viele Gegentore

29. Januar: „,So dürfen wir nicht spielen‘. HSV verliert zu Hause 3:4 gegen Karlsruhe. Gegentore bleiben im Fokus, Führungsspieler sorgt sich um den Aufstieg“

Vorne hui, hinten pfui! Diese Beschreibung passt leider nach wie vor zum HSV. Dabei wollte Trainer Walter doch das Abwehrverhalten seiner Mannschaft verbessern. Davon war auch im Spiel gegen Karlsruhe nichts zu sehen. Sechsundzwanzig Gegentore sind für eine Mannschaft, die ernsthaft um den Aufstieg mitspielen will, indiskutabel. Deshalb ist der HSV nun auch aus den Aufstiegsrängen gerutscht, während der souveräne Stadtrivale einsam von der Tabellenspitze grüßt. Wenn der HSV die Schwächen in der Abwehr nicht abstellen kann, wird er auch im sechsten Aufstiegsanlauf scheitern.

Martin Wucherpfennig

Leider nur kurzfristig gedacht

27./28. Januar: „Hamburger KRITIken: Die Kriege zu Ende denken. Deutschland hat seine Außenpolitik moralisiert – und die Diplomatie vernachlässigt“

Die Behauptung von Matthias Iken, Guttenberg habe die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt, ist nicht nur journalistisch überspitzt, sondern irreführend. Zwar ging von ihm als Verteidigungsminister die Initiative aus, aber es war der Deutsche Bundestag, der im Jahr 2011 das Gesetz zur Aussetzung der Wehrpflicht verabschiedet hat, und alle dort vertretenen Parteien begrüßten ausdrücklich diese Entscheidung (die Union hatte sich lange dagegen gesträubt). Das Parlament spiegelte die damals in Deutschland ganz überwiegend herrschende Meinung wider, dass eine große Armee zur Landes- und Bündnisverteidigung nicht mehr erforderlich sei, und nun die sogenannte Friedensdividende eingefahren werde. Die meisten Nato-Staaten hatten dies bereits vorgemacht. Deutschland sei, wie es damals salopp hieß, von Freunden umzingelt. Es kam hinzu, dass der Wehrdienst nicht gerade populär war. Beklagt wurde im Westlichen nur, dass damit auch die Zivildienststellen wegfielen. Außerdem lebte man bequem und preiswert unter dem Schutzschild der Amerikaner. Dass sich die Lage einmal ändern könnte, und sich der Ausbau der Bundeswehr sehr viel schwieriger gestalten würde als ein Abbau, wurde nicht bedacht. Es wurde leider wieder einmal nur kurzfristig gedacht. Bereits drei Jahre später begann die erste Phase des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine mit der Besetzung der Krim und danach der östlichen Gebiete des Landes, dessen Grenzen Russland ausdrücklich anerkannt hatte. Der Vorwurf von Matthias Iken, die Diplomatie sei vernachlässigt worden, ist unzutreffend. Gerade die deutsche Bundeskanzlerin und der französische Präsident haben mit den Minsker Abkommen versucht, eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen. Leider vergeblich. Selbst als die russische Armee mit über 100.000 Soldaten angriffsbereit an der ukrainischen Grenze aufmarschiert war, was viele Gutgläubige nur als Drohkulisse deuteten, flogen der deutsche Bundeskanzler und etliche andere westliche Politiker nach Moskau, um sich mit Putin an den lächerlich langen Verhandlungstisch zu setzen. Leider auch vergeblich. Natürlich muss in der Politik auch mit Schurken verhandelt werden, wie in dem Beitrag gefordert wird. Aber der Schurke muss – auf welchem Weg auch immer – Verhandlungsbereitschaft signalisieren und nicht laut von der Wiederherstellung der ehemaligen Sowjetunion träumen und Kriegsverbrechen begehen, indem z.B. tausende ukrainische Kinder nach Russland verschleppt oder immer wieder ukrainische Zivilisten sterben müssen, weil Wohnhäuser zerstört werden.

Reinhard Wagner

Befremdliche Überschrift

27./28. Januar: „Kuriose Demo gegen das Leid vieler Hunde“

Mit großem Befremden musste ich in der Sonnabendausgabe Ihrer Zeitung einen Artikel über eine Tierschutzdemonstration lesen, der in der Überschrift als „Kuriose Demo“ bezeichnet wurde. Mir erschließt sich weder aus dem Text des Artikels, noch aus dem Zweck und Inhalt der Demonstration, warum diese als kurios bezeichnet wird. Ich selbst finde es wichtig, auch hier in Hamburg auf das Leid der Tiere in Spanien aufmerksam zu machen. Und empfinde es fast schon als beleidigend, die Teilnehmer dieser Demonstration als kurios zu bezeichnen.

Martin Bublitz

Sprunghaft und konzeptlos

26. Januar: „Zwei Köhlbrandbrücken – die Idee findet weitere Befürworter. Gunther Bonz löst mit Vorschlag im Abendblatt großes Echo aus. Zustimmung bekommt er auch von unerwarteter Seite“

Es ist erschreckend, wie sprunghaft und konzeptlos derzeit die Hamburger Hafenentwicklungspolitik betrieben wird. Da ändern sich einige Parameter und sogleich lösen sich alte Gewissheiten in Luft auf: Da kann plötzlich der CT Altenwerder auf die ganz großen Pötte verzichten, die bestehende Köhlbrandbrücke kann mit vertretbarem Aufwand saniert und als Pkw-Trasse weiter genutzt werden. Abriss und milliardenschwere Tunnellösungen sind vom Tisch, viel Geld und Zeit gespart. Also alles gut? Weit gefehlt! Denn nur rund 1500 Meter weiter südlich beginnt der Bau der perfekt geplanten, aber ungeliebten Hafenautobahn A 26, die den verbliebenen Schwerverkehr zum östlichen Hafengebiet locker über den Abzweig Hohe Schaar Richtung Rossdamm abwickeln kann. Aber nein, es muss nun noch eine weitere Lkw-Brücke her, deren Notwendigkeit, Verlauf und erst recht Finanzierung völlig in den Sternen steht. Wer soll das außerhalb Hamburgs noch verstehen? Nach fast 40-jähriger Tätigkeit im Hafen ist es deprimierend mit anzusehen, wie das einst pulsierende Herz Hamburgs zum Spielball diverser ideologischer Gruppierungen geworden ist, während unsere politische Führung den Hafen seit Jahren lieblos herunterwirtschaftet.

Andreas Schildhauer

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.