Hamburg (dpa/lno). Alles auf Anfang: Der Prozess um tödliche Schüsse in einer Shisha-Bar in Hamburg muss neu aufgerollt werden. Der Angeklagte beteuert am ersten Prozesstag weiter seine Unschuld. Videoaufzeichnungen zeigen furchtbare Szenen der Bluttat.

Im Gerichtssaal laufen Videoaufnahmen eines schrecklichen Verbrechens in einer Hamburger Shisha-Bar in Zeitlupe. Man sieht zwei dunkel gekleidete, vermummte Gestalten, die sich einer auf einem Sofa sitzenden Gruppe nähern. Einer der Maskierten hebt eine Pistole hoch und drückt ab. Das Opfer wird bei dieser von einer Überwachungskamera aufgezeichneten Tat im Juli 2022 so schwer verletzt, dass der 27-Jährige im Krankenhaus stirbt. Wer die Schüsse abfeuerte, ist bis heute unklar. Aber die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, den Begleiter zu kennen. Wegen Mordes muss sich der 25-Jährige seit Donnerstag vor dem Landgericht verantworten.

Es ist bereits das zweite Mal, denn der Prozess wird neu aufgerollt. Eigentlich hatte das Verfahren Anfang September begonnen. Doch eine Schöffin erkrankte im laufenden Prozess langfristig und ihr Platz wurde neu besetzt. Deshalb musste die Kammer von vorn beginnen. Die Kammer hat insgesamt 20 Termine bis kommenden Februar angesetzt. Dem Angeklagten wird zusätzlich vorgeworfen, ohne Genehmigung mehrere Schusswaffen - darunter eine Maschinenpistole - besessen und zeitweise in der Wohnung eines Freundes verwahrt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft verlas am ersten Prozesstag noch einmal die Anklage. Sie wirft dem Deutschen vor, den Täter begleitet zu haben, der spät abends im Sommer vergangenen Jahres im Stadtteil Hohenfelde unmittelbar auf einen in einer Shisha-Bar sitzenden Mann mehrfach schoss und diesen in Herz und Kopf traf. Der 25-Jährige habe die Tat abgesichert und so gemeinschaftlich handelnd einen Menschen heimtückisch getötet. Der Mord soll in Zusammenhang mit Drogengeschäften der Auftrag eines dritten Mannes gewesen sein, dessen Name die Anklage nennt. Dieser Verdächtige werde gesondert verfolgt.

Zu Beginn des Prozesses verlas die Verteidigerin eine Erklärung, in der ihr Mandant erneut seine Unschuld in diesem Fall beteuerte. Er sei an dem Abend nicht in der Bar gewesen. „Ich habe mit der Tat nichts zu tun“, sagte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben verlobt ist. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll er die Tat einer Ex-Freundin gestanden haben. Doch das bestritt der 25-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, in seiner Aussage vor Gericht.

Der schlanke, gut gekleidete Angeklagte mit runder Brille und Seitenscheitel schilderte den Tattag aus seiner Sicht. Dieser 27. Juli sei eigentlich wie jeder andere Tag für ihn gewesen. Er habe Drogen verkauft. Abends habe er mehrere Joints geraucht und sei in der Wohnung seiner Eltern eingeschlafen.

Der 25-Jährige war in der Vergangenheit mehrfach wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Erscheinung getreten. Erst im Juli dieses Jahres war er deshalb zu einer Strafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Auf diese Taten bezogen räumte der Angeklagte ein: „Ich bin kein Unschuldslamm.“

Eine wichtige Rolle spielt für die Anklage eine schusssichere Weste, die in der Nähe des Tatortes in einem Gebüsch entdeckt wurde. Daran wurde laut Staatsanwaltschaft die DNA des Angeklagten gefunden. Wegen eines Streits mit einer anderen Gruppe um Rauschgiftgeschäfte habe er diese Weste mal vorübergehend bekommen, aber zum Zeitpunkt des Verbrechens habe er sie schon an einen Bekannten weitergegeben gehabt, schilderte der 25-Jährige in seinem Statement.

Der Prozess soll am Dienstag mit einer Befragung des Angeklagten fortgesetzt werden.