Hamburg. Der rote Backsteinbau am Gänsemarkt ziert seit 97 Jahren das Hamburger Stadtbild. Einst für die Finanzdeputation erbaut, ist es noch heute Dienstsitz der Finanzbehörde. Zwar gehört das Baudenkmal der Stadt längst nicht mehr - aber das ändert sich jetzt.

17 Jahre nach dem Verkauf des Gebäudes der Hamburger Finanzbehörde am Gänsemarkt kauft die Stadt den unter Denkmalschutz stehenden Fritz-Schumacher-Bau zurück. Den Rückkauf für 119 Millionen Euro habe der rot-grüne Senat am Dienstag beschlossen, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Das 1926 fertiggestellte 21.000 Quadratmeter große Gebäude soll von einer der städtischen Immobiliengesellschaften als neuer Eigentümerin denkmalgerecht und unter energetischen Gesichtspunkten saniert und anschließend weiter an die Behörde vermietet werden. In dem Baudenkmal hat neben der Finanzbehörde auch der Rechnungshof seinen Dienstsitz.

Mit dem Erwerb könne die Stadt ein historisch wertvolles Dienstgebäude wieder ins eigene Portfolio übernehmen, sagte Dressel. Der Backsteinbau am Gänsemarkt 36 sei eines der wichtigsten Zeugnisse des Wirkens des früheren Oberbaudirektors Schumacher in Hamburg. Es habe „eine ikonische Bedeutung für den Gänsemarkt“ und sei „stadtbildprägend und identitätsstiftend für die Stadt“.

Der Architekt und Stadtplaner Schumacher hatte das Gebäude speziell für die Nutzung der Finanzbehörde - damals noch Finanzdeputation genannt - entworfen. 2006 war der Bau vom damals CDU-geführten Senat zusammen mit weiteren städtischen Immobilien im Rahmen des Projekts Immobilienmobilisierung (Primo) verkauft und dann zur weiteren Nutzung wieder angemietet worden. Die in Paketen veräußerten Gebäude brachten damals gut eine Milliarde Euro in die Stadtkasse.

Für die Sanierung wird die Stadt noch einmal mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben müssen. Unter anderem sind nach Angaben der Behörde Investitionen in den Brandschutz, die Elektrik und eine Kellersohlensanierung notwendig. Schon vor drei Jahren habe man mit Kosten für eine Minimallösung in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro gerechnet, sagte Dressel. Darin seien aber noch nicht die Kosten für die während der Sanierung notwendigen anderweitigen Unterbringung der Behörde einkalkuliert gewesen.

„Der Rückkauf fügt sich nahtlos in unsere Strategie ein, die städtische Eigentumsquote durch Ankäufe, insbesondere in Bezug auf eigengenutzte Immobilien, zu erhöhen“, sagte der Senator. „Dort, wo sich im Einzelfall Erwerbsmöglichkeiten zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen ergeben und ein wichtiges städtisches Ankaufsinteresse besteht, können wir damit den nachteiligen Primo-Deal des damaligen Senats korrigieren.“

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Thilo Kleibauer, nannte den Rückkauf hingegen fragwürdig und teuer. „Hier kauft der Senat für sehr viel Geld ein sanierungsreifes Gebäude zurück.“ Die Stadt sei nicht der bessere Bauherr und Eigentümer aller Behördenstandorte, betonte er. „Anstatt in alte Gebäude sollte der Senat daher besser in neue Ideen zur Zukunftsfähigkeit und der Stadt investieren.“

Anders sah es der Finanzexperte der Linken: „Der Ausverkauf städtischer Immobilien im Primo-Deal des CDU-Senats im Jahr 2006 erweist sich einmal mehr als finanzielle Katastrophe für die Stadt“, sagte Norbert Hackbus.“ Damals habe der Senat für ein Paket aus 39 Objekten 815 Millionen Euro erlöst. „Jetzt kostet allein der Rückkauf der Finanzbehörde am Gänsemarkt 119 Millionen Euro. In der Zwischenzeit hat der private Investor die gleiche Summe an Miete von der Stadt erhalten – ohne wichtige Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.“

Die AfD lobte den Rückkauf. „Der CDU-Senat hat 2006 dieses Tafelsilber verkauft. Nun wird dieser Fehler geheilt“, sagte der Stadtentwicklungsexperte der Fraktion, Alexander Wolf. „Der Rückkauf dieses altehrwürdigen Fritz-Schumacher-Gebäudes mit der berühmten hamburgischen Backsteinoptik ist ein richtiger und wichtiger Schritt, denn Eigentum ist langfristig sehr viel wirtschaftlicher als Miete zu zahlen.“

Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Katarina Blume bezweifelte, dass der Senat mit dem Rückkauf für rund 10 Prozent über dem Verkehrswert ein gutes Geschäft macht. Zudem habe die Aufnahme der Immobilie in das städtische Portfolio einen weiteren hohen Preis: „Den erheblichen Sanierungsbedarf des historischen Gebäudes darf in Zukunft der Steuerzahler tragen.“