Prozess Hamburg

Noch mal zwei Jahre Haft für gierigen Liebesschwindler

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Prozess in Hamburg: Verteidiger Alexander Kirmeß und sein Mandant Sebastian H., der erneut wegen Betrügereien vor Gericht steht.

Prozess in Hamburg: Verteidiger Alexander Kirmeß und sein Mandant Sebastian H., der erneut wegen Betrügereien vor Gericht steht.

Foto: Daniel Herder

Serientäter Sebastian H. brachte drei Frauen um viel Geld und betrog ein Hotel. Jetzt hat er sich ein neues Ziel gesetzt.

Hamburg. Reihenweise hat Sebastian H. Herzen gebrochen und Menschen hinters Licht geführt. Er hat Abertausende Euro ergaunert und doch alles verloren, zuerst seine Freiheit. Seit fünf Jahren sitzt er hinter Gittern und auf einem riesigen Schuldenberg.

Man muss es wohl so sagen: Wer seinen Weg kreuzte, der hatte nichts zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren. Dem Liebesschwindler und Serienbetrüger Sebastian H. gingen sie alle auf den Leim: Arbeitgeber, Freunde, Gastronomen, Vermieter, Schnäppchenjäger – und vor allem Frauen. Sie lernte er im Internet über Datingplattformen wie Tinder kennen und erschlich sich ihr Vertrauen. Dann nahm er sie nach Strich und Faden aus.

Prozess Hamburg: Liebesschwindler erneut vor Gericht

Zwei Justizbeamte führen am Dienstag einen etwas rundlichen Mann in einen Saal des Amtsgerichts St. Georg. Hornbrille, gescheiteltes Haar, Kapuzenpullover. Ein Durchschnittstyp, der genau das nie sein wollte. Sebastian H., nach eigenen Angaben ein Kind aus wohlhabendem, wenn auch durch Alkoholsucht belastetem Hause, strebte nach einem Leben im Luxus. Und er holte sich, was er brauchte – immer wieder auf Kosten Unschuldiger.

Insgesamt 18 Betrugs- und drei Dieb- stahlstaten mit einem Gesamtschaden von rund 50.000 Euro legt die Staatsanwaltschaft dem 39-Jährigen in St. Georg zur Last, die Mehrzahl davon Warenkreditbetrügereien.

Gieriger Liebessschwindler knöpft Frau mehr als 19.000 Euro ab

Bei den Taten machte er von seiner einschlägigen Masche Gebrauch: Er spielte Frauen – in diesem Fall waren es drei – Liebesbeziehungen vor, bestellte auf ihren Namen und ohne ihr Wissen Artikel über das Internet: mal Iphones, mal ein Ipad, mal teure Kleidung – zusammen mit einem Wert von rund 5800 Euro.

Besonders schlimm traf es das Liebesopfer K., dem er einen „Kredit“ über 19.000 Euro abknöpfte. Für fast 8000 Euro lud er zudem Gäste zu einer Geburtstagsfeier mit Übernachtung in ein Hotel auf dem Kiez ein. Vor der Buchung hatte er eine gefälschte Kostenübernahme seines (ehemaligen) Arbeitgebers, eine Hamburger IT-Firma, vorgelegt. Als niemand die 7600 Euro zahlte und das Hotel bei der Firma anrief, hieß es, das Unternehmen habe Sebastian H. längst gefeuert und ihn wegen Betrugs angezeigt.

Hamburger Liebesschwindler: "Habe Vertrauen missbraucht"

Selbst der Bruder von Frau K. blieb nicht verschont: Ihn suchte Sebastian H. in Bayern auf und erleichterte ihn mittels einer Lüge um 2000 Euro. Darüber hinaus blieb er 12.000 Euro seiner Vermieterin schuldig, stahl als Kassierer in einer Tankstelle dreimal je 500 Euro aus der Kasse und brachte mehrere Ebay-Kleinanzeigenkunden um ihr Geld, indem er keine Ware lieferte.

Sebastian H. räumt die Taten am Dienstag „vollumfänglich“ ein. Er wolle da nichts beschönigen, sagt er. Und mit Blick auf die Frauen: „Ich habe Vertrauen missbraucht, ganz klar. Ich bereue das sehr.“ Wegen ähnlich gelagerter Taten ist er bereits ein Dutzend Mal verurteilt worden. Seit 2018 verbüßt er im Gefängnis eine Strafe nach der anderen. Er hat Privatinsolvenz angemeldet, sitzt auf mehr als 150.000 Euro Schulden. Eigentlich sollte er Anfang 2025 entlassen werden.

Daraus wird nichts mehr: Am Dienstag verurteilt ihn das Schöffengericht zu weiteren zwei Jahren Haft. Weil die Justiz das Verfahren verzögert hat, gelten fünf Monate als bereits vollstreckt. Der Angeklagte: „Ich muss endlich lernen, meine Ansprüche runterzudrehen und keine Straftaten zu begehen, wenn das Geld knapp wird.“

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