Prozess Hamburg

Realitystar auf Weihnachtsmarkt geschlagen? Freispruch

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Der Realitystar hatte behauptet, von einem Security-Mitarbeiter auf dem Weihnachtsmarkt "Santa Pauli" attackiert worden zu sein. (Archivbild)

Der Realitystar hatte behauptet, von einem Security-Mitarbeiter auf dem Weihnachtsmarkt "Santa Pauli" attackiert worden zu sein. (Archivbild)

Foto: Marcus Brandt/dpa

Security-Mitarbeiter soll den TV-Darsteller auf "Santa Pauli" attackiert haben. Doch vor Gericht stellt sich die Situation anders dar.

Hamburg. Es war schon ein bisschen ruhig um ihn geworden, der letzte größere Auftritt im Fernsehen einige Monate her. Da postete der Realitystar in den sozialen Medien, er sei mit der Faust geschlagen worden — das Ganze auf dem Weihnachtsmarkt „Santa Pauli“. Was ist dran an den Vorwürfen, die jetzt einen Security-Mitarbeiter wegen Körperverletzung vor das Amtsgericht gebracht haben?

Der Angeklagte Adriano P. lässt im Prozess von seinem Verteidiger schildern, er habe an jenem 3. Dezember 2021 zwei offenbar stark alkoholisierten Männern, die bei einer Bude einen Wasserschlauch abgerissen hätten, einen Platzverweis erteilt. Daraufhin habe einer der beiden Randalierer geltend gemacht, dass er prominent sei, habe sich „Nase an Nase“ vor ihm aufgebaut. Als er den Realitystar mit Hinweis auf Corona auf Abstand gehalten habe, habe dieser ihn geschlagen; er habe den Schlag mit der flachen Hand abwehrt. Also eine Notwehrsituation.

Realitystar auf Weihnachtsmarkt geschlagen? Anklage erhoben

Der 31-Jährige TV-Mann indes schilderte seinerzeit der Polizei einen Angriff seitens des Security-Mannes. Der Mann, bei dem ein Atemalkoholtest durch die Polizei 1,66 Promille ergeben hatte, hatte angegeben, dass der Mitarbeiter des Sicherheitsdienst ihn mit der Faust geschlagen und ihn vorher „als Schwuchtel beleidigt“ habe. Auch am nächsten Tag wiederholte der Moderator bei der Davidwache, dass er attackiert worden sei.

Bei seinem Zeugenauftritt jetzt am Amtsgericht backt der Realitystar kleinere Brötchen. Es sei ihm „unangenehm, dass ich so betrunken und wahrscheinlich nicht zurechnungsfähig war“, sagt der 31-Jährige. Heute hege er „keinen Groll“ gegen den Angeklagten.

Eine Zeugin, an deren Weihnachtsmarktstand die Männer aneinandergeraten waren, beschreibt den Realitystar als denjenigen, der aggressiv und massivst beleidigend gewesen sei. „Das war unterste Schublade.“ Er habe sich zudem empört, dass er nicht als Prominenter erkannt wurde, sei dann, nach einer Abwehrbewegung des Securitymannes, umgefallen „und fing an zu weinen“.

Realitystar geschlagen? Freispruch für Security-Mann

Am Ende erfolgt ein Freispruch für Adriano P. Die Anklage könne nicht bestätigt werden. „Es sieht eher so aus“, so der Richter, dass das vermeintliche Opfer sich „stark alkoholisiert danebenbenommen hat“, mit Beleidigungen, die in Richtung „Bodyshaming“ gegangen seien. Und der Verteidiger fasst zusammen: Der Realitystar habe „sich nicht vernünftig nehmen können, macht dann die große Welle“, habe sogar den angeblichen Angriff öffentlich gemacht.

„Auf meinen Mandanten bricht es dann herein. Ihm sind Aufträge gekündigt worden.“ Möglicherweise werde es für den Moderator „noch ein Nachspiel geben“. Konkret: Es könnten Schadenersatzforderungen des Security-Mannes auf ihn zukommen.

( bem )

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