Hafen Hamburg

AidaBella nach Kaimauer-Unfall auf dem Weg in die Karibik

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Martin Kopp
Das Kreuzfahrtschiff „Aidabella“ war am Donnerstag beim Anlegen im Hamburger Hafen beschädigt worden.

Das Kreuzfahrtschiff „Aidabella“ war am Donnerstag beim Anlegen im Hamburger Hafen beschädigt worden.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Das Kreuzfahrtschiff war beim Anlegen am Terminal Steinwerder gegen eine Mauer gekracht. War ein Fahrfehler die Ursache?

  • Die „AidaBella“ war am Donnerstag im Hamburger Hafen mit der Kaimauer kollidiert
  • Nach einer Reparatur konnte sie erst am Sonnabendabend wieder ablegen.
  • Inzwischen ist das Kreuzfahrtschiff auf dem Weg in die Karibik

Hamburg. Die Verspätung betrug satte 52 Stunden: Kurz nach 22 Uhr am Sonnabend konnte die „AidaBella“ den Hamburger Hafen wieder verlassen. Der Dampfer war am Donnerstagmorgen von einer 26-tägigen Kreuzfahrt zurückgekehrt.

Doch beim Anlegen am Kreuzfahrtterminal Steinwerder war es zum nautischen Fauxpas gekommen: Das Schiff fuhr mit dem Heck gegen die Kaimauer, drückte die Spundwand etwas ein. Am Heck hinterließ das unbeabsichtigte Aufeinandertreffen eine Delle und einen mehrere Meter langen Riss. Einer der zwar seltenen, dafür aber häufig spektakulären Schiffsunfälle in Hamburg.

Verletzt wurde an Bord der rund 252 Meter langen „AidaBella“ niemand. Doch aus der großen Karibikreise, zu der die Passagiere am Donnerstagabend eigentlich aufbrechen wollten, wurde zunächst nichts. Die Behörden verhängten ein Weiterfahrverbot. Die Passagiere, die sich zur „Großen Winterpause 1“, so der Name des 44-tägigen Kreuzfahrtprogramms, angemeldet hatten, stellte das auf eine Geduldsprobe. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

AidaBella: Was ist genau passiert?

Die „AidaBella“ war gegen 5.30 Uhr am Donnerstagmorgen von der Elbfahrrinne in den Vorhafen abgebogen. Dort drehte sie, um rückwärts in den Kaiser-Wilhelm-Hafen einzufahren. Anstatt das Hafenbecken zu treffen, knallte sie aber mit dem Heck gegen die Spitze der Kaizunge des Kronprinzkais, auf dem das Kreuzfahrtterminal steht. Wie die Hamburg Port Authority (HPA) bekannt gab, ist das Schiff mit dem Ellerholzhöft kollidiert, und zwar genau unterhalb des grünen Leuchtfeuers.

Dort sind Schäden an der Spundwand zu finden. Alkohol war bei dem Unfall nicht im Spiel. Das konnte die Polizei bereits am Donnerstagmorgen ausschließen. Stattdessen vermutete ein Sprecher der Polizei einen technischen Defekt. Da das Schiff aber direkt mit der Mitte des Hecks gegen das obere Kaiende gefahren ist, wird auch ein Fahrfehler nun nicht mehr ausgeschlossen. „Das ist möglich. Die Ermittlungen laufen dazu noch“, so ein Sprecher der Polizei am Freitag.

Wie ging es mit dem Schiff weiter?

Noch am Donnerstag schaltete die Wasserschutzpolizei die See-Berufsgenossenschaft (heute BG Verkehr) in Hamburg zur Leitung der weiteren Ermittlungen ein. Zeitgleich begann die Reederei Aida Cruises mit Sitz in Rostock und Hamburg mit ersten technischen Untersuchungen zur Schwere des Schadens am Schiff. Noch am Abend verkündete eine Sprecherin: „Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse sind wir sehr zuversichtlich, dass die ,Aidabella‘ am Wochenende ablegen kann.“

Nach Informationen des Abendblatts sollte der Schaden am Heck von außen über einen Ponton behoben werden. Das Schiff war dazu noch am Donnerstagabend vom Kronprinzenkai zum gegenüberliegenden Mönckebergkai verholt worden. Ein Werftaufenthalt war nicht geplant. Auch die Kaimauer muss repariert werden. Dafür besteht aber keine Eile. Die Standfestigkeit sei nicht in Gefahr, hieß es vonseiten der HPA.

Was sagt Aida?

Das Unternehmen teilte am Freitagnachmittag mit, dass die Reparaturarbeiten planungsgemäß voranschritten. Deshalb konkretisierte Aida seine Abfahrtspläne. Man sei „sehr zuversichtlich“, dass die Abfahrt bereits am Sonnabend im Laufe des Abends erfolgen könne. Für Gäste, die bisher noch nicht angereist seien, bestehe die Möglichkeit, am Sonnabend zwischen 13 und 17 Uhr einzuchecken. „Sie werden derzeit über die genauen Details zu ihrer Anreise informiert“, teilte Aida am Freitagnachmittag mit. Die „AidaBella“ verfügt über 1025 Gästekabinen und hat Platz für 2050 Passagiere.

Wie viele Passagiere genau am Donnerstagabend die Karibik-Kreuzfahrt starten wollten, gibt die Reederei nicht bekannt. Die überwiegende Mehrzahl der Gäste habe bereits am Donnerstag eingecheckt. „Sie haben die Möglichkeit, die vielfältigen Annehmlichkeiten des Schiffes zu nutzen und die Hansestadt Hamburg zu erkunden. Dafür stehen den Gästen kostenlose Shuttlebusse ins Stadtzentrum zur Verfügung“, teilte Aida mit. Auch angebotene Ausflüge zum Weihnachtsmarkt in Lübeck würden gut angenommen.

Nur kleine Änderungen am Reiseplan

Da das Kreuzfahrtschiff am 20. Januar 2023 wieder in Hamburg sein muss, weil es am selben Abend schon mit neuen Gästen zu seiner nächsten Reise aufbrechen soll, muss der bisherige Reiseplan etwas gekürzt werden. Näheres wollte die Reederei noch nicht sagen. „Informationen zum weiteren Fahrplan werden zeitnah bekannt gegeben“, erklärte eine Sprecherin. Das Schiff hat bereits am Donnerstag kurz nach der Havarie frischen Treibstoff gebunkert.

Allem Anschein nach entfällt der Stopp im portugiesischen A Coruna: Nach einem Halt in Portsmouth ist die „AidaBella“ am Dienstag auf dem Weg nach Teneriffa.

Konnten Passagiere stornieren?

„Weicht eine Reise erheblich vom gebuchten Plan ab, hat man das Recht davon zurückzutreten“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Sollte diese Reise, die ja für eine Dauer von 43 Tagen vorgesehen war, tatsächlich am Sonnabend, also mit zwei Tagen Verspätung, starten, wäre das wohl keine erhebliche Abweichung. Einen Reiserücktritt könnte man schwerlich geltend machen.“

Allerdings könne man darauf drängen, dass die Reederei ihren Kunden die entgangenen Tage erstattet, so Rehberg. Werde die Reise gekürzt und ein essenzieller Hafenanlauf gestrichen, könne man versuchen, auch dieses geltend zu machen.

AidaBella: Konnten Passagiere die Mitfahrt aus Angst verweigern?

„Eigentlich nicht“, sagt Verbraucherschützerin Rehberg. „Sie müssen und können sich darauf verlassen, dass die Reparaturarbeiten ordnungsgemäß erfolgen. Ohne eine Prüfung der Sicherheit würden die Behörden keine Freigabe zur Weiterfahrt erteilen.“ Deshalb könne man Angst vor der Sicherheit des Schiffs nicht als Rücktrittsgrund geltend machen.

In den sozialen Netzwerken war Verärgerung über die ungeplante Liegezeit eigentlich nicht zu finden. Die meisten Passagiere an Bord warteten mit Spannung darauf, dass es endlich losging. Ein Hamburger Reisegast sagte dem Abendblatt: „Ich sitze seit Tagen auf gepackten Koffern und würde mich freuen, wenn wir am Sonnabend loskämen.“ Dieser Wunsch wurde schließlich erfüllt.

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