Besonderes Hobby

Wie ein Eutiner in 3650 Stunden ein Segelboot baute

| Lesedauer: 6 Minuten
Marlies Fischer
Die heimische Garage wurde erweitert, damit Jan von der Bank seine „Remy“ dort bauen konnte – nahe der Familie.

Die heimische Garage wurde erweitert, damit Jan von der Bank seine „Remy“ dort bauen konnte – nahe der Familie.

Foto: KJM Verlag

Jan von der Bank baut ein Liebhaberstück – und schreibt ein Buch darüber. Das stellt er am Mittwoch im Hamburger Segel-Club vor.

Eutin.  Manche Männer restaurieren Schränke oder Autos, gehen angeln oder fahren Motorrad. Aber einer baute sich in der heimischen Garage in Eutin ein Boot. Jan von der Bank hat sich den Traum eines Retro-Racers aus Sperrholz, Epoxidharz und Mahagoni-Furnier erfüllt. 3650 Stunden hat der heute 55-Jährige getüftelt, geschliffen, gebohrt und laminiert. Das Ergebnis: ein aufsehenerregender Einzelbau, der im Sommer schon auf der Ostsee viel bewundert wurde. Und ein Hund für die Lebenspartnerin und die drei Töchter.

„Diese Sache hat mich sehr, sehr glücklich gemacht“, bilanziert von der Bank. Die Zeiten seien wegen Pandemie, Klimakrise und Ukraine-Krieg sehr unruhig. „Und dann so ein Boot bauen zu können und die Welt draußen zu lassen, das war ein Geschenk. Ich betrachte mich wirklich als privilegiert und als großen Glückskeks, dass ich das habe machen können.“ Als Kind habe er gerne Höhlen gebaut. „Die Erinnerungen kamen wieder. Dinge, die man baut und in die man selbst hineinklettern kann, die sind wirklich fantastisch.“

Wie ein Eutiner in 3650 Stunden ein Segelboot baute

Aufgewachsen ist er in Mainz, segeln gelernt hat er auf der Mosel, Architektur studiert in Kiel. Eine Ausbildung zum Bootsbauer an der Förde endete nach drei Monaten, weil die Firma nichts für den Lehrling zu tun hatte. 2005 wurde von der Bank vor Travemünde Weltmeister in der anspruchsvollen Einmann-Trapezjolle Contender. In Seglerkreisen ist er unter dem Spitznamen „Backe“ bekannt.

Seine langjährige Partnerin und Mutter der drei gemeinsamen Töchter (18, 14, 11) toleriert den „Bootsfimmel“, als Familie habe man schon viele Segelreisen unternommen. „Aber als ich dann mit der Idee kam, ein Boot bauen zu wollen, war ihre Bedingung, dass das in der heimischen Garage und nicht weit weg in einer Halle stattfindet.“ Die Garage wurde mit Zeltplanen verlängert und gab damit die Maße für das Boot vor. Und von der Bank war für die Familie jederzeit erreichbar, saß bei den Mahlzeiten mit am Tisch. „Natürlich oft im Blaumann.“

"Alle haben das Boot wachsen sehen"

Familienleben, Ausflüge und Urlaub gab es trotz des Projekts. „Ich habe mich nicht komplett in der Garage verbarrikadiert. Und alle haben das Boot wachsen sehen.“ Außerdem kam mit Labrador-Hündin Pepper ein weiteres weibliches Wesen ins Haus. „Die Kinder wollten unbedingt einen Hund und ich ein Boot bauen. Das war dann unser Deal.“

Die jüngste Tochter half übrigens begeistert mit. „Janika hatte einen eigenen kleinen Werkzeugschrank und hat tragende Teile mit laminiert. Das Boot trägt also auch ein bisschen ihre Handschrift.“ Außerdem gab es hin und wieder Unterstützung von Freunden und Fachleuten sowie vom Konstrukteur und Designer Martin Menzner, der in der Nähe von Kiel die Firma Berckemeyer-Yacht betreibt.

Materialkosten: Mehr als 60.000 Euro in fünfeinhalb Jahren Bauzeit

Warum also selbst ein Wasserfahrzeug anfertigen, wo es doch schon genügend gibt? „Ich wollte ein Boot haben genau nach meinen Vorstellungen. Und ich wollte den Prozess erleben, den Bau genießen, den Weg zum fertigen Projekt gehen.“ Natürlich brauche man dafür handwerkliches Geschick, Beharrlichkeit, Geduld. Und einen Beruf, der freie Zeiteinteilung erlaubt: Von der Bank ist Schriftsteller und Kinderbuch-Autor, außerdem verfasst er Drehbücher für Fernsehkrimis wie „Der Alte“ oder „Tatort“.

Mehr als 60.000 Euro hat der Tüftler in den rund fünfeinhalb Jahren Bauzeit für Material ausgegeben. „Aber ich habe auch Wertschöpfung betrieben. Würde das Boot auf einer Werft gebaut, könnte das schnell bis zu 350.000 Euro kosten.“

Im Juni war das gute Stück fertig: 9,5 Meter lang, 2,75 Meter breit, 1,4 bis 2,2 Meter Tiefgang dank eines Hubkiels, 2,3 Tonnen schwer. Ausgestattet mit Hightech-Segeln und einem ausklappbaren Elektromotor als Hafen-Hilfe, getauft auf den Namen „Remy“ nach der kochenden Ratte im Zeichentrickfilm „Ratatouille“.

Autor sein Buch im Hamburger Segel-Club vor

Und dann ging es vom Liegeplatz im Olympiahafen in Kiel-Schilksee aufs Wasser. „Der erste Schlag war großartig, ein Traum. Alles hat funktioniert und gehalten, alles war dicht.“ Im September nahm von der Bank an der beliebten dänischen Einhand-Regatta „Silverrudder“ rund Fünen teil, brauchte 22 Stunden und 15 Minuten und wurde 16. in seiner Gruppe mit 140 teilnehmenden Booten.

Jetzt ist die Saison zu Ende, die „Remy“ steht hoch und trocken nahe Eutin bei einem Bauern in der Scheune. „Im Winter werde ich noch ein wenig basteln und zwei Schichten Lack auftragen.“ Aber ansonsten ist das Projekt beendet, die Garage zurückgebaut und wieder Unterstellplatz für Autos. „Manchmal gehe ich runter in die Garage und in meine Werkstatt, puzzle rum und merke, dass gar nichts zu tun ist“, sagt von der Bank. „Da ist schon eine kleine Leerstelle. Aber jetzt konzentriere ich mich wieder auf meinen Beruf und werde etwas fleißiger schreiben.“

Backe baut'n Boot: Autor stellt Buch im Segel-Club vor

Gerade erschienen ist sein neuestes Werk „Backe baut’n Boot. 3650 Stunden Bootsbau-Abenteuer in der eigenen Garage“ im KJM Buchverlag Hamburg. (100 Seiten, 40 Euro). Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr stellt der Autor es im Hamburger Segel-Club, An der Alster 47, vor. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Grundlage ist das penibel geführte Bautagebuch. „Von Anfang an habe ich den Prozess für mich dokumentiert, um nachgucken zu können, was ist wo verbaut, was habe ich wie gemacht, welche Materialien und Werkzeuge wurden verwendet“, sagt von der Bank. „Das Buch, ergänzt mit vielen Fotos, ist eine schöne Abrundung meines ganzen Projekts.“ An dessen Ende jetzt eine besondere Yacht existiert, die es mit ihren vielen überraschenden Details so wohl kein zweites Mal gibt.

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