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Holsten-Quartier: Eiszeit zwischen Bezirk und Investor

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Ulrich Gaßdorf
Wohnen auf dem ehemaligen Brauereigelände: So sollte es eigentlich auf dem Holsten-Areal einmal aussehen.

Wohnen auf dem ehemaligen Brauereigelände: So sollte es eigentlich auf dem Holsten-Areal einmal aussehen.

Foto: André Poitiers Architekt Stadtplaner RIBA

Stillstand bei einem der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte in Hamburg. Warum ein Baustart nicht in Sicht ist.

Hamburg. „Dass der aktuelle Investor dieses für Hamburg wichtige Projekt umzusetzen in der Lage ist, muss bezweifelt werden. Daher prüfen wir nun sorgfältig und behördenübergreifend alle Optionen, dazu gehört möglicherweise auch ein Erwerb der Flächen durch die Stadt. Klar ist aber, dass dies nur zu einem angemessenen Preis erfolgen kann."

Diese Sätze in Bezug auf das Holsten-Areal in Altona, auf dem seit Jahren eigentlich rund 1300 Wohnungen, Büros und ein Hotel gebaut werden sollen, stammen von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und standen vor fünf Monaten im Hamburger Abendblatt.

Holsten-Quartier: "Es gibt weiterhin noch keinen neuen Sachstand"

Bevor Dressel sich im Mai entsprechend äußerte, hatte bereits der bei seiner Behörde angesiedelte Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) die Consus Real Estate AG, der Tochter der offensichtlich wirtschaftlich schwer angeschlagenen Adler Group gehört das Grundstück, angeschrieben und um Gespräche über einen möglichen Erwerb der Fläche gebeten. Doch seitdem ist nichts passiert. Stillstand, so kann man die Situation mit einem Wort beschreiben.

Auf Anfrage sagte ein Sprecher der Finanzbehörde. „Es gibt weiterhin noch keinen neuen Sachstand.“ Und die Stadt kann sich ihr Engagement im Prinzip auch sparen. Denn ein Sprecher der Adler Group sagte dem Abendblatt. „Ein Verkauf ist für uns ausdrücklich keine Option.“

Der wichtige Stadtentwicklunsprojekt liegt auf Eis

Das bedeutet allerdings, dass eines der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte in Hamburg auf unabsehbare Zeit nicht realisiert werden kann. Warum? Ein kurzer Rückblick. Bereits am 25. April verkündete das zuständige Bezirksamt Altona in einer Pressemitteilung. „Um die nachhaltige Entwicklung des Holsten-Quartiers zu sichern, fordert das Bezirksamt Altona die Adler Group auf, eine aktuelle Finanzierungszusage der Bank über das gesamte Bauvorhaben einzureichen.“

Im Abendblatt-Interview im Mai hatte Bezirksamtsleiterin Stephanie von Berg (Grüne) zudem gesagt, dass ohne diese Finanzierungszusage kein Baurecht geschaffen werde für das Holsten-Areal. Damals sprach von Berg Klartext. „Die Verhandlungen mit der Consus liegen auf Eis.“ Das gilt auch für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags zwischen Investor und Bezirk.

Eine Finanzierungszusage für das Projekt liegt nicht vor

An dieser Funkstille hat sich bis heute nichts geändert. Die Finanzierungszusage hat die Consus nicht erbracht. Das bestätigte Mike Schlink, Sprecher des Bezirksamts, auf Anfrage. Das hat zur Folge: Die Consus darf auf dem ehemaligen Brauereigelände nicht bauen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage des Sprechers der Adler Group etwas realitätsfremd.

„An unserer Position hat sich nichts geändert. Wir fühlen uns weiterhin an die Inhalte des städtebaulichen Vertrags (Anm. d. Red.: Dieser wurde nicht vom Bezirksamt unterschrieben und hat damit auch keine Gültigkeit) gebunden und halten an der Realisierung fest. Die Abrissarbeiten sowie Ertüchtigungen der denkmalgeschützten Bauten auf dem Holsten-Areal laufen weiter.“ Nach derzeitigem Planungsstand rechne man mit einer Fertigstellung für Ende 2027 beziehungsweise 2028.

"Es gibt mit der Consus keine Zukunft für die Bebauung des Holsten-Areals"

Unterdessen macht Altonas CDU-Fraktionschef Sven Hielscher deutlich: „Es gibt mit der Consus keine Zukunft für die Bebauung des Holsten-Areals. Deshalb müssen wir erreichen, dass die Consus ihre Preisvorstellungen für das Grundstück deutlich nach unten korrigiert und es dann von der Stadt oder liquiden Immobilienunternehmen gekauft wird. Ziel muss es sein, dass dort verlässliche Partner die rund 1300 Wohnungen realisieren.“ Hielscher kündigt an: „Fest steht, erst wenn die Consus hier nicht mehr im Boot ist, wird die Politik das Baurecht schaffen.“

Wie berichtet, stand das Grundstück zuletzt mit einem Wert von 364 Millionen Euro in den Büchern der Consus. Ein völlig utopischer Preis, den wohl kein Marktteilnehmer bezahlen würde. Wie berichtet, hatte die Carlsberg Gruppe – zu der die Holsten-Brauerei gehört – das Grundstück 2016 zunächst für rund 150 Millionen Euro an die Gerchgroup verkauft. Danach wechselten mehrmals die Eigentumsverhältnisse.

Holsten-Quartier: Bezirk widerruft Fällgenehmigung für Bäume

Ende Juni hatte das städtische Wohnungsunternehmen Saga und der Projektentwickler Quantum gemeinsam Interesse an einem Ankauf des rund 8,6 Hektar großen Filetgrundstücks bekundet. Es kam jedoch dem Vernehmen nach nicht zu Verhandlungen mit der Consus. Und Immobilienunternehmer Dieter Becken wollte das Areal ebenfalls erwerben. „Wir haben ein Kaufangebot unterbreitet. Aber daran hatte die Consus kein Interesse. Es gibt deshalb aktuell keine Verhandlungen über einen Ankauf des Grundstücks“, sagte Becken dem Abendblatt.

Es ist zwar nur eine Randhandlung bei diesem Krimi um eines der wichtigsten Bauvorhaben der Stadt. Aber dadurch wird deutlich: Consus hat die Sympathie von Politik und Bezirk längst verspielt. Das Bezirksamt hat die bereits erteilte Fällgenehmigung für Bäume auf dem Holsten-Areal und einem Nachbargrundstück widerrufen. Das bestätigte Sprecher Schlink.

Zuvor hatte es dazu einen Antrag der Partei Die Linke in der Bezirksversammlung gegeben, dem alle Fraktionen zugestimmt hatten. Aber vielleicht lenkt die Consus ja noch ein und verkauft das Holsten-Gelände. So wie vor Kurzem in Wilhelmsburg. In diesem Stadtteil hat das Unternehmen ein Areal an die Empira Invest mit Sitz in der Schweiz und Liechtenstein verkauft. Dort im neuen Korallusviertel sind 830 Wohnungen geplant, vielleicht werden diese jetzt tatsächlich realisiert.

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