Polizei Hamburg

Polizei beendet Mammuteinsatz an Schulen – und zieht Bilanz

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Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen winken ein sogenanntes Elterntaxi aus dem Straßenverkehr.

Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen winken ein sogenanntes Elterntaxi aus dem Straßenverkehr.

Foto: Swen Pförtner / picture alliance / Swen Pförtner/dpa

Für die „Aktion Schulwegsicherung“ war Hamburgs Polizei fast drei Wochen im Einsatz. Besonders Elterntaxis bleiben ein großes Problem.

Hamburg. „Aktion Schulwegsicherung“ heißt der Mammuteinsatz der Hamburger Polizei, bei dem Beamte nach der Einschulung von rund 17.000 Abc-Schützen ganz gezielt ein Auge auf den Verkehr im Umfeld von Schulen hatten. Dabei nahm die Polizei nicht nur klassische Verkehrsdelikte ins Visier. Auch das wilde Parken von Elterntaxis wurde geahndet. Nach zweieinhalb Wochen zog die Polizei jetzt Bilanz: 147 Bußgeld- und 12.174 Verwarngeldverfahren hatten die Beamten eingeleitet.

„Es war schon ein großer Einsatz, an dem viele Polizeikräfte der Verkehrsdirektion und der Wachen beteiligt waren“, sagt Polizeisprecher Thilo Marxsen. Bei 750 Einzelaktionen im gesamten Stadtgebiet kontrollierten die 650 eingesetzten Beamten 2174 Fahrzeuge und 2655 Menschen. Viele der über 12.000 „Knöllchen“ bekamen Eltern, die ihre Kinder per Elterntaxi zur Schule gefahren und sich dabei nicht um die Parkregeln geschert hatten.

Polizei Hamburg: Elterntaxis bleiben großes Thema

Geahndet wurden aber auch Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstöße, die Missachtung des Vorrangs für Fußgänger an den Überwegen oder Fälle, bei denen Kinder im Auto mitfuhren, aber die für sie nötigen Kindersitze fehlten. „Darüber hinaus wurde auch darauf aufmerksam gemacht, wenn Kinder so gekleidet waren, dass sie nur schwer zu sehen sind“, so Marxsen weiter.

Elterntaxis bleiben auch in Zukunft ein großes Thema, weil durch sie oft gefährliche Situationen vor Schulen entstehen. Sie sind ein Massenproblem. „Nach Schätzung der Behörde für Schule und Berufsbildung werden etwa ein Viertel bis ein Drittel der Grundschulkinder von ihren Eltern oder anderen Begleitpersonen mit dem Auto zur Schule gefahren“, sagt Marxsen. Allerdings sei diese Zahl abhängig zum Beispiel davon, wo die Schule ist, von der Schülerzahl oder auch der Struktur der vorhandenen Verkehrswege.

Verringerter Autoverkehr erhöht Sicherheit

„Wir als Polizei weisen immer wieder darauf hin, dass der Hol- und Bringverkehr deutliche Gefahren für die zu Fuß ankommenden Kinder mit sich bringt“, sagt Marxsen. Beispielhaft seien hier das Rangieren oder Wenden, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder die Sichtbehinderung der Kinder durch haltende oder parkende Autos zu erwähnen. „Ein verringerter Autoverkehr rund um die Schule erhöht signifikant die Sicherheit der Kinder“, so Marxsen.

Ohnehin hätten es Kinder, die täglich von den Eltern bis vor die Tür der Schule gefahren werden, schwerer, sich sicher auf den Straßen der Stadt zu bewegen. „Kinder müssen mal lernen, ihre Alltagswege, zu denen eben auch der tägliche Weg zur und von der Schule gehört, sicher und selbstständig bewältigen zu können und was es bedeutet, Verkehrsteilnehmer zu sein“, so Marxsen. „Wir als Polizei unterstützen dabei beispielsweise durch die Polizeiverkehrslehrer mit Unterricht an den Schulen, Übungen in der Praxis und allgemein mit mehreren Aktionen.“

Beim Schulweg die Verkehrsregeln lernen

Dazu gehört auch die Kampagne „Rücksicht auf Kinder kommt an“, die seit 2002 zweimal pro Jahr nach den Oster- und Sommerferien stattfindet. Wie es besser geht, weiß die Polizei auch. „Wenn Kinder zur Schule gefahren werden müssen, sollte man das Auto ein Stück von der Schule entfernt parken“, so Marxsen. „Die Abc-Schützen sollten gerade in der ersten Zeit zu Fuß zur Schule begleitet werden. Dabei kann man gleich die notwendigen Verkehrsregeln vermitteln. Und schließlich sollte man sein Kind dazu ermuntern, den Weg zur Schule zu Fuß zurückzulegen.“

Das sieht auch Thomas Jungfer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), so. „Kinder müssen nun einmal lernen, wie man sich im Verkehr bewegt und welche Regeln einzuhalten sind. Das wird in der Praxis gern von den Eltern begleitet. Auf diese Weise lernt ein Kind, selbst den Schulweg zu gehen. Wird Kindern das aber abgenommen, indem man sie zur Schule fährt, können sie sich nicht so schnell sicher auf Hamburgs Straßen bewegen.“

Einige Schulen haben Haltestellen eingerichtet

Das Thema Elterntaxi beschäftigt auch den ökologischen Verkehrsclub sowie den Verband Bildung und Erziehung und das Deutsche Kinderhilfswerk. Zusammen haben sie eine repräsentative Umfrage zum Thema „Sicherheit auf Schulwegen“ durchgeführt, deren Ergebnis Ende kommende Woche vorgestellt werden soll. Darin soll erfasst sein, wie Kinder zur Schule kommen, was die dafür Gründe sind, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren oder welche Maßnahmen für sinnvoll gehalten werden, um den Verkehr vor Schulen besser zu regeln.

Gerade dieser Gedanke ist nicht neu. „Viele Schulen haben bereits sogenannte Haltestellen eingerichtet. Hier treffen sich die Kinder im erweiterten Umfeld der Schule und gehen von dort den restlichen Weg gemeinsam zu Fuß. Dieses hat sich vielfach bewährt“, sagt Polizeisprecher Thilo Marxsen.

Polizei Hamburg: Elterntaxis bleiben weiter ein Problem

Trotzdem bleibt das Problem Elterntaxis weiter bestehen. Ein Schulleiter sieht das so: „Es sind immer dieselben Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren. Spricht man sie an, bekommt man in vielen Fällen gar keine, eine pampige oder völlig abstruse Antworten. Diskussionen sind dann in den meisten Fällen völlig sinnlos. Wir zeigen in solchen Fällen die Autofahrer, wenn sie dabei Verstöße begehen, auch an.“

Jungfer sieht das ähnlich. „Viele Fahrer von Elterntaxis zeigen wenig Einsicht. Da hilft es nur, wenn die Polizei regelmäßig Kontrollen durchführt und Verstöße auch konsequent ahndet. Anders geht es in vielen Fällen einfach nicht.“

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