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Kultur-Tipps für Hamburg: Scooter entzündet das „Fire“

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Zwei Stunden Dauerfeuer aus den Boxen und Flammenwerfern: Bei Scooter, hier 2019 beim Lollapalooza-Festival 2019 im Berliner Olympiastadion, bleibt kein Auge trocken.

Zwei Stunden Dauerfeuer aus den Boxen und Flammenwerfern: Bei Scooter, hier 2019 beim Lollapalooza-Festival 2019 im Berliner Olympiastadion, bleibt kein Auge trocken.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Techno-Stars der 90er, Pop-Hoffnungen der 20er, Klassisches und Politisches – Hamburgs beste Termine, für die es noch Karten gibt.

Hamburg. Festival-Charakter, mal lauter (mit Scooter), mal nachhaltiger (auf Entenwerder), der „Mensch“ Grönemeyer im Kino, Weltstar Ingrid Bergman noch mal auf der Leinwand, Weltstar Brandauer in der Laeiszhalle und Deutschlands dienstältestes Satireduo im Lustspielhaus – der August endet vielfältig, und der September beginnt spöttisch.

KONZERT

In der Kunst und in der Musik gibt es die Ein-Trick-Ponys und die Vielseitigkeits-Persönlichkeiten, die die ganze Palette beherrschen: Gesang, Instrumente, Inszenierung, Darstellung, Songwriting. Eine besondere Inspiration haben auch die Hamburgerinnen, die am 30. August auf dem Lattenplatz spielen: Ina Tramp veröffentlichte 2020 mit Synthie-Koryphäe Chris Haertel die EP „Human Robots“ und beeindruckte mit dramatischem Future-Pop.

Und Aylin Ejder alias Kaisa Rya lässt es in ihren Songs „Ego“ und „Lips“ noch schillernder angehen mit expressiven Hyper-Pop-Perlen, die nicht von ungefähr an Dua Lipa erinnern. Beide Künstlerinnen gehörten 2020 zum ersten Jahrgang der Wacken Metal Academy der Hamburg School of Music. Sie haben Rock ’n’ Roll verinnerlicht.

Ina Tramp & Kaisa Rya Di 30.8., 18.00, Lattenplatz (U Feldstraße), Neuer Kamp 30, Karten zu 13,60 im Vorverkauf; www.knusthamburg.de

AUSSTELLUNG

Ein White Cube auf zwei Ebenen mit 500 Quadratmetern Fläche – die Fabrik der Künste in Hamm bietet ideale Bedingungen für Künstlerinnen und Künstler. Noch bis Sonntag zeigen 18 neue Mitglieder des Berufsverbands bildender Künstler/-innen (BBK) ihre aktuellen Arbeiten. Der Titel der Gruppenausstellung „Position“ verweist darauf, dass ihnen ohne thematische Vorgaben Raum zur individuellen Meinungsäußerung im demokratischen Diskurs gegeben wird.

Die von Carsten Rabe kuratierte Schau möchte Beiträge zur Vermittlung von gesellschaftlichen Zusammenhängen mithilfe der Mechanismen der bildenden Kunst leisten. Mit dabei sind Alisa Tsybina, Anne C. Lohrmann, Carl Kemper, Drew Matott, Kai Brüninghaus und Renata Palekcic.

„Position“ Sa 27./So 28.8., je 12.00–16.00, Fabrik der Künste (Bus 112), Kreuzbrook 10, Eintritt frei, www.fabrikderkuenste.de

KONZERT

„Endless Summer“, „Move Your Ass“, „Do Not Sit If You Can Dance“, „Hyper Hyper“, „God Save The Rave“: Die gut 25 Lieder, die an diesem Sonnabend über Bahrenfeld und angrenzenden Viertel böllern, wummern und krachen, lassen nur einen Schluss zu: Scooter ist wieder in der Heimat, um zum dritten Mal das „Fire“ auf der Trabrennbahn zu entzünden, zu fragen, was der Fisch kostet und überhaupt die größte Gaga-Techno-Pop-Party des Jahres zu feiern. Gehirn auf Stand-by , Kehle auf Durchlauf, Ohren auf Durchzug.

Scooter Sa 27.8., 19.00, Trabrennbahn Bahrenfeld (Bus 3, X3), Luruper Chaussee 30, Karten zu 58,85 im Vorverkauf; www.scootertechno.com

KLASSIK

Dass Johannes Brahms nie eine Oper geschrieben hat, gehört zu den Spezialitäten seiner Karriere. Sein zwischen 1861 und 1869 entstandener Liedzyklus über „Die schöne Magelone“ ist eindeutig keine Oper, hat aber etwas faszinierendes Musiktheatrales: Die hochromantische Liebesgeschichte aus einem spätmittelalterlichen Ritter-Roman wird nicht nur in den Liedern erzählt, sondern auch in Zwischentexten von einem Schauspieler. Beim Konzert des Baritons Andrè Schuen (er war 2019 an der Staatsoper als Don Giovanni ein Aktivposten in Jan Bosses Inszenierung) am Dienstag in der Laeisz­halle übernimmt Klaus Maria Brandauer die Erzählerrolle. Der Abend ist ein Nachspiel-Termin des dann schon beendeten Schleswig-Holstein Musik Festivals, das sich sehr um Brahms drehte.

Schuen/Heide/Brandauer Di 30.8., 19.30, Laeiszhalle (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz, Karten ab 19,- bis 69,-; www.shmf.de

KONZERT-KINO

Fußball in der Arena AufSchalke ist in etwa so ursprünglich wie eine Currywurst aus Plastik. Wenn diese jedoch ein gebürtiger Göttinger aus Bochum respektive Berlin besingt, hat das mehr Geschmack. Ende August 2002 erschien Herbert Grönemeyers Album „Mensch“ – es wurde eines der erfolgreichsten der deutschen Musikgeschichte. Auf der „Das Beste von gestern bis Mensch“-Tour 2003 feierten Hunderttausende eine emotionale Rückkehr des damaligen Wahl-Londoners.

Der entstandene Konzertmitschnitt „Mensch Live“ vor 65.000 Fans aus der Arena AufSchalke ist am 31. August erstmals auf Leinwand zu sehen, in Hamburg in der Astor Film Lounge. Die zweistündigen Aufnahmen wurden digital in HD remastered und mit Dolby-Atmos-Tonspuren ergänzt. Für viele ein schöner Ersatz für die wegen Corona im Frühling ausgefallenen Grönemeyer-Jubiläumskonzerte.

Herbert Grönemeyer: „Mensch Live“ Mi 31.8., 20.30 , Astor Film Lounge HafenCity/Saal 1 (Bus 111), Am Sandtorkai 46a, Karten: 17,-; www.hamburg.premiumkino.de

KABARETT

Für manche überraschend sickerte Anfang Juli die Auflösung von Deutschlands ältestem Satireduo durch. Nach 65 Kabarett-Programmen in 38 Jahren geht Alma Hoppe mit dem „Finale Arrabbiata – Das Letzte kommt zum Schluss“ am 2. September in die letzte gemeinsame Spielzeit. Es soll ein Mix aus einem Best-of und aktuellen neuen Nummern werden. Dafür haben Jan-Peter Petersen und Nils Loenicker, der sich im März zurückzieht, den Satire-Altmeister Henning Venske (83) für ein Regie-Comeback gewonnen. Zuvor eröffnen „extra 3“-Moderator Christian Ehring (am 27.8. mit „Antikörper“) und Kabarett-Minimalist Rolf Miller (1.9. mit „Obacht Miller“) den Gastspiel-Reigen der Saison 2022/23.

„Finale Arrabbiata“ Premiere Fr 2.9., 20.00, auch Sa 3.9., 20.00, So 4.9., 19.00, bis 31.12., Lustspielhaus (U Hudtwalckerstraße), Ludolfstr. 53, Karten zu 30,- (erm. 20,-) bis 37,-; www.almahoppe.de

KINO

Am Montag gibt es zwei Jahrestage, die einen Bezug zu Ingrid Bergman haben. Vor 40 Jahren ist die großartige schwedische Schauspielerin gestorben. Am selben Tag ist ihr 40. Todestag. Im Metropolis, wo übrigens ihre Tochter Isabella Rossellini vor einigen Jahren ihren Film „Green
Porno“ vorstellte, denkt man an sie und zeigt noch einmal die Komödie „Cactus Flower“ (Kaktusblüte) von Gene Saks aus dem Jahr 1969 mit Bergman und Walter Matthau in den Hauptrollen. Der Film wird in der Originalfassung gezeigt und von einer Einführung von Andrea Kirchhartz begleitet.

„Cactus Flower“ Mo 29.8., 16.30, Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 10, Karten zu 9,-/6,-; www.metropoliskino.de

BUCHVORSTELLUNG

Die langjährige ZDF-Russland-Korrespondentin Katrin Eigendorf kommt am Donnerstag ins Abaton-Kino, um ihr aktuelles Buch vorzustellen. „Putins Krieg“ heißt es. Auch aus der Ukraine hat sie immer wieder berichtet. Vorher hatte sie schon in Georgien erlebt, was geschieht, wenn der Kreml seine Truppen in einen Krieg schickt.

Sie glaubt, dass diese Kriege in Deutschland nicht ernst genug genommen werden. Katrin Eigendorf wird aus ihrem Buch lesen und sich den Fragen von Ulrich Wickert stellen.

„Putins Krieg“ Do 31.8., 19.30, Abaton (Bus 4, 5), Allende-Platz 3, Karten 9,50; www.abaton.de

FESTIVAL

Jetzt, da Open-Air-Festivals wieder über die Bühne gehen können, fallen auch alte Probleme auf, wie etwa hoher Energiebedarf und -verbrauch sowie tonnenweise Müll. Mit nur einer haushaltsüblichen Tonne kommt trotz 5000 Besuchern seit 2018 das Futur 2 Festival auf der Elb-Halbinsel Entenwerder aus. In diesem „Zukunftslabor“ werden diesen Sonnabend wieder innovative und nachhaltige Konzepte ausprobiert und optimiert: Die beiden Bühnen werden mit Solarenergie oder Pedalkraft betrieben, überzähliger Strom gespeichert, Speisen weitestgehend regional organisiert und Restmüll auf ein absolutes Minimum beschränkt: Nicht gespart wird an der Musik mit Kat Frankie, Grace Cummings, I See Rivers, Magupi, Sofia Portanet, weiteren Künstlerinnen und DJs. Der Eintritt ist frei und das Programm geht – ab 22 Uhr mit Kopfhörern – so lange wie die Speicher abliefern.

Futur 2 Festival Sa 27.8., 12.00–24.00, Entenwerder 1 (U/S Elbbrücken), Eintritt frei; www.futur2festival.de

( tl, vob, str, jomi, vfe )

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