Kunsthalle Hamburg

Der Promi-Maler, dessen Dauermodell Otto von Bismarck war

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Volker Behrens
Die Hamburger Kunsthalle.

Die Hamburger Kunsthalle.

Foto: IMAGO / Westend61

Das Kunstspiel zum Mitmachen – jeden Montag im Abendblatt. Heute: Franz von Lenbach, „Der rote Schirm“.

Hamburg. Der „Münchner Malerfürst“ Franz von Lenbach (1836– 1904), mit vollem Namen Franz Seraph Ritter von Lenbach, konnte auch anders. Bekannt wurde der Künstler durch seine zahlreichen Porträts von Prominenten. Allein den Reichskanzler Otto von Bismarck hat er 80-mal (!) gemalt.
Im Bild „Der rote Schirm“, das um 1860 entstanden ist, widmet er sich einem ganz anderen Sujet. Die ländliche Szene wird von zwei Farben dominiert.

Da ist einmal das titelgebende Rot des großen Sonnenschirms, der die Bildmitte dominiert. Wieder aufgegriffen wird der Ton von der Landarbeiterin links vom Schirm, der Weste des Jungen auf der rechten Seite sowie dem Kopftuch des weiblichen Wesens neben ihm. Auch im Hintergrund der flüchtig gestalteten Menschen gibt es noch solche Farbtupfer.

Lenbach genoss hohes Ansehen

Ansonsten wird das Bild von Beige- und Brauntönen dominiert, die den Eindruck eines heißen Sommertages vermitteln. Die Luft scheint geradezu zu flirren. Das setzt natürlich in so trockenen Zeiten wie den heutigen eigene Akzente und weckt besondere Assoziationen. Auf dem Feld stehen zahlreiche Getreidegarben. Im Schatten des Schirms liegt ein kleines Kind im Handwagen, davor ruht sich ein weiteres aus. Kunsthistoriker fühlen sich durch den Pinselduktus und die Farb­flecken an Werke von Constable erinnert und sehen darin erste Anzeichen des aufkommenden Impressionismus.

Schon zu Lebzeiten genoss von Lenbach hohes Ansehen. Sein Vater, der Stadtbaumeister in Schrobenhausen in Oberbayern war, bekam aus zwei Ehen 17 Kinder und brachte es trotzdem zu einem gewissen Wohlstand. Eigentlich sollte Franz von Lenbach im Baubetrieb seiner Eltern arbeiten, dort wurde er auch Maurergeselle, aber dann machte er eine Ausbildung bei einem Baubildhauer. Als Studierender verdiente er sich Geld mit Schützen­bildern, die bei Schützenfesten auf den Schießscheiben befestigt wurden. An der Akademie für Bildende Künste in München wurde Karl Theodor von Piloty einer seiner Lehrer. Die Karriere begann.

Lenbach freundete sich mit Böcklin an

1860 wurde Lenbach Professor in Weimar und freundete sich mit Arnold Böcklin an. Doch die Goethe-Stadt konnte ihn nur eineinhalb Jahre halten. Er verabschiedete sich mit der Begründung: „Die Erkenntnis, dass ich selber erst lernen statt lehren müsse, trieb mich fort, dazu die Sehnsucht nach Italien.“

1863 reiste der Maler tatsächlich gen Süden in sein Traumland, wo er Bilder von Murillo und Tizian kopierte. Er begann seine Neigung zu Porträts zu entwickeln. Sein Credo, gerade als Porträtmaler, hat er einmal so beschrieben: „Kunst treiben heißt Takt üben. Mit Takt ist die Größe, das Format der Ausführung zu wählen und festzuhalten. Takt ist ja auch im Leben die Grundbedingung eines sozusagen künstlerischen Verhältnisses der Menschen zueinander. Die Leute, die Takt haben, sind die wahren Aristokraten der Menschheit.“

Lenbach wurde zum Promi-Maler

Zurück in München, konnte er mit seiner Kunst in der feinen Gesellschaft reüssieren. Aber Lenbach wollte nach Berlin. „5000 bis 10.000 Gulden jährlich wird mir (sofern ich gesund bleibe) wohl nicht schwer werden, den reinen Ochsen daselbst abzunehmen.“

Das Großbürgertum erkannte sich in Lenbachs Bildern wieder, man wollte Glanz und Reputation. Lenbach wurde zum Promi-Maler, als eins seiner besten Bilder gilt das von Papst Leo XIII. Mit seinem Dauermodell Bismarck feierte er auch Weihnachten und Geburtstage. Aber die Kritik nahm im Laufe der Zeit zu.

Lenbach starb in München

Sein Schweizer Kollege Karl Stauffer-Bern urteilte über ihn: „Er ist ein außerordentlich begabter, von der Natur verschwenderisch ausgestatteter Mensch, der es aber doch fertiggebracht hat, gründlich zu versimpeln. Seitdem er nur mit Kaisern, Königen und Palästen zu tun hat, fehlt ihm die Zeit zur ernsten Tätigkeit.“

Franz von Lenbach starb am 6. Mai 1904 in München. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde er dort auch beerdigt. Doch schon bald schwand die Popularität seiner Bilder. Stattdessen angesagt waren dann die Werke eines Kollegen, der bereits 1880 gestorben war: Anselm Feuerbach.

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