Prozess Hamburg

Tonnenweise Kokain geschmuggelt – auch in Brokkoli-Container

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Bettina Mittelacher
Den zwei Angeklagten wird vorgeworfen, den Transport von mehr als zwei Tonnen Kokain, Marihuana und Amphetaminen in den Hamburger Hafen mitorganisiert und überwacht zu haben.

Den zwei Angeklagten wird vorgeworfen, den Transport von mehr als zwei Tonnen Kokain, Marihuana und Amphetaminen in den Hamburger Hafen mitorganisiert und überwacht zu haben.

Foto: picture alliance/dpa | Georg Wendt

Auf dem Seeweg haben Drogendealer monatelang Kokain nach Hamburg geholt. Zwei Männer stehen nun vor Gericht.

Hamburg. Die begehrte Ware war in doppelten Böden von Containern verborgen oder in Wartungsklappen. Sie war versteckt in der Nähe von Ladungen mit Brokkoli, Reis oder Bananen. Und sie kam auf dem Seeweg aus Südamerika und wurde in Hamburg ungeduldig erwartet. Gleich tonnenweise soll eine Bande Kokain in die Hansestadt geschmuggelt haben.

Haben Nader H. und Serkan G. bei dem im großen Stil abgewickelten Drogenhandel mitgemischt? Das ist zumindest der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die die beiden 35 und 36 Jahre alten Männer vor dem Landgericht angeklagt hat. Die zwei Verdächtigen schwiegen zum Prozessauftakt. Er wolle sich „erstmal noch nicht“ äußern, sagte der 36-Jährige. Beiden wird vorgeworfen, den Transport von mehr als zwei Tonnen Kokain, Marihuana und Amphetaminen in den Hamburger Hafen mitorganisiert und überwacht zu haben.

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Dabei gilt der 35 Jahre alte Nader H. als einer der zentralen Figuren der Bande. Er soll als „rechte Hand“ eines weiteren Hauptverdächtigen fungiert und die Bergung des Kokains aus den Containern organisiert und überwacht haben.

Die Taten spielten sich der Anklage zufolge in der Zeit von Frühjahr 2019 bis Juni 2020 ab. Involviert gewesen sind demnach neben den beiden Angeklagten mehrere weitere Männer, die den Transport in unterschiedlichen Konstellationen, aber jeweils straff organisiert über die Bühne brachten. Um die heiße Ware aus dem Containerhafen schaffen zu können, sollen die Bandenmitglieder die Container-Abfertigungsprozesse manipuliert haben. Zusätzlich haben sie laut Anklage Lkw-Fahrer für den Transport angeheuert und die Drogen an Orte bringen lassen, wo sie gelagert und von wo aus sie mit Gewinn weiterverkauft werden sollten.

Doch in mehreren Fällen gingen die Dealer den Ermittlungen zufolge leer aus. So wie bei einem Transport, der am 28. Oktober 2019 Hamburg erreichte. Wie es in der Anklage heißt, hatte Nader H. mit seinen Mittätern die Bergung eines Kühlcontainers mit Brokkoli aus Ecuador organisiert, welcher nach ordnungsgemäßer Entladung leer im Terminal abgestellt worden war und in dessen Wartungsklappen des Kühlaggregats sich ursprünglich gut 22 Kilogramm Kokain befanden. Doch als der 35-Jährige und seine Mittäter den Container abholten und die kostbare Ware bergen wollten, stellten sie fest, dass das Kokain bereits vom niederländischen Zoll in Rotterdam sichergestellt worden war.

Polizei Hamburg ermittelte ein Jahr gegen Drogenbande

In einem anderen Fall sollen H. und seine Mittäter am 4. März 2020 einen mit Bananen beladenen Kühlcontainer am Containerterminal abgeholt, ihn in eine Lagerhalle in Dollern verbracht und aus einem Hohlraum im Containerinnern 154 Kilogrammblöcke Kokain geborgen haben. Die Drogen sollen für den Weiterverkauf insbesondere in Hamburg bestimmt gewesen sein. Bei einzelnen Deals kam es offenbar auch zu Unstimmigkeiten innerhalb der Bande. Wie aus Nachrichten hervorgeht, die über die von Kriminellen gern genutzten Encro-Chat-Handys ausgetauscht wurden, bemängelte ein Mann, der sich „geniusliga“ nannte, gegenüber „phantomlobby“ die Qualität des Kokains. Bei anderen Lieferungen wiederum war die Ware offenbar zur Zufriedenheit aller.

Im Prozess gegen Nader H. und Serkan G. sind zunächst 32 Verhandlungstermine bis Februar kommenden Jahres terminiert. Etwa ein Jahr lang hatten die Hamburger Polizei und das Zollfahndungsamt gegen die Drogenbande ermittelt. 2020 gelang ihnen schließlich der Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Norddeutschland. Mehr als ein Dutzend Verdächtige wurden festgenommen. Andere mutmaßliche Täter gingen den Beamten der Staatsanwaltschaft zufolge später ins Netz.

Das nun gestartete Verfahren ist eines von mehreren in diesem Zusammenhang. Wie hieß, sind in dem Komplex bislang fünf Urteile ergangen, von denen vier bereits rechtskräftig sind. Ein weiteres Verfahren gegen acht Angeklagte läuft zudem aktuell ebenfalls vor dem Landgericht.

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