Ansgar-Gruppe Hamburg

Erzbistum will Krankenhäuser bis 2023 verkauft haben

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Erzbischof Stefan Heße (Archivbild).

Erzbischof Stefan Heße (Archivbild).

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Der Unmut der Belegschaft in den Krankenhäusern wächst. Doch nun hat sich auch etwas bei der Bietergemeinschaft getan.

Hamburg. Das Pokern um den Verkauf der katholischen Ansgar-Gruppe mit ihren Krankenhäusern geht weiter – doch offenbar gibt es erstmals einen Zeitplan. Während Tausende Mitarbeiter des Hamburger und des Lübecker Marienkrankenhauses, der Kinderklinik Wilhelmstift und von Groß-Sand nach der Zukunft ihrer Häuser fragen, hüllt sich das Hamburger Erzbistum zwar weiter in Schweigen. Zu den Gesprächen mit den potenziellen Käufern dringt praktisch nichts nach außen. Auch die Interessenten schweigen: eine Bietergemeinschaft der Immanuel Albertinen Diakonie und der St. Franziskus Stiftung (Münster). Aber: „Der Fahrplan sieht vor, zum 1. Januar 2023 den Verkauf zu vollziehen“, sagte ein Sprecher des von Stefan Heße geleiteten Erzbistums.

Die „ökumenische Bietergemeinschaft“ aus Albertinen und Franziskus verhandele mit dem Erzbistum „über Entwicklungsperspektiven“ für Groß-Sand und die Ansgar-Gruppe. Es gebe „gute Beratungen“ und es gehe darum, „künftige Investitionsentscheidungen“ zu treffen und „optimal planen zu können“. Hinter diesen Sätzen steckt ein strategisches Kalkül: Wenn mit der Albertinen-Gruppe, den Ansgar-Häusern und Groß-Sand neben den sieben Häusern von Asklepios und dem UKE ein neuer Krankenhaus-Riese in Hamburg entsteht – wer macht dann innerhalb dieses Konzerns was? Wo lassen sich Millionen beim Einkauf sparen? Wo Millionen generieren beim Leiten der Patientinnen und Patienten vom einen ins andere Haus? Welche Tarifverträge gelten? Wie kann man Ärzte und Pflegekräfte behalten und neue anlocken?

Erzbistum Hamburg will vier Krankenhäuser bis 2023 verkaufen

Das ist zu einer Kernfrage des deutschen Gesundheitswesens geworden. Und eine Überlebensfrage für Marienkrankenhaus und Groß-Sand. Denn während der Übernahmegespräche wuchs der Unmut in der Belegschaft. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Verantwortliche sagten in Gesprächen mit dem Abendblatt: Viele dächten daran, Jobs in anderen Kliniken anzunehmen. Sie beklagten die Kommunikation der Eigentümer im Erzbistum. Immerhin habe es Mitarbeiter-Versammlungen gegeben, die ihnen die Möglichkeit gaben, ihre Stimme zu erheben. Es hieß, in Groß-Sand, wo die Finanzprobleme groß sind, liefen Mitarbeiter bereits weg. „Das ist ein sich beschleunigender Prozess“, so ein Verantwortlicher. In vielen Hamburger Krankenhäusern stopfen Zeitarbeiter die Dienstplan-Löcher. Der quälend lange Verkaufsprozess verlängert dieses Notfall-Instrumentarium.

Dennoch spüren offenbar gerade in Groß-Sand die Beschäftigten, dass sie wieder eine Perspektive haben. Ein Grund ist die Zusage des Senates, mit Millionen für Investitionen den Standort zu erhalten. Ob das für alle Abteilungen in Wilhelmsburg gilt, bleibt abzuwarten. Leuchttürme in Groß-Sand wie Geriatrie und Frührehabilitation werden als Disziplinen auch vom Albertinen angeboten. Allerdings zeigte zum Beispiel zuletzt das Marienkrankenhaus mit seinem Integrierten Notfallzentrum, wie man mit niedergelassenen Ärzten zusammenarbeiten kann. Das Projekt dort könnte eine Blaupause für andere Häuser werden. Praxisärzte der KV und die des Krankenhauses betreiben gemeinsam die Notaufnahme.

Während des Verkaufspokers um die vier Krankenhäuser hat es bei einem Teil der Bietergemeinschaft ebenfalls eine Veränderung gegeben. So werden die Franziskus Stiftung und die Marienhaus Stiftung künftig operativ zusammenarbeiten. Dieser geplante Zusammenschluss wird 27.000 Mitarbeiter haben.

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