Kunsthalle Hamburg

Der Sonnenkönig als junger Knabe – ehrfüchtig knieend

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 „Ludwig XIV. bietet der Muttergottes Krone und Zepter dar“ ist in der Hamburger Kunsthalle zu bestaunen.

„Ludwig XIV. bietet der Muttergottes Krone und Zepter dar“ ist in der Hamburger Kunsthalle zu bestaunen.

Foto: IMAGO / epd

Das Kunstspiel zum Mitmachen – jeden Montag im Abendblatt. Heute: Philippe de Champaigne, „Ludwig XIV.“

Hamburg. „Ludwig XIV.“ heißt dieses Bild aus der Kunsthalle, das der Künstler Philippe de Champaigne (1602–1674) im Jahr 1643 gemalt hat. In der Langform heißt es „Ludwig XIV. bietet der Muttergottes Krone und Zepter dar“. Es zeigt einen sehr jugendlichen französischen Herrscher, der im Jahr der Entstehung erst fünf Jahre alt war. Er bietet hier der Jungfrau Maria unterwürfig die Insignien seiner Regentschaft an. Sie hält den nackten Jesus auf dem Schoß und greift nach der Krone. Natürlich könnte es auch ganz genau andersherum sein, und sie verleiht Krone und Zepter.

Augenzeugen der Szene sind eine dunkel gekleidete Frau, ein ehrfürchtig knieender Jüngling sowie vier auf Wolken ruhende Engel. Maria trägt den für sie typischen blauen Umhang über einem hellroten Gewand, der junge Ludwig standesgemäß einen Hermelinmantel. Der Hintergrund ist ein in diffuses gelbes Licht getaucht. Ein mit vielen Ornamenten bedeckter Teppich bedeckt den Boden.

Kunsthalle Hamburg: Ludwig XIV. war der „Sonnenkönig“

Ludwig XIV. war einer der glamourösesten Herrscher seiner Zeit, der „Sonnenkönig“. Herrscherbilder wie diese sollen eigentlich immer die Porträtierten idealisieren. De Champaigne war ein im Herzogtum Brabant geborener Maler des französischen Barocks. Maria von Medici machte ihn zu ihrem ersten Hofmaler. Er war eines der ersten Mitglieder der 1648 gegründeten Académie Royale. 1655 wurde er dort Professor. Aber Champaigne arbeitete unter anderem für Kardinal Richelieu, den er elfmal als Kardinal porträtierte. Überhaupt porträtierte er fast den gesamten französischen Hof, Kirchenfürsten und Edelleute.

Kunsthistoriker loben die Strenge im Aufbau seiner Bilder, die Farbigkeit und die psychologisch durchdachten Porträts. Berühmt wurde sein Bild „Exvoto“ aus dem Jahr 1662, das seine Tochter als Nonne zeigt. Er war ein zutiefst religiöser Mensch, der heute als unterschätzt gilt. Zu Lebzeiten war er so prominent, dass er in „Cyrano de Bergerac“ erwähnt wurde.

Kunsthalle Hamburg: De Champaignes verlor Titel

Unter Ludwig XIV. verlor er den Titel als Hofmaler, wurde aber von Bürgertum und Geistlichkeit auch weiterhin als Künstler geschätzt. De Champaignes Schädel wurde nach seinem Tod in einem Stillleben festgehalten und als „Memento Mori“-Druck (Sei der Sterblichkeit bewusst!)-Drucke verkauft.

( HA )

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