Schule Hamburg

Wie Schüler in Freistunden für das Leben lernen sollen

| Lesedauer: 4 Minuten
Maike Huckschlag
Der Verein "LifeTeachUs" setzt sich dafür ein, Unterrichtsausfall an Schulen zu nutzen, um das Bildungsangebot zu erweitern. (Symbolbild)

Der Verein "LifeTeachUs" setzt sich dafür ein, Unterrichtsausfall an Schulen zu nutzen, um das Bildungsangebot zu erweitern. (Symbolbild)

Foto: FUNKE Foto Services

Trotz Unterrichtsausfall das Bildungsangebot erweitern – so lautet das Motto eines Vereins, der nun auch in Hamburg aktiv werden will.

Hamburg. Wie funktioniert eigentlich eine Steuererklärung und was muss man alles beim Einzug in die erste eigene Wohnung bedenken? Das sind Sachen, die man nicht unbedingt in der Schule lernt. Besonders nicht, wenn es häufiger zu Unterrichtsausfall kommt. Zwar steht Hamburg derzeit nicht wie Berlin oder Stuttgart vor dem Problem des Lehrermangels, doch selbst eine gut organisierte Schule kommt manchmal nicht darum herum, eine Stunde ausfallen zu lassen. Um die Zeit für die Schülerinnen und Schüler trotzdem sinnvoll zu nutzen, hat sich der Verein "LifeTeachUs" gegründet.

"Im Endeffekt geht es uns um konkrete Lebensvorbereitung und Bildungsgerechtigkeit", sagt Ludwig Thiede, der den ehrenamtlichen Verein vor circa einem Jahr am Standort München ins Leben gerufen hat. Durch Freistunden an Schulen entstehe dem studierten Kommunikationswissenschaftler zufolge "enorm viel Zeit und Potenzial, was nicht genutzt wird". Um das zu ändern, geht der Verein mit sogenannten "LifeTeachern" zusammen an Schulen und gibt 45-minütige "LifeLessons" aus allen erdenklichen Themenbereichen. "Auch Themen wie Reisen oder Tipps dazu, wie man ein Work and Travel organisiert, können hier drunter fallen", sagt Thiede. Als LifeTeacher fungieren dabei Freiwillige aus verschiedenen Bereichen des Lebens, darunter etwa Handwerker oder aber auch Juristen oder Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen.

Schule Hamburg: Verein bietet "LifeLessons" zu verschiedenen Themen

"Derzeit haben wir im Raum München circa 80 LifeTeacher", so Thiede. Um diese an die Schulen zu bringen und effektiv einsetzen zu können, hat der Verein eine App entwickelt. Möchte eine Schule das Angebot einer "LifeLesson" über den Verein wahrnehmen, kann diese sich als Partnerschule melden und über die App Bescheid geben, sobald eine Freistunde entsteht, erklärt der Gründer. "Das kann auch sehr kurzfristig sein".

Ob die LifeLesson digital oder persönlich abgehalten werden soll, stehe darüber hinaus der Schule frei zur Wahl. "Wählt sie die digitale Option, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich höher, kurzfristig einen LifeTeacher zu finden", sagt Thiede. Sobald der Verein Bedarf seitens einer Schule gemeldet bekomme, sende Thiede in Echtzeit eine Anfrage an alle freiwilligen LifeTeacher heraus. "Die Lifeteacher können anschließend ganz frei entscheiden, ob sie die Stunde wahrnehmen wollen oder nicht und auch, ob sie persönlich erscheinen wollen oder lieber digital", so Thiede. Wer sich als Freiwillige oder Freiwilliger meldet, gehe zunächst ersteinmal keine Verpflichtung ein, erklärt der Gründer.

"LifeTeachUs" sucht Partnerschulen – und "LifeTeacher"

"Durch die Digitalisierung sind uns allerdings ganz neue Möglichkeiten geboten. So können auch LifeTeacher vom Land an Schulen in Großstädten unterrichten oder andersherum", erklärt Thiede. "Wir haben sogar LifeTeacher, die in Kanada sitzen."

Was in München seit nun mittlerweile einem knappen halben Jahr gut funktioniere, soll ab dieser Woche auch auf Hamburg ausgeweitet werden. Alle Schulformen sind dazu eingeladen, sich bei "LifeTeachUs" kostenfrei als Partnerschulen zu melden, erklärt Thiede. Doch auch wenn der Inhalt nichts mit den regulären Curricula zu tun hat, so ist jede LifeLesson klar vorbereitet und vorher mit dem Verein abgestimmt worden. In dem sechsköpfigen ehrenamtlichen Team befinden sich nämlich eine stellvertretende Schulleiterin sowie eine Lehrerin, die den jeweiligen Lehrinhalt zuvor mit dem LifeTeacher absprechen und diesen auf seine Eignung prüfen und auch entsprechen qualifizieren. Hierzu hat der Verein einen pädagogischen Fragebogen entwickelt. Mitmachen könne jeder, "der davon überzeugt ist, etwas zu wissen, wovon andere lernen können", erklärt Thiede.

Noch erhält LifeTeachUs keinerlei finanzielle Unterstützung, weshalb Thiede und sein Team alle anfallenden Kosten selber tragen. Alle Vereinsmitglieder engagieren sich ehrenamtlich neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit und verfolgen das alleinige Ziel, dass "sich der Verein irgendwann mal einmal selber trägt", so der Gründer. "Es ist die Überzeugung, die uns motiviert."

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