Sex-Podcast

Ein Hoch dem Obwohl-Sex – es reichen auch mal fünf Minuten

| Lesedauer: 5 Minuten
Kolumnist Hajo Schumacher und Sextherapeutin Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex.

Kolumnist Hajo Schumacher und Sextherapeutin Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex.

Foto: Roland Magunia

Weshalb sexuelle Frustration oft zur Trennung führt und was man dagegen tun kann – das erklären Kathrin Hinrichs und Hajo Schmuacher.

Hamburg. Das ist heute das Thema bei „Ich frage für einen Freund“, dem Ratgeber für Erwachsene: Soll man auch dann Sex haben, wenn man gar keine große Lust drauf hat und es eigentlich auch so noch irgendwie mit dem Partner klappt?

Ach Schatz, heute nicht! Wer kennt diesen Satz nicht? Dummerweise war gestern auch schon nichts los. Und morgen sieht es nicht viel besser aus. In der neuen Folge des Podcasts (zu hören wie immer unter abendblatt.de/podcast) gehen die Sexexpertin Katrin Hinrichs und der Journalist Hajo Schumacher der Frage nach, wie und warum sich die Körperlichkeit langsam, aber sicher aus so vielen Beziehungen schleicht.

Sexfrust: Das Ende der Beziehung?

„Sexfrust ist einer der häufigsten Gründe für Krisen und Trennungen“, erklärt Hinrichs und propagiert zur Abhilfe den „Obwohl-Sex“: Obwohl morgen ein harter Tag wird, obwohl die Müdigkeit einen plagt, obwohl noch so viel anderes durch den Kopf schwirrt, solle man sich zu einer zumindest kurzen körperlichen Kontaktaufnahme durchringen. Sex sei ein Verb, das vom Machen lebe. Zudem diene Sexualität dem Wohlbefinden, ebenso dem Erhalt einer Partnerschaft. Klar sei folglich: „Kein Sex ist auch keine Lösung.“

Schumacher weist darauf hin, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit die Menschen dem Auto, Yoga, einem Rennrad und vor allem ihrem Smartphone widmen. „Da werden sich ja wohl mal fünf Minuten finden lassen ...“ Fünf Minuten? „Aber ja“, sagt Hinrichs. Sex müsse nicht immer die große, stundenlange Oper sein, jede Minute zähle. Das Machen entscheide, das Kümmern, das gemeinsame Angehen. Ob denn in ihre Praxis oft Menschen kämen, die wirklich gar keinen Sex haben, möchte Schumacher von Hinrichs wissen, „also überhaupt keinen mehr“.

Sexuelle Frustration durch Lustlosigkeit

Ja, das sei so, bestätigt die Therapeutin, „oft nicht mal mehr an so typischen Terminen wie Geburtstag oder Hochzeitstag. Die Paare sind dann so weit raus aus dem Thema, dass sexuelle Frustration fast zwangsläufig wird – oder schon ist.“ Und das sei dann leider oft doch ein Grund, die Beziehung auch formell ad acta zu legen und sich anderswo neu zu orientieren.

„Was genau ist denn sexuelle Frustration?“, fragt Schumacher. Hinrichs: „Das ist Lustlosigkeit, die bei denen auftritt, die sich in schlechten Gewohnheiten irgendwann komplett verloren haben. Also reden wir jetzt nicht über die, die vielleicht aus nachvollziehbaren Gründen – etwa gesundheitlichen – das Thema Sex zeitweise zur Seite geschoben haben, sondern über jene Menschen, die sich auch sonst eigentlich nicht mehr viel zu sagen haben. Da kommen dann diese bösen Reiter hoch, der Sarkasmus, das Nörgeln.“

Sex des Sexes wegen

Doch gehe es beim Sex nicht nur ums Wahrnehmen oder Gesehenwerden, man könne und dürfe auch fragen: „Warum haben wir nicht mal Sex einfach nur des Sexes wegen?“ Schumacher hakt noch einmal nach: „Sexuelle Frustration betrifft also nicht nur den sogenannten und von uns schon genauer beschriebenen Mehr-Woller, sondern auch den, der eigentlich gar nicht mehr will?“

Ja, bestätigt Hinrichs, das meine schon beide. Für besonders eingespannte Frauen sei Sexlosigkeit übrigens manchmal das letzte Refugium in einer ansonsten hoch belasteten und fremdbestimmten Zeit. Das bedeute aber nicht, dass sie nicht zugleich frustriert sind, im Gegenteil.

Sex ist Übungssache

Doch nun die Frage aller Fragen, nämlich: Was kann man dagegen tun? „Ich möchte, dass die Paare sich einfach wieder mehr um sich kümmern. Seltener Sex führt zu noch seltenerem, mehr Sex hingegen zu häufigerem.“ Es liege bei Lust­losigkeit also durchaus auch an der Thematik, ob man sexuell aus der Übung komme oder nicht: „Wer sexuell nicht mehr aktiv ist, wird das irgendwann an seinem Hormonspiegel ablesen können. Was dann zu noch weniger Lust führt.“

Also, rät Hinrichs, solle man sich durchringen, den Sex nicht ständig so zu überhöhen, dass er immer nur dann stattfinden könne, wenn alle Ampeln auf Grün stehen. Man dürfe nämlich auch mal Sex haben, obwohl das eine oder andere Lämpchen eher gelb oder rot leuchtet, etwa weil die berühmten Kopfschmerzen tatsächlich gerade im Oberstübchen hämmern oder man am nächsten Morgen früh, aber trotzdem ausgeruht aufstehen wolle.

„Der schmale Grat zwischen ,keine Lust‘ und ,warum eigentlich nicht‘ – darum geht es mir hier und heute, um Rituale und Gewohnheit. Es muss ja nicht immer gleich der große Ritt sein.“

Zum Schluss hat Schumacher noch einen ganz speziellen Tipp, das erotische Leben in Schwung zu bringen: „Sex gehört zum gesunden Leben genauso wie eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Es gibt zwar nicht den einen großen Schalter, den man einfach umlegen kann. Aber manchmal hilft es schon, ein paar echte Abtörner-Klamotten aus dem abendlichen Bett zu verbannen.“

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