Hilfsprogramm

Reeder führt Stiftung fort und baut weiter Schulen in Afrika

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Bettina Mittelacher
Für viele Kinder in Afrika ist Bildung nicht selbstverständlich. Zur Schule zu gehen, ist für sie ein Glück.

Für viele Kinder in Afrika ist Bildung nicht selbstverständlich. Zur Schule zu gehen, ist für sie ein Glück.

Foto: Peter Krämer Stiftung

Mit "Schulen für Afrika" unterstützt Christian Krämer weiterhin die Bildung in der Region – und führt so das Erbe seines Vaters fort.

Hamburg. Leuchtende Augen, strahlende Gesichter. Die Kinder lachen, sie tanzen und singen. Und die Mütter stimmen in die Fröhlichkeit mit ein. Es ist ein besonders schöner Tag für die Menschen in dieser Region im afrikanischen Togo, ein Tag zum Feiern. Und es ist ebenso ein besonderer Tag für Christian Krämer.

Der Reeder, der das erfolgreiche Unternehmen seines 2017 verstorbenen Vaters Peter Krämer weiterführt, setzt sich ebenfalls für das vom Senior ins Leben gerufene Projekt „Schulen für Afrika“ ein und war jetzt mit dabei, als in Togo eine weitere Schule eröffnet wurde. Christian Krämer hat vor Ort gesehen, wie glücklich die Kinder und deren Familien sind, weil die Mädchen und Jungen zur Schule gehen können. „Das gibt uns die Bestätigung, das Richtige zu tun.“

Hilfsprogramm: Nelson Mandela als Inspiration

Seit 2005 gibt es das Projekt „Schulen für Afrika“. Schon längere Zeit zuvor war es der Wunsch von Reeder Peter Krämer, der Gesellschaft etwas Karitatives und Dauerhaftes zu widmen. Ein Zusammentreffen mit dem früheren südafrikanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela in Johannesburg 2004 bestärkte Krämer in seiner Absicht, Grundschulen dort auf dem Kontinent zu bauen. Mittlerweile ist „Schulen für Afrika“ die weltweit bedeutendste und erfolgreichste Privatinitiative im Bildungsbereich, heißt es von der Stiftung selbst nicht ohne Stolz.

Seit dem Start der Kampagne haben alle beteiligten Institutionen, Partner und Privatpersonen mehr als 300 Millionen US-Dollar aufgebracht, um das Leben von afrikanischen Kindern langfristig zu verbessern. Die Kampagne hat über die Jahre mehr als 30 Millionen Kindern in 21 afrikanischen Ländern dazu verholfen, in neu errichteten Schulen zu lernen. Auch für Unterrichtsmaterialien und die Lehrerausbildung kommt die Stiftung auf.

Wie der Vater so der Sohn

„Meine Motivation ist, neben der alltäglichen Arbeit in der Reederei etwas an die Gesellschaft zurückzugeben und in den ärmsten Regionen der Welt zu helfen“, sagt Christian Krämer. Der 37-Jährige, der International Business in London studiert und mehrere Jahre im Ausland gearbeitet hat, stieg 2013 in das die Reederei Chemikalien Seetransport und das maritime Ingenieurbüro Marine Service umfassende Familienunternehmen mit ein. Seit dem Tod seines Vaters leitet er die Gruppe – und übernahm ebenfalls den Vorsitz der Peter Krämer Stiftung.

„Ich habe vorher schon viel Positives darüber mitbekommen und war 2013 erstmals auf einer Reise mit in Afrika, weil ich mir gern vor Ort ansehen wollte, wie die Projekte aufgezogen werden und welche Bedeutung sie für die jeweiligen Regionen haben“, erzählt der Unternehmens-Chef. Was er damals in Madagaskar erlebte, habe ihn sehr beeindruckt. „Es war großartig zu sehen, wie die Kinder erstmals zur Schule gehen konnten und darüber so glücklich waren. Ich konnte die Begeisterung meines Vaters nachvollziehen. Damals ist die Motivation in mir gereift, das fortführen zu wollen.“

Neue Schule für 80 Kinder

Die Tradition im Sinne eines Hamburger Familienunternehmens spiele zwar eine Rolle, aber eher eine unterordnete. „Vor allem stehe ich bei diesem Projekt voll dahinter.“ 2017 war Tilo Braune, Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung, als Teil einer Bundestagsdelegation nach Togo gereist, um die bilateralen Beziehungen zu intensivieren. Dabei wurde die Bitte an Peter Krämer herangetragen, den Bau einer Schule zu fördern. Dazu war er schnell bereit — genauso, wie wenig später Christian Krämer, der sich Anfang 2018 ein konkreteres Bild von der Situation vor Ort verschaffte. „Der dringende Bedarf für Schulen war schnell ersichtlich, die Lernsituation in vielen Orten miserabel“, erzählt Christian Krämer. Das wollte er ändern.

Die Schule, die vor Kurzem mit Spendensummen von insgesamt 100.000 Euro fertiggestellt wurde, liegt im Norden Togos, in der Region Dapaong im Dorf Nanergou. Sie hat drei Klassenräume, in denen jeweils etwa 80 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren unterrichtet werden. Projektpartner vor Ort war Etienne Dablè. Er studierte vor 15 Jahren in Hamburg Elektrotechnik, arbeitete einige Jahre bei einem großen Verlag und ging dann zurück nach Togo, um mit den in Deutschland gewonnenen Kenntnissen seinem Land zu helfen.

Auch Brunnen und Toiletten werden gebaut

Nun wurde die Schule im Beisein des Stiftungsvorsitzenden Christian Krämer in einem feierlichen Akt mit Tänzen und Trommeln in typisch afrikanischer Tradition eröffnet. Sie gehört damit zu den insgesamt mehr als 3000 Schulen, die von dem Projekt „Schulen für Afrika“ finanziert wurden, und ist eher eine von den kleineren. Es gebe auch Institutionen, die für bis zu 1000 Schüler ausgerichtet seien. „Wie die Schulen aussehen, hängt immer vom jeweiligen Land ab“, berichtet Christian Krämer. Grundsätzlich dazu gehört allerdings ebenso die Errichtung eines Brunnens wie der Bau von Toilettenhäusern. Außer in Togo hat die Peter Krämer Stiftung Schulen beispielsweise in Madagaskar, Ruanda, Malawi und an der Elfenbeinküste gebaut.

In der Elfenbeinküste erfuhren Christian Krämer und der Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung, Tilo Braune, auch von einem neuartigen Konzept: Hier wird Plastikmüll, den es leider in Hülle und Fülle gibt, eingesammelt, sortiert, in speziellen Fabriken eingeschmolzen und zu einer Art „Ziegelsteine“ verarbeitet. „Es ist ein Konzept, das Unicef in Kolumbien entwickelt und an die Elfenbeinküste expandiert hat“, erzählt Krämer.

Die „Ziegelsteine“ erinnern in ihrer Form ein wenig an Lego, werden ineinandergesteckt und verklebt und so zum Gebäudebau verwendet. „Mehrere Schulen sind bereits nach diesem Prinzip entstanden“, berichtet der Unternehmer. „Das geht relativ schnell, ist robust, klimatisch gut, weil das Material etwas kühlt, und soll mindestens 60 Jahre halten. Mein Wunsch wäre, dieses Prinzip auch weiter zu verwenden. Ich fände es sinnvoll, wenn es auch in anderen Ländern zum Einsatz käme.“ Letztlich entscheiden müsse das Unicef als ,Mutter‘ des Konzepts. „Aber eines unserer nächsten Projekte würden wir gern so gestalten.“

Und weitere wird es definitiv geben. „,Schulen für Afrika‘ ist ein fortlaufendes Projekt, das hoffentlich noch lange bestehen wird“, betont Christian Krämer. Was ihn an Afrika besonders fasziniert: „Es ist eine ganz andere Welt. Während man hier bei uns viele Dinge wie Schulbildung als selbstverständlich empfindet, ist es dort etwas Besonderes. Es ist beeindruckend, wie die Menschen ihr Leben meistern, wie sie fröhlich sind in einfachen, oft auch armen Lebensverhältnissen. Wenn ich da helfen kann, ist das für mich eine große Freude.“

Spenden können Sie hier: Peter Krämer Stiftung, Deutsche Bank Hamburg, IBAN: DE79 2007 0000 0376 0089 00, BIC: DEUTDEHHXXX

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