Bergmann Gruppe

Cruise Days und Co.: Hamburgs Großveranstaltungen schrumpfen

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Ulrich Gaßdorf
Der Veranstalter Uwe Bergmann hat mit Problemen zu kämpfen, viele Großveranstaltungen in Hamburg werden kleiner.

Der Veranstalter Uwe Bergmann hat mit Problemen zu kämpfen, viele Großveranstaltungen in Hamburg werden kleiner.

Foto: Michael Rauhe / Funke Foto Servi

Nach zwei Jahren stelle sich die Frage, ob man sich "Events überhaupt leisten" könne, sagt Uwe Bergmann. Eines steht auf der Kippe.

Hamburg.  Das Eppendorfer Landstraßenfest, die Harley Days, das Duckstein Festival und die Hamburg Cruise Days – für all diese Großveranstaltungen in der Hansestadt, die in den vergangenen zwei Jahren bedingt durch die Pandemie ausfallen mussten, zeichnet Uwe Bergmann mit seiner Bergmann Gruppe verantwortlich. 2022 gibt es einen Neustart, all die eben erwähnten Events werden wieder stattfinden. Das bedeutet viel Arbeit für Bergmann und sein 24-köpfiges Team. Aber von Euphorie ist bei dem Hamburger Branchenprimus wenig zu spüren.

Beim Exklusivgespräch mit dem Abendblatt auf der Terrasse vom Marriott-Hotel wirkt Bergmann nachdenklich. „Natürlich freuen wir uns, dass wir endlich wieder richtig loslegen können. Veranstaltungen sind unser Geschäft, dafür brennen wir. Aber Sorgen mache ich mir darüber, ob wir uns diese Events überhaupt leisten können.“ Durch Corona habe sich vieles verändert, und die größte Herausforderung bestehe jetzt darin, „dass wir es hinbekommen, dass sich die Veranstaltungen für uns rechnen und wir keine roten Zahlen schreiben.“

Veranstaltungen Hamburg: "Nachfrage stark zurückgegangen"

Aber warum ist es aus seiner Sicht so schwierig, mit Veranstaltungen künftig noch Geld zu verdienen? „Wir brauchen viele Dienstleister. Zum Beispiel für die Reinigung, die Sicherheit, die Technik oder auch den Sanitätsdienst. Und diese Dienstleister haben ihre Preise um bis zu 30 Prozent erhöht.“ Das Geschäft von Bergmann besteht darin, auf seinen Veranstaltungen Standflächen zu vermieten: an Anbieter von Speisen und Getränken, Händler und Unternehmen, die dort ihre Produkte präsentieren.

„Die Nachfrage ist stark zurückgegangen. Durch Corona haben viele die Branche gewechselt, und andere sind noch unsicher und buchen deshalb noch keine Fläche. Ein weiteres Problem ist, dass zum Beispiel Gastronomen das Personal fehlt, um zum Beispiel einen Bierwagen oder einen Cocktailstand zu betreiben“, erklärt Bergmann, der auch die Travemünder Woche vom 22. bis zum 31. Juli organisiert. Der Eppendorfer steckt in einem Dilemma. „Ich habe zum einen höhere Kosten, zum anderen vermiete ich weniger Flächen. Und ich kann auch nicht die Kosten für die Stände groß erhöhen, weil dann keiner mehr kommt.“

Eppendorfer Landstraßenfest fällt 2022 kleiner aus

Das Eppendorfer Landstraßenfest wird in diesem Jahr kleiner ausfallen. Anstatt wie noch im Jahr 2019 etwa 100, hat Bergmann in diesem Jahr erst rund 70 Flächen an den Mann oder die Frau gebracht. Die Festmeile verläuft nicht mehr vom Eppendorfer Markt bis zum Eppendorfer Baum, sondern startet erst in Höhe Schrammsweg. „Ich bin dem Bezirk Nord sehr dankbar. Ich habe denen einen Brandbrief geschrieben, und daraufhin wurden mir die Sondernutzungsgebühren weitgehend erlassen. Ansonsten hätten wir das finanziell nicht stemmen können.“

Bei den Hamburg Harley Days, die vom 24. bis 26. Juni auf dem Gelände des Großmarkts Hamburg geplant sind, wird Bergmann zum ersten Mal Eintritt nehmen. 10 Euro für einen Tag beziehungsweise 18 Euro für das gesamte Wochenende. „Das hat wirtschaftliche Gründe, und wir haben auch den Anspruch, die hohe Qualität der Harley Days beizubehalten.“ Keinen Eintritt kostet das Duckstein Festival in der HafenCity vom 15. bis zum 24. Juli. Dort treten jeden Tag Musiker auf, und es gibt zahlreiche Gastrostände.

Für die Cruise Days zahlt die Stadt einen kräftigen Zuschuss

„Für das Duckstein Festival bekommen wir eine Förderung aus dem Fonds ,Neustart Kultur‘ der Bundesregierung, und deshalb können wir den Hamburgern und Touristen dieses Kulturerlebnis bieten.“ In den letzten Monaten hat sich Bergmann viele Gedanken darüber gemacht, wie es mit seinem Geschäft weitergehen soll. „Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Denn wir bringen mit unseren Veranstaltungen in der Regel kostenlos Kultur für die Menschen auf die Straße.“

Für die Hamburg Cruise Days vom 19. bis zum 21. August – das Schiffspektakel lockte in den vergangenen Jahren etwa eine halbe Million Besucher an – erhält Bergmann 135.000 Euro von der städtischen Hamburg Tourismus GmbH. „Wir haben zudem Aida Cruises als Premiumpartner gewinnen können und weitere Reedereien als Sponsoren. Die Hamburg Cruise Days stehen wirtschaftlich auf soliden Beinen.“

Veranstaltungen Hamburg: Cruise Days wurden verkleinert

Aber auch hier wurde die Fläche verkleinert. Anstatt vom Holzhafen bis in die HafenCity wird die Festmeile jetzt nur noch von den Landungsbrücken bis Kehrwieder verlaufen. Zu seinem Portfolio gehört auch Dat Uhlenfest auf dem Hofweg und der Papenhuder Straße. Eigentlich soll auch dieses Event am 27. und 28. August wieder Zehntausende Besucher anziehen. Aber im Abendblatt-Gespräch kündigte Bergmann an. „Wir haben bislang erst etwa 40 Prozent der Standflächen vermieten können. Wenn die Nachfrage nicht deutlich anzieht, dann müssen wir dieses Fest absagen.“

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