Albert Darboven

"Wir schaffen ein Mekka für Traber, Galopper und Dressur"

| Lesedauer: 7 Minuten
Jens Meyer-Odewald
Der Hamburger Kaffeekaufmann Albert Darboven vor dem Großen Wall auf dem Derbyparcours in Klein Flottbek, wo am letzten Mai-Sonntag wieder das Deutsche Springderby ausgetragen wird.

Der Hamburger Kaffeekaufmann Albert Darboven vor dem Großen Wall auf dem Derbyparcours in Klein Flottbek, wo am letzten Mai-Sonntag wieder das Deutsche Springderby ausgetragen wird.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Der Hamburger Kaufmann Albert Darboven spricht über seinen Kaffee-Konsum, die Liebe zu Pferden – und einen Tritt von Waldgespenst.

Hamburg. Er gilt als graue Eminenz des norddeutschen Pferdesports. Das 91. Deutsche Springderby am letzten Mai-Sonntag geht unter seinem Patronat über so tückische Hindernisse wie Pulvermanns Grab, die Holsteiner Wegesprünge oder den Großen Wall. Kaffeekaufmann Albert „Atti“ Darboven (86) pflegt sein Faible für Pferde – seit Jahrzehnten.

Ohne sein Engagement würden die Wettbewerbe um das Blaue Band der Galopper, Springreiter und Dressurpferde nicht in dieser Form organisiert werden können. Sein Gestüt Idee am Falkenstein in Rissen ist ein Paradies für Pferde. Fragen an einen gestandenen Hanseaten und Reitersmann, der mit über 80 Jahren noch im Sattel eines Polopferdes saß.

Hamburger Abendblatt: Herr Darboven, trinken Sie immer noch acht Tassen Bohnenkaffee am Tag?

Albert Darboven: Ich lasse die Zügel ein bisschen lockerer. Inzwischen sind es meist nur noch sechs Tassen, je nach Lust und Laune. Mit morgens bis zu vier Tassen geht der Tag gut an den Start.

Der schonende Magenfreundliche? Koffeinfrei? Oder die volle Dröhnung?

Darboven: Mit Koffein. Selbstverständlich. Und schwarz, also ohne Milch und Zucker. Bei Einladungen trinke ich auch abends eine Tasse. Allerdings ziehe ich dann ein halbes Glas Rotwein vor.

Nehmen Sie nach wie vor an den Kaffeetestungen in der Probierstube Ihrer Firma teil?

Darboven: Klar, jeden Werktag pünktlich um 9.30 Uhr. Das sind Höhepunkte meines Berufslebens, die ich mir nicht nehmen lasse. Wir prüfen die Röstungen mit bis zu 30 Probiertassen. Allerdings trinken wir nicht, sondern schmecken nur.

Im April begingen Sie Ihren 86. Geburtstag. Lassen Sie sich weiterhin jeden Tag in Ihr Unternehmen nach Billbrook fahren?

Darboven: Es ist mir weiterhin ein Vergnügen. Um fünf Uhr stehe ich auf, um 7.50 Uhr bin ich in der Firma. So wie immer. Danach absolvieren wir einen täglichen Betriebsrundgang. Ich möchte möglichst jedem Mitarbeiter das Gefühl geben, dass sie oder er zur Familie gehören. Das ist ein Prinzip der Wertschätzung. Kein Mensch hat das Recht zur Überheblichkeit. Ich bin froh, auf dem Boden geblieben zu sein.

Wollen Sie irgendwann den beruflichen Rückzug antreten?

Darboven: Wenn ich mich so fühle wie aktuell: nein. Ich hänge so am Laden. Seit 1960 ist die Firma mein Lebensinhalt. Solange es geht, mache ich weiter. Ich kriege es einfach nicht hin, in einer Hängematte zu liegen oder stundenlang zu angeln.

Haben Sie dennoch ausreichend Muße für Ihr Gestüt?

Darboven: Das lasse ich mir nicht nehmen. An sieben Tagen in der Woche. Um 6.45 Uhr geht’s los. Dann bespreche ich mit unseren fünf Mitarbeitern das Tagespensum. Wir gucken uns die Pferde an. Gerade wurden zwei Fohlen geboren. Dann geht mir das Herz auf.

Welche Pferde stehen auf den Koppeln am Falkenstein?

Darboven: Dort sind es sechs Vollblut- und zwei Traberstuten. Plus Fohlen. Im Rennbetrieb befinden sich außerdem fünf Traber und zehn Galopper. Sie werden von vier Trainern an unterschiedlichen Orten in Deutschland auf die Rennen vorbereitet. Fahrer und Jockeys starten in den Kaffeefarben Braun-Orange.

Auch das Deutsche Springderby am 29. Mai trägt den Namen Ihres Unternehmens. Reiner Idealismus? Oder gibt es auch wirtschaftliche Gründe?

Darboven: Unterm Strich handelt es sich um eine Unterstützung. Dieser Sport muss in der Pferdehauptstadt Hamburg erhalten bleiben. Ich gebe zu, ein starkes Herz für Pferde zu haben. Aber ganz vergesse ich das Interesse unseres Unternehmens natürlich nicht. Auf den Schirmen, Banden, am Wall und auch sonst steht ja überall Idee. Die Botschaft wird auch via Fernsehen gesendet.

Wie lange läuft der Vertrag mit Derbyveranstalter En Garde noch?

Darboven: Wir sind seit 2014 dabei. Der aktuelle Dreijahresvertrag läuft jetzt aus. Wir sind aber in sehr guten Gesprächen, keine Sorge.

Sprung aus Klein Flottbek zum Galoppderby nach Horn. Sie sitzen dort nicht mehr im Vorstand, sind jedoch nach wie vor Hauptsponsor. Ergibt das einen Sinn?

Darboven: Ich halte mich an Vereinbarungen.

Betrüben Sie die Umstände Ihres Rückzugs aus dem Galopper-Vorstand?

Darboven: Alles hat seine Zeit. Außerdem bleibe ich der Sportsparte treu. Während der Rennwoche wird man gewiss ein oder zwei Starter in meinen Farben laufen sehen – mit Glück vielleicht sogar ganz vorne.

Früher spielten Sie aktiv Polo. Wann saßen Sie zuletzt im Sattel?

Darboven: Vor vier Jahren. Auf dem Poloplatz. Es war eine spontane Idee. Vielleicht nicht sehr vernünftig. Hat aber Spaß gebracht. Hoffentlich ergibt sich demnächst ein Gästefahren auf der Trabrennbahn. Ich würde sofort in den Sulky steigen.

Apropos: Die Trabrennbahn in Bahrenfeld soll abgewrackt werden und dem Wohnungsbau weichen. Wurde der Plan einer Doppelrennbahn für Galopper und Traber in Horn ad acta gelegt?

Darboven: Wir haben nicht aufgegeben. Ganz im Gegenteil.

Aber man hört und sieht nichts. Seit vielen Jahren ist das so ...

Darboven: Hinter den Kulissen wird gearbeitet. Der Gedanke eines Pferdesportzentrums lebt: ein Mekka für Traber, Galopper, Springsport, Dressur. Ein hippologisches Zentrum eben. Fraglos hatte Hamburgs Senat zuletzt andere Sorgen. Aber wir sind am Ball.

Hand aufs Herz: Für 86 Jahre sind Sie verblüffend agil und fit. Macht‘s die Gestütsluft am Elbufer?

Darboven: Der Einsatz hält jung. Ich helfe beim Zaunflicken und anderen Reparaturarbeiten. Und ich bin dort mit Skulpturen und Kunst beschäftigt. Einer meiner Lieblingsorte ist unsere Werkstatt – mit Hunderten Sägen, Bohrern, Akkuschraubern, Feilen und Schrauben. Es ist eine Lust, im Fachgeschäft zu stöbern und Werkzeug zu kaufen. Insgesamt bin ich sehr dankbar. Vor allem darüber, mir die Freude am Leben bewahrt zu haben.

Der letzte Satz kommt einem bekannt vor.

Darboven: Kein Wunder. Dieser Slogan unseres Unternehmens ist meine Kreation. Wir haben ihn registrieren und als Markenzeichen eintragen lassen. Die Freude am Leben, das passt ebenfalls prima privat. Ich habe mich nicht totgesoffen und nicht totgeraucht, sondern immer Sport gemacht. Und meine Leidenschaften ausgelebt. Zum Beispiel durch meine Begeisterung für Pferde.

Gibt es einen Trick, Pferde bei Laune zu halten? Geräusche? Worte? Leckerlis?

Darboven: Geräusche können auch das Gegenteil bewirken. Bei aller Liebe muss man auf der Hut sein. Im Winter hat mich Waldgespenst getreten und gebissen. Der Zweijährige hat richtig Feuer. Wir haben uns wieder vertragen. Er hat eben seinen eigenen Kopf; das mag ich. In der Regel schätzen es Pferde, wenn man sie am Hinterkopf krault oder an den Nüstern kitzelt. Außerdem habe ich meist ein paar Würfel Zucker in der Hosentasche. Nur zum Kaffee mag ich Zucker nicht.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg