Hamburger Unternehmen

Wie zwei Brüder die Idee ihres Vaters zum Erfolg führten

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Camilla John
Die Geschäftsführer von Beyer & Söhne: Robby Beyer (l) und Nico Beyer.

Die Geschäftsführer von Beyer & Söhne: Robby Beyer (l) und Nico Beyer.

Foto: thorsten Ahlf/ FUNKE FOTO SERVICES

Nico und Robby Beyer gründeten die Pflegelinie „Beyer & Söhne“. Wie die Firma entstand und wie viel vom Vater noch in ihr steckt.

Hamburg.  Die Heubergredder-Apotheke in der Alsterdorfer Straße gibt es noch, Hartmut Beyer, der mehrere Jahrzehnte bis 2010 hier Inhaber war, reist jedoch längt mit seiner Frau Ulrike um die Welt. Doch das, was dort einst seinen Ursprung fand, im Labor hinter dem Verkaufsraum, das besteht weiter: Seine Söhne Nico und Robby Beyer gründeten die Pflegelinie Beyer & Söhne.

Die DNA des Unternehmens: Hautcreme mit reinen Ingredienzien, komplett selbst entwickelt. „Unser Vater hat die verschiedensten Produkte erfunden und die Creme-Grundmischung mit Vitaminkonzentrat existiert weiter, da steckt also noch viel Hartmut Beyer in unserer Marke drin.“

Hamburger Unternehmen von zwei Brüdern gegründet

Im Familienpodcast erzählen die 41 und 39 Jahre alten Brüder, warum sie erst völlig fachfremd – Nico Informatik und Finanzen und Robby BWL und Marketing – studierten und sich erst mit Verspätung, als es die Apotheke schon nicht mehr in der Familie gab, dem bestimmenden Thema ihres Aufwachsens und Adoleszenz widmeten. Denn präsent war er, der Antrieb, etwas Eigenes zu kreieren im Bereich Gesundheit. „Wenn in der Familie jemand etwas hatte, dann hat unser Vater gerührt: Salikorniatropfen gegen Rückenschmerzen, Magnesiumpulver gegen Migräne,“ erinnert sich Robby. Auch Kapseln mit Nahrungsergänzungsmitteln, personalisiert für die Alsterdorfer Kundinnen wurden entwickelt.

Das Apothekenleben mit Salmis-abfüllen und aushelfen gehörte zum Alltag, die Jungs wuchsen so mit einer unterstützenden Mutter und einem unermüdlich forschenden Vater auf.

2011 wurde die Firma Beyer & Söhne gegründet

Nachdem beide ihre ersten Anstellungen hatten, trafen sie sich zum Ausgehen. „Wir waren abends einen trinken, haben uns gefragt, ob wir zusammen gründen wollen und haben darauf mit einem Bierchen angestoßen.“ Die Firma Beyer & Söhne wurde 2011 ins Leben gerufen, das damals günstige und quirlige Berlin suchten sie sich als Gründungsstandort aus.

Überraschend: Mutter und Vater waren erst einmal gar nicht so begeistert. „Die waren froh, dass sie ihre Söhne in Lohn und Brot hatten“, sagt Nico. Doch recht rasch hätten sie die beiden ermutigt, förderten die Pläne der Brüder. Vater Hartmut, sogar im Firmennamen vertreten, vornean. „Ich habe das bei anderen familiengeführten Unternehmen kennengelernt, wo der Vater nicht loslassen kann“, sagt Nico zu dieser Kon­stellation.

„Unser Vater forscht natürlich immer weiter“

„Jetzt ist es bei uns etwas anders, weil wir haben zwar das Produkt und die Philosophie von unserem Vater genommen, aber unsere eigene Firma gegründet, um diese Creme zu vermarkten. Aber ich habe die Gefahr gesehen, dass er nicht richtig loslassen kann“, reflektiert Nico. Er habe sich seinen Vater dann geschnappt, ihm erklärt, dass er und Bruder Robby Geschäftsführer seien und entscheiden würden. „Das hat er immer respektiert.“

Input von Vater Hartmut, mittlerweile 80 Jahre alt, nähmen sie jedoch immer gern an, denn der Apotheker tüftelt fortan in einem kleinen Labor. „Unser Vater forscht natürlich immer weiter“, sagt Robby und lacht. „Er ist eben ein bisschen eitel und wollte gegen seine Falten vorgehen.“

Vater experimentierte schon immer gerne herum

Das sei schlussendlich der Antrieb für die Entwicklung der ersten Creme gewesen. Noch heute reihen sich im Badezimmerschrank des Elternhauses die Eigenkreationen aneinander, bereit zum Praxistest. Eine Kindheitserinnerung: „Am Sonntag tapst ein nackter Mann durchs Haus und riecht wie ein Multivitaminsaft, eingetaucht in eine gelbe Flüssigkeit“, sagt Robby, „das war dann unser Vater, er hat sich den ganzen Körper mit seinen Vitaminen eingerieben.“ Die Brüder lachen. „Es ist einfach seine Leidenschaft, auf diesem Gebiet zu forschen“, sagt Nico.

Sich selbst mit den Produkten zu zeigen und diese zu probieren, das haben die Söhne definitiv von ihrem Papa übernommen. Übersetzt in unsere Zeit zeigt sich Robby auf seinem Instagram-Kanal den 17.000 Followern geschminkt, um das Abschminktuch zu demonstrieren, oder er trinkt sein „Squalan“ – ein hochwertiges Pflegeöl.

Wirkstoffkosmetik für alle Altersklassen geeignet

Braucht es diese Wow-Momente mittlerweile, um Aufmerksamkeit zu bekommen? „Mir macht das tatsächlich Spaß und es ist sehr nah daran dran, was unser Vater gemacht hat.“ Der Marketing-Gedanke dazu: „Lass uns das gute Gefühl, was die deutsche Apotheke und persönliche Beratung vermitteln, lass uns das online machen.“

Am Anfang hätten sie alle Kundengespräche selber geführt, heute gibt es eine Hotline mit Mitarbeitern, die jeden ausführlich berät. Wichtig ist den beiden Beyers, dass ihre Wirkstoffkosmetik für alle Altersklassen geeignet ist, da die Haut sich die Wirkstoffe nähme, die gebraucht würden. „Deshalb schmieren wir auch unsere Kinder damit ein“, so Nico.

Hamburger Unternehmen: Brüder komplett unterschiedlich

Und auch, wenn Opa und Papa Hartmut sehr präsent ist – „der Typ spielt immer noch ‘ne Rolle in unserem Leben“, sagt Robby einmal mit einem Lachen in der Stimme – habe ihre Mutter einen großen Anteil an der Erziehung. „Sie hat immer die Moderation übernommen, sie hat immer übersetzt und vermittelt auch heute noch, wenn es mal unterschiedliche Meinungen gibt mit dem sehr präsenten Vater“, sagt Nico.

Warum es bei den Beyer-Brüdern so reibungslos zu klappen scheint, liegt vielleicht auch daran, was Robby sagt: „Dass wir komplett unterschiedlich sind, wie schwarz und weiß.“ Was das mit ihrem identischen Wertegerüst und Vertrauen zu tun hat und weiterhin mit Kitesurfen, Kung Fu und Tennis, erzählen die Brüder im Podcast noch ausführlicher.

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