Wohnen Hamburg

So soll die „Neue Mitte Stellingen“ aussehen

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Alexandra Schrader
Die Visualisierung zeigt den Kernbereich der „Neuen Mitte Stellingen“, die mit 50 Prozent einen besonders hohen Anteil an geförderten Wohnungen hat. Alle anderen Wohnungen dürften aber sehr teuer werden, da die Grundstücke an die Meistbietenden verkauft wurden. Und auch der Sportverein ist unzufrieden, da er weichen musste.

Die Visualisierung zeigt den Kernbereich der „Neuen Mitte Stellingen“, die mit 50 Prozent einen besonders hohen Anteil an geförderten Wohnungen hat. Alle anderen Wohnungen dürften aber sehr teuer werden, da die Grundstücke an die Meistbietenden verkauft wurden. Und auch der Sportverein ist unzufrieden, da er weichen musste.

Foto: moka-studio

Quartier am Sportplatzring soll 2025 fertig sein und Platz für alle Bevölkerungsgruppen bieten. Begeistert sind jedoch nicht alle.

Hamburg. Einzelhandel, Wohnraum und eine U-Bahn-Station direkt vor der Tür: Das Quartier „Neue Mitte Stellingen“ am Sportplatzring soll dem Stadtteil Stellingen ein Zentrum geben – und insgesamt 750 Wohnungen beherbergen. Voraussichtlich 2025 wird das Neubaugebiet nahe Hagenbecks Tierpark fertig.

Neben 37.000 Quadratmetern allgemeinem Wohngebiet sind circa 5000 Qua­dratmeter für Dienstleistungen und 7000 Quadratmeter Einzelhandel geplant. Ein Wohnkomplex mit 55 Wohnungen und einer Kita wurde sogar schon 2021 fertiggestellt und ist bereits bewohnt.

Wohnen Hamburg: Neues Zentrum für Stellingen

Umgesetzt werden die fünf verschiedenen Baufelder unter anderem von der Saga und dem Bauverein der Elbgemeinden. Außerdem von dem Unternehmen Magna Real Estate, das sein Grundstück dieses Frühjahr jedoch an die Hanse Merkur Grundvermögen AG verkauft hat. Für zwei Baufelder ist das Wohnungsunternehmen Buwog zuständig, das 2018 von dem Konzern Vonovia aufgekauft wurde.

Als zentraler Ort des Gebiets soll in Zukunft ein großer Marktplatz zwischen den drei- bis achtstöckigen Wohnhäusern entstehen, auch mehrere private Innenhöfe und öffentliche Grünflächen sind geplant. „Das wird ein vollständiges Quartier mit so ziemlich allem, was man zum Leben braucht“, so Kay Gätgens, Eimsbüttler Bezirksamtsleiter. Idealerweise solle auf den Marktplatz auch ein Wochenmarkt abgehalten werden.

Stellingen: Neubaugebiet mit vielen Innenhöfen

Dem Stadtteil mehr Identität geben – Gätgens hält das in Stellingen für besonders wichtig. „Die Gegend ist durch Verkehr und große Straßen geprägt, ein Zentrum gibt es nicht.“ Das solle sich nun ändern. Mit den vielen Innenhöfen würden hier auch für Anwohner im Umkreis ruhige Orte zum Verweilen geschaffen. Ab Mitte der 2030er-Jahre soll direkt am Sportplatzring auch die neue U 5 eine Haltestelle mit mehreren Ausgängen haben.

„Neue Mitte Stellingen“: Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen

Besonders in der „Neuen Mitte“ ist zudem die Idee des Stadtteilhauses: Hier sollen auf mehreren Etagen verschiedenste Einrichtungen Platz finden, die dem Viertel einen Mehrwert geben könnten. Unter anderem das Haus der Jugend Stellingen, ein Veranstaltungssaal, das örtliche Bürgerhaus, eine Stelle des Jugendamts, Therapieangebote und mehr. Auch das Quartiersmanagement soll hier sitzen. „Das ist ein Team, das die Entwicklung des Neubaugebiets und seiner Bewohner begleiten wird“, so Gätgens. Problemen könne so direkt entgegengewirkt werden.

Denn auch die Zielgruppe für die Wohnungen ist gemischt: Neben Familien sollen hier Menschen leben, die sonst oft Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden. 50 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert. „Zum Beispiel ehemals Inhaftierte, Frauen aus Frauenhäusern oder Jugendliche mit Behinderung sollen hier ein Zuhause finden“, so Gätgens. „Es kann nicht sein, dass immer nur für bestimmte Bevölkerungsschichten Wohnraum geschaffen wird“, sagt Gätgens. Das Viertel solle bunt und vielfältig werden. Umso wichtiger sei es jedoch auch, das Projekt entsprechend zu begleiten – daher auch die sozialen Einrichtungen im Stadtteilhaus.

Platzmangel: Es wird getauscht und geschoben

Um an den Standort für das Neubaugebiet zu kommen, mussten andere Einrichtungen jedoch weichen: Denn die Gebäude entstehen auf den ehemaligen Sportanlagen des Vereins TSV Stellingen. Diese wurden nun an die Vogt-Kölln-Straße, nördlich vom Tierpark Hagenbeck, verlegt. Bisher trieben dort die Informatiker der Uni Hamburg Sport. Sie werden dafür nun zur Sportstätte der anderen MINT-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) verlegt. „Das ist intelligenter Flächentausch“, sagt Kay Gätgens.

In einem hoch verdichteten Stadtteil wie Stellingen gebe es meist keine freien Räume mehr – dann müsse eben getauscht und geschoben werden. Das sei zudem ein nachhaltiger Ansatz, ergänzt Jan Philipp Stephan, Fachamtsleiter Stadt- und Landschaftsplanung. So würden grüne Flächen nicht auch noch bebaut werden, um mehr Wohnraum zu schaffen.

TSV Stellingen reicht Klage ein

Kai Wacker, der Vereinsvorsitzende des TSV Stellingen, ist jedoch nicht begeistert. Während die Sportanlagen verlegt werden, bleibt das Vereinshaus als Eigentum der Sportler direkt daneben stehen. Und auch wenn die Plätze woanders hinkommen – Wacker ist der Meinung: „Da, wo einmal ein Sportplatz verschwindet, kommt nie wieder einer hin.“ Dass direkt neben dem Vereinshaus das einzige achtstöckige Gebäude des Neubaugebiets stehen soll, störte den Verein ebenfalls. Auch deshalb verzögerte sich das Bauprojekt während der letzten Jahre um einige Monate: Durch eine Klage des TSV Stellingen musste der Gesamtplan noch mal überprüft werden.

Das Oberverwaltungsgericht stellte dabei fest: Die Bebauung war zu eng. Anstatt die Baupläne zu ändern, habe es jedoch ausgereicht, die sehr dichten Strukturen neu zu begründen, sagt Kay Gätgens. Auch im Gesetz habe es Änderungen gegeben. Der TSV Stellingen hingegen hatte mit seiner Klage keinen Erfolg: Da ein neues Vereinshaus, das vom TSV ebenfalls in Planung war, bis zu sechs Etagen haben könnte, sei die beengende Situation nicht gegeben.

„Neue Mitte Stellingen“: Wirtschaftlicher Druck auf Projekt

Auch in der Politik sind die Meinungen verschieden. Gabor Gottlieb, Fraktionsvorsitzender der SPD in Eimsbüttel, ist besonders positiv gestimmt: „Stellingen hat viel Aufwertungspotenzial, bisher aber einfach kein Zentrum.“ Wenn der Stellinger Deckel erst einmal begrünt sei, könne auch das attraktiver Nah­erholungsraum in der Nähe sein.

Eher kritisch steht Ali Mir Agha, Fraktionsvorsitzender der Grünen, dem Ganzen gegenüber. Natürlich freue seine Fraktion sich über das Quartier. Da die Stadt das Grundstück jedoch an die meist­bietenden Unternehmen verkauft habe, sei von Anfang an zu viel wirtschaftlicher Druck auf dem Projekt gewesen. Das werde sich auch in den Preisen der Wohnungen bemerkbar machen.

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