Wohnungen

Mieten in Hamburg steigen enorm – im Umland sogar noch mehr

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Alexandra Schrader
In fast allen Stadtteilen wie hier in Hamm sind die Mieten abermals deutlich gestiegen. Für die benötigten Neubauten fehlen häufig Material, Personal und Platz.

In fast allen Stadtteilen wie hier in Hamm sind die Mieten abermals deutlich gestiegen. Für die benötigten Neubauten fehlen häufig Material, Personal und Platz.

Foto: Michael Rauhe / HA

Schüler des Gymnasiums Ohmoor in Niendorf haben eine Wohnungsmarktanalyse vorgenommen. So viel kostet das Wohnen.

Hamburg. In Hamburg zu wohnen kostet einiges – auch im Jahr 2022. Während die Neumieten vergangenes Frühjahr sogar leicht sanken, schießen sie nun an vielen Stellen in die Höhe. Das zeigen zumindest die Ergebnisse der Studie des Ohmoor-Gymnasiums, die am Montag beim Mieterverein präsentiert wurden. Jedes Jahr werten die Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Niendorf die Hamburger Mietwohnungsangebote aus.

Dafür haben sie im Februar und März dieses Jahres mehr als 8000 Wohnungsanzeigen von Immowelt und weiteren Online-Plattformen angeguckt – auch aus dem Hamburger Umland. Der Geographiekurs sortiert die Datenmengen nach Stadtteilen und Wohnungsgrößen und fertigt anschließend Karten an. Dabei wird auch die Sozialstruktur beachtet.

Mieten in Hamburg: Barmbek ist besonders teuer

Demnach ist die durchschnittliche Kaltmiete in Hamburg um 6,3 Prozent auf 14,25 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Im Vorjahr waren es noch 13,40 Euro. Noch deutlicher zeigen sich die hohen Mieten im Umland: Dort liegt die Preiserhöhung bei 7,2 Prozent. Als Gründe für den Trend führen die Schüler neben Inflation und Pandemie auch die vielen Sanierungen an.

Insbesondere in Barmbek mache sich die Gentrifizierung bemerkbar – hier werde kräftig in die Aufwertung der Wohnungen investiert. Obwohl in dem Stadtteil verhältnismäßig viel Wohnraum zur Verfügung steht (174 Angebote), sind die Kaltmieten hier um 32 Prozent gestiegen – und lagen im Februar und März bei durchschnittlich 14,94 pro Quadratmeter. Auch in anderen Stadtteilen müssen Mieter deutlich mehr zahlen: So in Billstedt (+16,8 Prozent), Bahrenfeld (+16,1 Prozent), Harburg (+12,6 Prozent) und Rotherbaum (+11,5 Prozent) – dort waren jeweils mehr als 50 Wohnungen im Angebot.

HafenCity führt die Preisliste an

Am teuersten wohnt es sich laut der Studie in der HafenCity. Für den Stadtteil, in dem derzeit knapp 6300 Menschen wohnen, haben die Schüler einen Quadratmeterpreis von 22,09 Euro ausgerechnet. Im Umland ist der Kreis Stormarn mit 11,43 Euro am teuersten, an unterster Stelle steht der Landkreis Stade (9,49 Euro).

Auch auf die Bevölkerungszusammensetzung haben die Elftklässler überall einen Blick geworfen. So sei zum Beispiel in der HafenCity auffällig, dass hier überdurchschnittlich viele Familien mit Kindern wohnen (26,3 Prozent) und 43,3 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben. Insgesamt sei der Stadtteil damit relativ gut durchmischt.

Winterhude sei bereits gentrifiziert

In Winterhude sehe das anders aus: Der Stadtteil sei bereits gentrifiziert und dementsprechend teuer (17,32 Euro pro qm), es gebe hier viele Einpersonenhaushalte und kaum Familien und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Schüler plädierten daher dafür, in Winterhude Anreize für eine Durchmischung der Bevölkerung zu schaffen: Die vielen hier vorhandenen Bildungsangebote seien eine gute Basis, die Gegend auch für Familien mit Kindern attraktiv zu machen.

Vereinzelt sind die Mieten in der City aber auch gesunken: So in Altona (-13,8 Prozent), Wilhelmsburg (-11,1 Prozent) und Bergedorf (-10,5 Prozent). Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins Hamburg, warnte jedoch vor Trugschlüssen: „Der Quadratmeterpreis in Altona ist aber keinesfalls niedrig, sondern liegt immer noch bei 18,38 Euro.“ Zudem könne es 2023 einen Nachholeffekt für den Stadtteil geben und die Mieten plötzlich ansteigen.

Enorme Preissteigerungen überraschen

In Hamburg weniger als 10 Euro pro Quadratmeter zu zahlen – ist das noch möglich? Die Antwort lautet nach der Ohmoor-Studie: Ja – aber nur mit viel Suchen: Nördlich der Elbe liegt ausschließlich Steilshoop mit einer Miete von 9,57 Euro pro Quadratmeter unter diesem Wert. Ansonsten locken Finkenwerder, Neuenfelde und Neuengamme mit Quadratmeterpreisen unter 10 Euro. Mit dem teils extremen Preisanstieg hatte auch Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins Hamburg, nicht gerechnet: „Dass die Mieten insgesamt angestiegen sind, war uns bewusst, aber dass die Steigerung an manchen Stellen so enorm ist, überrascht doch.“

Ein Kernproblem bleibt nach wie vor der Wohnungsmangel. In den letzten Jahren habe sich der Leerstand in Hamburg immer bei unter einem Prozent bewegt, so Petra Memmler vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen. Die Stadt sei somit sehr ausgelastet. Wichtig sei es, weiterhin Neubauten zu schaffen. Das Ziel der Stadt zu erreichen und 2022 wieder die pro Jahr angedachten 10.000 neuen Wohnungen zu bauen, werde allerdings schwierig.

Studie bezieht nur Neumieten ein

„Lieferschwierigkeiten, Baustoff- und Fachkräftemangel sowie fehlendes Bauland erschweren das Vorhaben“, sagte Ulf Schelenz vom Grundeigentümerverband Hamburg. Trotzdem werde alles daran gesetzt, so viel neuen Wohnraum zu bauen wie möglich. Um dem Baustoffmangel entgegenzuwirken, könne auch das Recycling von zum Beispiel Ziegelsteinen in Erwägung gezogen werden.

Ulf Schelenz und Petra Memmler verwiesen mit Blick auf die Studie des Gymnasiums auch darauf, dass die ausgewerteten Wohnungsinserate nur einen sehr kleinen Teil des Marktes darstellten. „Viele Wohnungen landen gar nicht erst auf den Internetplattformen“, so Memmler. Auch dass es sich bei den angeführten Mietpreisen ausschließlich um Neumieten handle, sei wichtig.

„Noch 2018 hat eine Mietenstudie ergeben, dass 90 Prozent der Hamburger Mieten unter 10,80 pro Quadratmeter lagen“, sagte auch Schelenz. Trotzdem: Die Tendenz sei richtig. Rolf Bosse vom Mieterverein plädierte für einen Mietenstopp von sechs Jahren. Zudem mehr Förderung, zum Beispiel von der Stadt, sei wichtig, um Wohnungsbau voranzubringen. „Wir brauchen mehr Transparenz von den Wohnungsunternehmen und eine engere Zusammenarbeit.“

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