Verkehr Hamburg

So viele Bettelampeln werden bis 2024 in Hamburg umgerüstet

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Ampelschaltung für Fußgänger und Fahrradfahrer soll in den kommenden drei Jahren deutlich verbessert werden.

Die Ampelschaltung für Fußgänger und Fahrradfahrer soll in den kommenden drei Jahren deutlich verbessert werden.

Foto: Imago Images

Die Verkehrsbehörde will das Überqueren der Straße für Fußgänger und Radfahrer erleichtern. Fachverband FUSS e.V. lobt und tadelt.

Hamburg. Wer kennt dieses Phänomen nicht? Man steht als Fußgänger oder Fahrradfahrer an einer Ampel, drückt den Knopf, in roten Lettern steht "Signal kommt", und dann heißt es: Warten. Offiziell heißen diese Ampeln „Lichtsignalanlagen mit Anforderungstaster“. Besser bekannt sind sie aber unter dem Namen Bettelampeln, die bei nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern vor allem eines erfordern: viel Geduld.

Technisch funktionieren Bettelampeln wie folgt: Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrer erhalten an Kreuzungen nicht mehr automatisch zusammen mit dem parallel fahrenden Autoverkehr Grün. Für die Unmotorisierten gibt es nur dann Grün, wenn sie den Knopf auch betätigt haben. Das Problem: Wer während der Grünphase für den parallel fahrenden Autoverkehr auf den Taster drückt, erhält aber auch dann nicht die Möglichkeit, die Straße zu überqueren, sondern muss bis zur nächsten Grünphase der Autofahrer warten. Fußgänger und Radfahrer werden so ausgebremst.

Verkehr Hamburg: Ortsverband FUSS e.V. fordert Abschaffung der Bettelampeln

Das soll sich nun aber in Hamburg ändern. Bis 2024, so der Plan, sollen 46 der noch 67 verbleibenden Bettelampeln in Hamburg umgerüstet werden. Dies geht aus der Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage der grünen Bürgerschaftsabgeordneten Rosa Domm hervor.

"Bettelampeln stellen eine erhebliche Behinderung für den fließenden Fuß- und Radverkehr da. Dabei beginnt und endet jede Mobilität zu Fuß. Gemäß der Studie „Mobilität in Deutschland“ (2017) werden 27 % aller Wege in Hamburg vollständig zu Fuß zurückgelegt. Dazu gehört in der alltäglichen Mobilität auch das Queren von Straßen mithilfe von Ampeln. Auch der Radverkehr hat an vielen Knotenpunkten in Hamburg zugenommen und wird bei der Ampelschaltung nicht immer gleichberechtigt behandelt", sagt Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende dem Abendblatt und fügt an: "Mit dem Bündnis für den Fuß- und Radverkehr hat sich der Senat die systematische Stärkung und Förderung des Rad- und Fußverkehrs ebenso wie des ÖPNV zum Ziel gesetzt. Dies wollen wir künftig noch stärker bei der Ampelschaltung berücksichtigen."

2006 wurden diese umstrittenen Ampeln installiert, damit der Autoverkehr flüssiger und intelligenter gesteuert werden kann. An die Folgen für die Fußgänger hatte damals niemand gedacht. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren die Bettelampeln nach und nach umprogrammiert. Gab es am 1 Januar 2013 noch 152 Bettelampeln, waren es am 1. Januar dieses Jahres nur noch 76. Nun soll in den kommenden drei Jahren erneut eine massive Umrüstung in Angriff genommen werden. "Das ist ein erfreulicher Anfang", sagt Sonja Tesch vom FUSS e.V. Hamburg, einer Ortsgruppe des bundesweit aktiven Fachverbandes Fußverkehr. "Wir sind komplett gegen die Bettelampeln, und freuen uns über jede, die umgerüstet wird. Aber natürlich wünschen wir uns, dass diese Ampeln komplett aus dem Straßenverkehr verschwinden", ergänzt Tesch.

Kampf gegen Bettelampeln begann bereits im Jahr 2006

Ein Bündnis aus FUSS e.V., ADFC, VCD Nord und der Bürgerinitiative Ring 2 hatte bereits im April 2006 Unterschriften gegen die Bettelampeln gesammelt und dem damals zuständigen Senator Michael Freytag übergeben. Dass es 16 Jahre später immer noch diese Ampeln gibt, ärgert Tesch. Die Forderungen des FUSS e.V., damals wie heute, sind klar umrissen: An allen Kreuzungen automatische Grünzeit für Fußgänger und Radfahrer mit jedem Ampelumlauf, keine Grünzeitverkürzung zu Gunsten des abbiegenden Autoverkehrs und die Grünzeit muss so bemessen sein, dass auch langsame Menschen in einem Zug, ohne Warten auf der Mittelinsel, die Straße überqueren können.

Bis all das überall in Hamburg möglich ist, wird es noch etwas dauern. Und genau das verwundert Tesch. "Es ist ja nicht so, dass etwas neu gebaut werden muss. Es ist ja nur eine andere Schaltung notwendig."

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg