Polizei Hamburg

Job zu unattraktiv? Sorge um den Nachwuchs bei der Polizei

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Polizeipräsident Ralf Martin Meyer vor einem Plakat zur Nachwuchswerbung – die Bewerberzahlen gehen aber weiter zurück.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer vor einem Plakat zur Nachwuchswerbung – die Bewerberzahlen gehen aber weiter zurück.

Foto: André Zand-Vakili

Jedes Jahr gehen Hunderte Beamte in den Ruhestand – sie zu ersetzen ist nicht einfach, weil es an Bewerbern mangelt.

Hamburg. Nachwuchswerbung, so sagt es Polizeisprecherin Sandra Levgrün, hat für die Hamburger Polizei oberste Priorität. „Mit dem Nachwuchs entscheidet es sich, wie sich die Hamburger Polizei in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Durch die Einstellungen wird der Grundstein für die Qualität gelegt.“ Dafür setzt man viele personelle Ressourcen ein. Allein 46 Beamte arbeiten in der Einstellungsstelle.

Polizei Hamburg: Es mangelt an Bewerbern

Es geht darum, einen „riesigen Laden“ personell immer wieder neu zu bestücken. 9377 Beamte arbeiten aktuell bei der Hamburger Polizei. Mit 7165 die meisten bei der Schutzpolizei, 1666 bei der Kripo und 546 bei der Wasserschutzpolizei. Ein Drittel der Hamburger Polizisten sind Frauen. Bei der Kriminalpolizei sind es sogar rund 44 Prozent. Beim Nachwuchs sind in dieser Sparte Frauen sogar in der Überzahl. 66 Männer und 78 Frauen befinden sich in der Ausbildung zum Kriminalbeamten. Die Wasserschutzpolizei ist dagegen „männlich“. 473 Männer und 73 Frauen tun dort Dienst.

„Jedes Jahr gehen mehr als 300 Hamburger Polizeibeamte in den Ruhestand“, sagt Thomas Jungfer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Das sind etwa vier Prozent des Vollzugsdienstes, die ersetzt werden müssen.“

Polizei Hamburg: Mitarbeiter fehlen

Und es wird nach Einschätzung von Jungfer noch schlimmer. „Uns fehlt der Mittelbau. Wir haben viele ältere Kollegen, bei denen die Pensionierung in den kommenden Jahren ansteht, und sehr viele junge Kollegen. Die Situation wird sich verschärfen. Auch weil die Polizei immer neue Aufgaben dazubekommt.“ Ohne Einstellungsoffensive, die seit ein paar Jahren läuft, hätte man bereits den personellen Offenbarungseid leisten müssen.

Die Polizei hat sich mit der Nachwuchswerbung darauf eingestellt. Gesucht wird mittlerweile fast ausschließlich im Internet, dabei auch in den sozialen Medien wie Instagram. „Wir holen die Bewerber da ab, wo wir sie auch erreichen können“, sagt Levgrün. Dass das bei Bewerbern für den mittleren Dienst nicht wie gewünscht klappt, liegt an der geringen Zahl der Schulabgänger mit mittlerem Bildungsabschluss. Ihr Anteil liegt in Hamburg bei den Schulabgängern bei unter 20 Prozent, der der Abiturienten bei mehr als 50 Prozent. In der Einstellungsstelle versucht man deshalb, die Bewerber für den gehobenen Dienst, die den Test für das Studium nicht ausreichend bestanden, aber die Qualifikation für die Ausbildung erreicht haben, für den mittleren Dienst zu begeistern. „Etwa 50 Prozent lehnen das ab“, sagt Heide Alvers-Böhn, Leiterin der Einstellungsstelle. Die andere Hälfte greift zu.

Polizei Hamburg: „Wir holen die Bewerber da ab, wo wir sie erreichen können“

Das erklärt dann aber auch die hohe Zahl der Abbrecher in der Ausbildung zum mittleren Dienst. Rund 80 Prozent dort haben mittlerweile Abitur. Ihnen bieten sich während der Ausbildung bessere Gelegenheiten, wie beispielsweise der Beginn eines Studiums, oder es gibt die Zusage aus einem anderen Bundesland für die Karriere im gehobenen Dienst bei der dortigen Polizei. „Etwa 50 Prozent unserer Bewerber kommen aus Hamburg, die andere Hälfte aus anderen Bundesländern, meistens aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern“, so Heide Alvers-Böhn. Vereinzelt gebe es sogar Bewerbungen aus dem Ausland.

Wer zur Hamburger Polizei will, muss neben den schulischen Voraussetzungen auch einige weitere Kriterien erfüllen. Der- oder diejenige muss zwischen 16 und 34 Jahre alt, nicht kleiner als 160 Zentimeter und nicht zu dick oder dünn sein. Zweifelhafte Tätowierungen, die gewaltverherrlichende oder sexistische Motive zeigen, sind ebenso Ausschlusskriterium wie ein Zweifel an der charakterlichen Eignung. Zudem müssen verschiedene Tests, die teilweise in Zusammenarbeit mit dem UKE Athleticum durchgeführt werden, bestanden werden.

Für Wasserschutzpolizei gibt es noch weitere Anreize

Dann hat man aber alle Chancen. Das beste Beispiel ist Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Er selbst hatte bei der Hamburger Polizei im mittleren Dienst angefangen, war bis zum Leitenden Kriminaldirektor aufgestiegen und dann 2014 zum Polizeipräsidenten berufen worden. Das kann auch noch heute jeder Realschüler nachmachen. „Die Polizei bietet den Beamten im mittleren Dienst ein Aufstiegsstudium an, über das sie in den gehoben Dienst kommen“, sagt die Chefin der Einstellungsstelle. „Denn nach der zweieinhalb Jahre dauernden Polizeiausbildung hat man, bei entsprechendem Notendurchschnitt und drei Jahren im Vollzugsdienst, die Voraussetzung für das Aufstiegsstudium erworben.“ Das ist dann ein Jahr kürzer als ein Studium, das man sofort nach der Schule bei der Polizei beginnt.

Für die Wasserschutzpolizei gibt es sogar noch weitere Anreize. Patentinhaber, die in den gehobenen Dienst wollen, fangen beispielsweise nach ihrem Studium gleich als Oberkommissar an. „Sonst würde man in dem Bereich noch weniger Bewerber haben und völlig auf dem Schlauch stehen“, so Jungfer.

Er hofft, dass angesichts der Einstellungsprobleme in Hamburg doch noch die zweigeteilte Laufbahn eingeführt wird. Selbst für Realschüler gibt es angedachte Einstiegsmodelle. Sie könnten bei der Polizei erst einmal ihr Fachabitur machen. Woran es scheitert, wird bei der Polizei hinter vorgehaltener Hand gesagt: Die zweigeteilte Laufbahn, in der deutlich mehr Beamte in höheren Besoldungsstufen arbeiten, ist zu teuer.

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