Corona News für den Norden

Hotspot Hamburg: Trotzdem ohne Maske auf Dom und Fischmarkt

| Lesedauer: 25 Minuten
Besucher gehen am Morgen des 3. April über den Hamburger Fischmarkt an der Elbe.

Besucher gehen am Morgen des 3. April über den Hamburger Fischmarkt an der Elbe.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Kassenärzte warnen vor „nicht umsetzbarer Impfpflicht“. Kreis Herzogtum Lauenburg mit niedrigster Inzidenz im Norden. Der Newsblog.

Hamburg ist nun offiziell ein Corona-Hotspot. Damit gilt von diesem Sonnabend an weiter die Maskenpflicht in Innenräumen. Auch Mecklenburg-Vorpommern hält mit der Hotspot-Regelung weiter an strengeren Corona-Maßnahmen fest – ganz anders sieht es hingegen in den Nachbarländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus. Dort fallen fast alle Einschränkungen weg. Einkaufen ohne Maske ist in den Bundesländern beispielsweise wieder möglich.

Zu der Hotspot-Regelung gibt es jedoch in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg auch innenpolitisch Streit. Hamburgs FDP-Chef will rechtlich dagegen vorgehen. Innerhalb seiner Partei gibt es darübber jedoch Uneinigkeit. Mehr über den Hotspot-Streit in der Hamburger FDP lesen Sie hier.

Die Corona-News für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen am 2. und 3. April 2022:

Kreis Herzogtum Lauenburg mit niedrigster Inzidenz im Norden

Die Corona-Inzidenz in Schleswig-Holstein ist erneut gesunken. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag am Sonntag bei 1339,2, wie aus den Daten der Landesmeldestelle (Stand: 19.33 Uhr) hervorgeht. Am Vortag betrug sie 1369,0, davor 1446,0. Vor einer Woche hatte der Wert 1453,0 erreicht. Schleswig-Holstein gehört zu den Ländern, bei denen die Inzidenz unter dem Bundesdurchschnitt liegt, der laut Robert Koch-Institut am Sonntag 1457,9 betrug.

Es gab 942 registrierte Neuinfektionen; eine Woche zuvor waren es 1362. Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Schleswig-Holstein stieg um einen auf 2309.

Bei den anderen Zahlen zur Corona-Lage gibt es generell am Wochenende keine Datenaktualisierung. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz im Land verzeichnete Kiel (2130,2), gefolgt vom Kreis Neumünster (2128,8) und Dithmarschen (1582,7). Am niedrigsten war die Inzidenz weiterhin im Kreis Herzogtum Lauenburg (903,3).

Hotspot Hamburg: Trotzdem maskenlos auf Dom und Fischmarkt

Ohne Maske auf Fischmarkt und Dom, aber weiter mit Mund-Nase-Schutz beim Shoppen: Während anderswo die Corona-Maßnahmen weitestgehend weggefallen sind, gab es für die Hamburgerinnen und Hamburger am ersten Wochenende als Hotspot-Stadt in Innenräumen noch viel Altbekanntes: So musste beim verkaufsoffenen Sonntag in den Geschäften weiter eine FFP2-Maske getragen werden und beim Tanzen in den Clubs galt weiterhin die 2G-plus-Regel - also Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene mit zusätzlichen Test. Freier konnte man sich da auf dem Frühlingsdom oder dem Fischmarkt fühlen, der erstmals wieder in altbewährter Form öffnete.

Nach mehr als 15 Monaten Corona-Unterbrechung und acht Monaten im eingeschränkten Pandemiebetrieb konnte Marktschreier Aale-Dieter, der als lebende Fischmarkt-Legende nach eigenen Angaben seit 63 Jahren dabei ist, seine Waren wieder aus vollem Hals anpreisen. „Die Leute wollen sich wieder amüsieren, sie wollen flotte Sprüche hören, sie wollen Aal, Lachs, Bananen, Käse“, sagte Dieter Bruhn. Bis dato durfte der Markt nur mit rund der Hälfte der Stände öffnen, Marktschreier durften nicht schreien.

Da der Fischmarkt unter freiem Himmel stattfindet, durften die Besucher ohne Maske kommen. Mit schätzungsweise 35.000 Menschen sei der Zuspruch in etwa auf „Vor-Corona-Niveau“ gewesen, sagte ein Bezirksamtssprecher. Seit Samstag ist auch auf dem Frühlingsdom die Maskenpflicht weggefallen - allerdings nicht in Innenbereichen.

Auch beim Sonntagseinkaufen musste in den Geschäften - wie in allen Räumen mit Publikumsverkehr in Hamburg - Maske getragen werden. Das hielt die Menschen am verkaufsoffenen Sonntag aber nicht davon ab, in die Innenstadt zu kommen, wie die Geschäftsführerin des City-Managements, Brigitte Engler, sagte. Schon vor dem Start um 13 Uhr sei die Innenstadt voll gewesen.

Impfaktion auf Göttinger Autohof an A7

Zum Start der Ferien in Niedersachsen hat es für Kurzentschlossene auf einem Autohof auf der Autobahn 7 im Landkreis Göttingen eine Impfaktion gegeben. Sie richtete sich in erster Linie an Urlaubsreisende und Fernfahrer aber auch an alle anderen Interessierten, wie die Stadt Göttingen mitteilte. Ein mobiles Impfteam der Johanniter baute seine Station an den Tischen eines Restaurants auf dem Autohof Lutterberg an der A7 auf. Vier Stunden lang wurden die Impfstoffe der Firmen BionTech und Novavax verabreicht. Möglich waren sowohl die Erstimpfung als auch alle weiteren Impfungen.

Weniger Neuinfektionen: Inzidenz in Hamburg gesunken

Am Sonntag meldete die Hamburger Sozialbehörde 1549 Corona-Neuinfektionen. Das sind 2276 Fälle weniger als am Vortag (3825) und 762 Fälle weniger als am Sonntag vor einer Woche (2311). Damit sinkt die Inzidenz wieder etwas und liegt nun bei 1409,5 (Vortag: 1449,5).

Auf anderer Berechnungsgrundlage nannte das Robert Koch-Institut (RKI) für Hamburg am Sonntag eine Inzidenz von 1196,2. Das ist nach dieser Statistik der bundesweit drittniedrigste Wert hinter Berlin (872,4) und Brandenburg (1049,4). Deutschlandweit betrug die Inzidenz demnach 1457,9.

Aktuell werden in den Hamburger Krankenhäusern 442 Corona-Patienten behandelt. 36 Personen sind so schwer erkrankt, dass sie intensivmedizinisch versorgt werden müssen.

Die Behörde meldete zudem vier weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Bislang sind 2396 Menschen gestorben.

Kassenärzte warnen vor „nicht umsetzbarer Impfpflicht“

Kassenärztechef Andreas Gassen hat vor den entscheidenden Beratungen im Bundestag vor einer „nicht umsetzbaren Impfpflicht“ gewarnt. „Wenn es zu einer Impfpflicht kommen sollte, so muss diese rechtssicher durchführbar und nachvollziehbar sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Sonntag, online). Wenn die Politik die zahlreichen offenen Fragen nicht zeitnah klar beantworte, „bringt sie eine Impfpflicht auf den Weg, die als Tiger startet und Bettvorleger landet, weil die zugrunde liegende Regelung praktisch nicht umgesetzt werden kann“.

Die Abstimmung im Bundestag ist für kommenden Donnerstag vorgesehen. Doch noch immer seien viele organisatorische und technische Fragen „völlig offen“, kritisierte Gassen. Dabei gehe es beispielsweise um den Impfstatut in der Bevölkerung, die praktische Umsetzung der Impfpflicht und auch, wer dokumentiere und kontrolliere, wer sich impfen lasse und wer nicht. Und: „Wie geht man mit neuen Varianten um, wenn die aktuellen Impfstoffe weiter an Wirksamkeit verlieren?“ Die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist bei der Corona-Impfkampagne federführend, über sie läuft etwa ein Großteil der Impfstoffbestellungen.

Hamburg bietet Impfzentren in den Bezirken noch bis Ende April an

In Hamburg haben sich bereits über 94 Prozent der Erwachsenen gegen das Coronavirus impfen lassen, etwa 70 Prozent von ihnen haben auch eine Auffrischungsimpfung erhalten. Wer noch Bedarf an einer Immunisierung hat, hat noch bis Ende April in den vielen Impfzentren im gesamten Stadtgebiet die Möglichkeit, ganz spontan und ohne Termin eine Erst-, Zweit- oder Boosterimpfung zu erhalten.

"Binnen einer Woche gab es fast 30.000 Neuinfektionen. Sich jetzt anzustecken, ist daher nicht unwahrscheinlich", erklärte Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard. Für die Geimpften hab eine solche Infektion glücklicherweise zwar in der Regel den größten Schrecken verloren. Dennoch: "Gerade deswegen sollten Sie nun darauf achten, im Rahmen der medizinischen Empfehlungen auch die dritte Dosis als Auffrischungsimpfung zu erhalten, damit wir alle gut durch die kommenden Monate kommen", so Leonhard.

Die dezentralen Impfzentren befinden sich in

  • Hamburg-Mitte, Caffamacherreihe 1-3
  • Hamburg-Nord, Hamburger Straße 27
  • Wandsbek, Friedrich-Ebert-Damm 160a
  • Bergedorf, Chrysanderstraße 4
  • Harburg, Lüneburger Straße 39
  • Altona, Tasköprüstraße 1-3
  • und Eimsbüttel, Doormannsweg 12.

Ab Mai sollen die Impfungen dann in der Regel von Arztpraxen oder Betriebsärzten verabreicht werden. Sollte der Bedarf bestehen, will die Sozialbehörde jedoch zudem ein städtisches Angebot aufrechterhalten.

Umfrage: Mehrheit will im Supermarkt zunächst weiter Maske tragen

Trotz des Auslaufens der Maskenpflicht will eine Mehrheit der Menschen in Deutschland im Supermarkt zunächst weiterhin einen Schutz tragen. Bei einer Umfrage für die „Bild am Sonntag“ gaben 63 Prozent der Befragten an, weiterhin eine Maske tragen zu wollen, 29 Prozent möchten das nicht. Acht Prozent der Befragten wollten sich nicht festlegen. Befragt wurden 1001 Menschen vom Institut Insa.

An diesem Wochenende lief die Übergangsfrist für die breit angelegten Corona-Schutzmaßnahmen im Infektionsschutzgesetz aus. Damit endete in fast allen Bundesländern die Maskenpflicht etwa im Einzelhandel und der Gastronomie. Ausnahmen bilden Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, dort greift die Hotspot-Regelung. Ansonsten gilt bundesweit die Maskenpflicht nur noch im Nahverkehr und in medizinischen Einrichtungen.

Derweil ruft der Deutsche Philologenverband zum freiwilligen Tragen von Masken in Schulen auf. „Wir freuen uns über jedes Stück zurück zur Normalität an unseren Schulen. Aber die Schritte müssen zur aktuellen Lage passen“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Sonnabend). Das Ende der Maskenpflicht im Unterricht passe derzeit nicht zu den hohen Infektionszahlen. Der Verband empfehle daher eine verantwortungsbewusste Maskenfreiwilligkeit an den Schulen für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte.

Scharfe Kritik am Vorgehen der politischen Entscheidungsträger übte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die Politik lässt die Schulen und damit Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern mit dem Ende der Maskenpflicht allein. Wieder einmal“, sagte GEW-Chefin Maike Finnern dem RedaktionsNetzwerk. „Die Politik erklärt den Gesundheitsschutz für beendet – das Coronavirus sagt 'Danke'. Das ist verantwortungslos.“

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Städtetag fordert Impfpflicht ab 18 Jahren

Der Deutsche Städtetag hat vor einem Scheitern der allgemeinen Corona-Impfpflicht gewarnt. „Wir riskieren im Herbst wieder viele schwere Krankheitsverläufe, falls die Impfpflicht nicht kommt“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Für eine deutliche Erhöhung der Impfquote sei „eine Impfpflicht ab 18 Jahren eindeutig besser geeignet als ab 50 Jahren“, erklärte Dedy.

Dedy rief die Bürger zum Impfen auf. Ein guter Impfschutz möglichst vieler Menschen bleibe das A und O, um mit der Pandemie zurechtzukommen. Wer skeptisch gegenüber den mRNA-Impfstoffen sei, könne sich mit Novavax impfen lassen.

Die meisten Corona-Regeln in Schleswig-Holstein fallen weg

Trotz weiterhin hoher Infektionszahlen fallen die meisten Corona-Regeln in Schleswig-Holstein ab Sonntag weg. Eine Maskenpflicht gilt weiterhin in Krankenhäusern, Pflegeheimen sowie im öffentlichen Nahverkehr. Noch bis zum 18. April bestehen weiter Testpflichten für Mitarbeiter und Eltern in Kitas. Das Land stellt Tests weiter kostenlos bereit. Die Testpflicht bleibt auch in Pflegeeinrichtungen. In Krankenhäusern soll ein dem Infektionsgeschehen angemessenes Testkonzept verfolgt werden.

Ab Sonntag sind den Ländern nur noch wenige allgemeine Schutzregeln etwa zu Masken und Tests in Einrichtungen wie Kliniken und Pflegeheimen erlaubt. Überall sonst entfällt die Maskenpflicht, beispielsweise beim Einkaufen, bei größeren Veranstaltungen drinnen oder in der Schule. Weitergehende Corona-Beschränkungen wie Maskenpflichten in Innenräumen oder Zugangsregeln sind nur möglich, wenn der Landtag einzelne Kreise zu regionalen Hotspots erklärt.

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Hamburger Fischmarkt öffnet in altbewährter Form

An der Hafenkante Fisch, Obst oder Pflanzen kaufen: Nach mehr als 15 Monaten Corona-Unterbrechung und acht Monaten im eingeschränkten Pandemiebetrieb ist der Hamburger Fischmarkt am Sonntag wieder in vollem Umfang gestartet. Auch die typischen Marktschreier durften ihre Produkte wieder aus vollem Halse anbieten. Zuletzt war ihnen das Schreien nach Angaben des Bezirksamtes Altona untersagt. Außerdem durfte nach der teilweisen Wiederöffnung des traditionsreichen Marktes direkt an der Elbe im Juli 2021 bisher nur die Hälfte der Stände aufgebaut werden.

„Es herrscht eine allgemeine Euphorie“, sagte der Vize-Präsident des Landesverbandes des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller, Klaus Moritz, kurz vor der Eröffnung. Der 58-Jährige verkauft auf dem Markt Fischbrötchen. Die Freude, dass sich endlich alle wiedersehen, sei groß.

Der Fischmarkt mit mehr als 300-jähriger Geschichte ist von 05.00 Uhr bis 09.30 Uhr geöffnet. Vor der Pandemie kamen an einem Sonntag laut Bezirksamt zwischen 10.000 und 35.000 Besucher, um Marktschreiern wie Aale-Dieter, Schoko-Johnny, Käse-Tommy oder Bananen-Fred Waren abzukaufen. Während der reduzierten Variante waren es lediglich 2000 bis 17.500.

Corona-Inzidenz in Schleswig-Holstein sinkt weiter

Die Corona-Inzidenz in Schleswig-Holstein ist erneut gesunken: Die Zahl der registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag am Sonnabend bei 1369,0, wie aus den Daten der Landesmeldestelle hervorgeht. Am Vortag betrug sie 1446,0, davor 1468,3. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1512,7 gelegen. Schleswig-Holstein gehört zu den Ländern, bei denen diese Inzidenz unter dem Bundesdurchschnitt liegt, der laut Robert Koch-Institut am Sonnabend bei 1531,5 lag.

Es gab 1542 registrierte Neuinfektionen. Eine Woche zuvor waren es 2591. Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Schleswig-Holstein stieg um eins auf 2308.

Bei den anderen Zahlen zur Corona-Lage gibt es generell am Wochenende keine Datenaktualisierung. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus lagen Stand Freitag 594 Patienten in Kliniken. Von ihnen wurden 45 auf einer Intensivstation behandelt und 26 dort beatmet. Die Zahl der in Krankenhäuser neu aufgenommenen Corona-Erkrankten je 100.000 Menschen binnen einer Woche – die Hospitalisierungsinzidenz – lag am Freitag bei 7,83.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz im Land hat der Kreis Neumünster (2131,3), gefolgt von Kiel (2130,2) und Dithmarschen (1655,5). Am niedrigsten war die Inzidenz weiterhin im Kreis Herzogtum Lauenburg (968,1).

Hotspot: Tschentscher appeliert in Videobotschaft an Hamburger

Zum Start der Hotspot-Regelung in Hamburg hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an die Menschen in der Hansestadt appelliert, in Innenräumen weiter Maske zu tragen. Zwar seien viele Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aufgehoben worden und „wir freuen uns auf einen weitgehend normalen Sommer“, sagte Tschentscher in einer am Sonnabend via Twitter verbreiteten Video-Botschaft.

„Dennoch bleibt es bei dem Appell an alle, sich impfen zu lassen und in den kommenden Wochen in Innenräumen eine Schutzmaske zu tragen.“ Die Menschen müssten in der Pandemie weiterhin aufmerksam sein, betonte Tschentscher. Seit Sonnabend ist Hamburg offiziell Corona-Hotspot und unterliegt damit strengeren Pandemieschutz-Regeln als die meisten anderen Bundesländer.

In seiner Videobotschaft wünscht Tschentscher zu Beginn des Ramadan auch allen Muslimen in Hamburg eine friedliche Fastenzeit.

Querdenker-Demo in Bergedorf: Weniger Teilnehmer als erwartet

In Bergedorf haben sich am Sonnabend weniger Menschen an der Querdenker-Demo beteiligt als erwarete. Nur rund 170 Teilnehmer zählte die Polizei am Sonnabend. Vom Veranstalter angemeldet waren 500 Demonstranten. Die Demo startete um 11 Uhr am östlichen Ende des Sachsentors und verlief laut Polizei ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Zuvor hatte der Verfassungsschutz vor der Teilnahme an dem Marsch der Querdenker gewarnt, da es Bezüge zum verfassungsfeindlichen Verein „United Movement für Equal Human Rights“ (UMEHR) gibt.

Immer weniger Corona-Patienten in Hamburger Kliniken

Die Zahl der Corona-Patienten in Hamburg sinkt. Am Sonnabend meldete die Sozialbehörde, dass in Hamburg 442 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung in einer Klinik behandelt werden. Am Vortag waren es 459 Patienten und am Donnerstag 471. Auch auf der Intensivstation müssen weniger Covid-19-Erkrankte versorgt werden. Am Sonnabend wurden 36 Fälle gemeldet, am Freitag 38 und am Donnerstag waren es 41 Intensivpatienten.

Allgemein wurden am Sonnabend 3825 neue Cororna-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Damit sinkt die Zahl seit Mittwoch: Am Freitag wurden 4343 Fälle gemeldet, am Vortag 5290 und am Mittwoch sogar 5763 Corona-Neuinfektionen. Am Sonnabend vor einer Woche waren es 3637 Neuinfektionen.

Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie im Februar 2020 offiziell 455.522 Hamburger mit dem Coronavirus infiziert. Aktuell erkrankt sind laut Robert Koch-Institut davon 93.322. Der Rest ist wieder genesen oder hat die Infektion nicht überlebt. 2392 Corona-Patienten sind in Hamburg bislang gestorben.

Die Inzidenz ist gegenüber dem Vortag leicht gestiegen. Am Sonnabend lag der Wert bei 1449,5, am Vortag bei 1439,6. Am Sonnabend vor einer Woche wurde die Inzidenz mit 1419,4 beziffert.

Weniger Corona-Demos im März in Niedersachsen

Niedersachsens Polizei hat im März deutlich weniger Demos gegen die Corona-Schutzmaßnahmen registriert als noch zu Jahresbeginn. Bei mehr als 500 Versammlungen im März wurden rund 30.200 Teilnehmer gezählt, wie das Innenministerium in Hannover auf Anfrage mitteilte. Einen Monat zuvor waren es den Angaben zufolge noch 52.400 Demonstrierende bei 773 Versammlungen, im Januar noch rund 90.000 Teilnehmer bei knapp 1200 Versammlungen.

Im März wurden laut Ministerium 31 Strafverfahren sowie 252 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Von den rund 8800 eingesetzten Polizeikräften wurde keiner verletzt, es gab allerdings zwei Angriffe gegen Beamte. Im Februar wurden noch 19 Angriffe gegen Polizisten gezählt, im Januar waren es 95. Im Januar wurden dabei 29 Einsatzkräfte verletzt, im Februar keiner.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagt: „Viele der corona-kritischen Versammlungen werden weiterhin bewusst nicht angemeldet, was die Polizei im Einzelfall durchaus nach wie vor herausfordern kann.“ Er rechnet damit, dass sich der Trend mit weniger Corona-Demos weiter fortsetzen wird.

Corona-Infektion oder Quarantäne: Personalausfälle in Kliniken

Die Lage der Krankenhäuser in Niedersachsen bleibt angespannt. „Pandemiebedingte Ausfälle von Klinikpersonal bei zeitgleich hohem Mehraufwand für Infektionsschutzmaßnahmen stellen die Krankenhäuser vor große Herausforderungen“, teilte der Sprecher der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft mit. Demnach fallen landesweit zahlreiche Beschäftigte wegen Corona-Infektionen oder Quarantäne aus. „In der Folge sind Krankenhäuser zum Teil gezwungen, planbare Eingriffe zu verschieben.“ Mit Blick auf den Wegfall zahlreicher Corona-Schutzmaßnahmen rief die Krankenhausgesellschaft dazu auf, die Entwicklung der Corona-Lage genau zu beobachten. „Die Politik darf die personelle und wirtschaftliche Belastungssituation der Krankenhäuser auch in dieser Phase der Pandemie nicht außer Acht lassen.“

Auf die medizinische Versorgung ukrainischer Flüchtlinge und Patienten seien die Krankenhäuser in Niedersachsen grundsätzlich vorbereitet, schrieb der Sprecher. „Infolge von Kriegstraumata von Geflüchteten ist zu erwarten, dass die Leistungsbereiche Psychiatrie und Kinderpsychiatrie künftig stärker gefordert werden.“ Der Krankenhausgesellschaft zufolge sollte geprüft werden, ob aus der Ukraine geflüchtete Fachkräfte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich in Deutschland arbeiten können. „Insbesondere Menschen, die absehbar eine längere Zeit in Deutschland bleiben werden, sollte eine berufliche Teilhabe ermöglicht werden. Herausforderungen dürften hierbei die Anerkennung beruflicher Qualifikationen sowie der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse sein.“

Lehrer raten zum freiwilligen Tragen von Masken im Unterricht

Der Deutsche Philologenverband ruft zum freiwilligen Tragen von Masken auf. „Wir freuen uns über jedes Stück zurück zur Normalität an unseren Schulen. Aber die Schritte müssen zur aktuellen Lage passen“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Das Ende der Maskenpflicht im Unterricht passe derzeit nicht zu den hohen Infektionszahlen. Der Verband empfehle daher eine verantwortungsbewusste Maskenfreiwilligkeit an den Schulen für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte.

In Hamburg bleibt die Maskenpflicht in allen Schulgebäuden bestehen. Allerdings soll es ab dem 4. April eine vorsichtige Öffnung geben: Schüler sowie Lehrkräfte können die Maske am Arbeitsplatz beziehungsweise im Unterricht abnehmen. In Schleswig-Holstein gilt ab Montag die Maskenpflicht nicht mehr.

Scharfe Kritik am Vorgehen der politischen Entscheidungsträger übte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die Politik lässt die Schulen und damit Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern mit dem Ende der Maskenpflicht allein. Wieder einmal“, sagte GEW-Chefin Maike Finnern. „Die Politik erklärt den Gesundheitsschutz für beendet – das Coronavirus sagt Danke. Das ist verantwortungslos.“

FDP-Chef Kruse sorgt mit Hotspot-Klage für internen Ärger

Hat die Hamburger Hotspot-Regelung vor Gericht Bestand? Viele Länder sehen für die Umsetzung hohe rechtliche Hürden. Der Hamburger FDP-Landesvorsitzende Michael Kruse hat bereits eine Klage gegen die von der Bürgerschaft beschlossene Regelung angedroht – als Privatperson, wie er im Nachhinein klarstellte.

Doch Kruses Ankündigung sorgt nun in seiner Partei für Ärger. Der rechtspolitische Sprecher Carl Cevin-Key Coste kritisierte das Vorhaben und hat für den Landesparteitag am Sonnabend einen Dringlichkeitsantrag gestellt.

Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hat den Wegfall fast aller Corona-Beschränkungen in Deutschland an diesem Sonntag als „wichtigen und erfreulichen Schritt in Richtung Normalität“ begrüßt. „Wir vollziehen das nach, was auch in den europäischen Nachbarländern zum Teil schon seit längerem umsetzt wird“, sagte der Bundestagsvizepräsident.

Hamburg ist nun offiziell ein Corona-Hotspot

Ganz Hamburg ist seit Sonnabend offiziell Corona-Hotspot und unterliegt damit strengeren Pandemieschutz-Regeln als die meisten anderen Bundesländer. Nach der neuen, auf Basis eines Bürgerschaftsbeschlusses vom vergangenen Mittwoch erlassenen Eindämmungsverordnung besteht unter anderem die FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen bis Ende April fort. Dazu zählen etwa der Einzelhandel, der öffentliche Personennahverkehr und Veranstaltungen. In der Gastronomie könne die FFP2-Maske am Platz abgenommen werden. Bei Einkäufen des täglichen Bedarfs reiche eine medizinische Maske.

Für Clubs und Diskotheken gilt der Verordnung zufolge das 2G-Plus-Zugangsmodell. Demnach darf ohne einen tagesaktuellen Corona-Test nur in die Läden rein, wer geboostert ist oder einen Basisschutz plus eine Genesung nachweisen kann. Ungeimpfte haben keinen Zutritt. Besucher von Kliniken und Pflegeeinrichtungen benötigen neben einer FFP2-Maske einen negativen Corona-Test.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind bislang die einzigen Länder, die sich flächendeckend zum Hotspot erklärt haben. In den anderen Ländern, also auch bei den Nachbarn Schleswig-Holstein und Niedersachsen, laufen die strengen Corona-Maßnahmen dagegen weitgehend aus.

Für das Shoppen bedeutet das: Wer am Sonnabend oder an diesem verkaufsoffenen Sonntag in Hamburg einkaufen möchte, braucht dazu eine FFP2-Maske. Wer das Gleiche jenseits der Stadtgrenze tun möchte und in eine der fast 100 Gemeinden in Schleswig-Holstein fährt, in der die Bäderregelung mit Sonntagsöffnungen gilt, kann auf eine Maske verzichten. Gleiches gilt für Niedersachsen, wo in mehreren Orten an diesem Wochenende ein verkaufsoffener Sonntag ist oder die Bäderregelung gilt.

Corona: Niedersachsens Ministerpräsident Weil positiv getestet

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Der SPD-Politiker habe sich wegen eines positiven PCR-Tests in Isolation begeben, teilte eine Regierungssprecherin am Freitag in Hannover mit. Er habe nur leichte Erkältungssymptome und werde für mindestens eine Woche zu Hause bleiben.

Da Weil ohnehin ab Freitag Urlaube habe, müssten keine Termine abgesagt werden. Alle notwendigen Amtsgeschäfte werde er weiter erledigen – digital oder per Telefon. An den Bund-Länder-Beratungen am kommenden Donnerstag will Weil digital teilnehmen – die Beratungen sollen laut Sprecherin ohnehin auf diesem Weg abgehalten werden.

Lesen Sie hier die Corona-News für den Norden vom Vortag

( dob/maj/dpa/epd/afp )

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