Wetter Hamburg

Schnee verursacht Bahnchaos – scharfe Kritik von den Linken

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Snowkiting im Hamburger Stadtpark

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Frost und Kälte statt Frühling – der krasse Wetterumschwung hat dem Norden eine weiße Überraschung beschert. Probleme bei der Bahn.

Hamburg. Am letzten Tag im März sind die Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein beim Aufwachen vielerorts von einer Schneedecke überrascht worden – nach wochenlangem Sonnenschein ist das Wetter in Norddeutschland umgeschlagen. Nachdem es sich bereits in den vergangenen Tagen merklich abgekühlt hatte, kam es in der Nacht zum Donnerstag zu teils kräftigen Schneefällen.

Gegen 9.30 Uhr wurden am Hamburger Flughafen elf Zentimeter Schnee verzeichnet, wie Wetterexperte Jörg Kachelmann twitterte. In Quickborn waren es neun Zentimeter.

"Wir haben eben erst Ende März – da kann das durchaus passieren. Kaltlufteinbrüche sind bis Mitte Mai nichts Ungewöhnliches", sagte Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.

Wetter Hamburg: Schnee behindert Bahn-Verkehr im Norden

Bis zum Vormittag konnte es durch überfrierende Nässe oder Schneematsch glatt sein, warnte auch der Deutsche Wetterdienst (DWD). Gebietsweise könne es auch "etwas nassen Neuschnee mit Mengen um zwei Zentimeter" geben. Auch den Küsten seien weiterhin einzelne Schneeschauer möglich. Nach Angaben des DWD konnte es im Harz bis zu zehn Zentimeter Neuschnee geben, in Staulagen bis zu 15 Zentimeter.

Der Schnee hatte in Hamburg bereits am Morgen Auswirkungen auf den Bahn-Verkehr. Der Zugverkehr sei im Raum Hamburg stark eingeschränkt, twitterte die Deutsche Bahn. Fernzüge müssten deshalb bereits in Bremen, Berlin, Hannover und Neumünster enden bzw. beginnen – zum Unmut vieler Fahrgäste, wie etwa der SPD-Bundestagsabgeordneten Aydan Özoğuz. Laut Bahn dauerten die Beeinträchtigungen bis in die Mittagsstunden an. Die IC- und ICE-Züge zwischen Hamburg–Kiel/Westerland fielen den Angaben zufolge ersatzlos aus.

Hauptbahnhof Hamburg eingeschneit – Linke fragen nach Aprilscherz

„Der Hamburger Hauptbahnhof ist eingeschneit“ – so habe am Donnerstagmorgen nach Angaben der Linken-Fraktion eine Durchsage im Zug gelautet. „Liebe Bahn, der 1. April ist erst morgen", sagte Heike Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bürgerschaftsfraktion. "Für solche Scherze über eingeschneite Bahnhöfe hat niemand Nerven.“

Sudmann fragt: "Wieso kann die Bahn nicht mehr fahren, wenn bei Temperaturen um Null Grad etwas Schnee fällt? Oder gelten in Hamburg zehn Zentimeter Schnee schon als Wintereinbruch mit unvermeidbarer Schneekatastrophe?" Die Bahn müsse wieder in die Lage versetzt werden, wie früher auch bei Schnee und Eis fahren zu können, lautet ihre Forderung.

Winter statt Frühling: Wetterexperte warnt vor Verkehrschaos

Zwischen Pinneberg und Elmshorn kam es am Vormittag zu einer Streckensperrung, da ein schneebedeckter Baum auf die Gleise gestürzt war. Es gab einen Ersatzverkehr mit Bussen. Am Flughafen Hamburg war der Schnee- und Eisdienst im Einsatz. Aber der Flugverkehr war von dem Wintereinbruch nicht betroffen, wie eine Flughafensprecherin sagte.

Wetter Hamburg: Schnee – aber nur wenige Unfälle

Der Winterdienst der Stadtreinigung (SRH) war bereits seit 2 Uhr in der Nacht im Einsatz, um Straßen von der zwar dekorativen, Ende März aber doch eher überraschenden weißen Pracht zu befreien. Die Polizei Hamburg teilte mit, dass es einige witterungsbedingte Auffahrunfälle am Morgen gegeben habe.

Trotz des teilweise heftigen Schneefalls hat es auch in Schleswig-Holstein nach Polizeiangaben nur wenige Glätteunfälle gegeben. Auf der A1 wurde ein Mann leicht verletzt, als sein Transporter zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe im Kreis Stormarn auf der Mittelspur auf die Seite kippte. Unfallursache sei vermutlich Straßenglätte gewesen, so ein Polizeisprecher.

In Lübeck wurden insgesamt acht Glätteunfälle gezählt. Zwei Fahrradfahrer wurden nach Polizeiangaben leicht verletzt, als sie mit ihren Rädern zusammenstießen. Ansonsten sei es bei Blechschäden geblieben, sagte der Polizeisprecher.

Wetter Hamburg: Schnee – Dutzende Streuwagen im Einsatz

Seit 6.30 Uhr kontrollierten rund 40 Streuwagenfahrer die Fahrbahnen und weitere 30 Fahrer die Radwege sowie Gehwege ohne Anlieger und streuten bei Bedarf, teilte die Stadtreinigung mit. Auch für die kommende Nacht rechnete der SRH-Sprecher damit, dass Streuwagenfahrer in Rufbereitschaft versetzt werden. In diesem Jahr sei auch erstmals die Rufbereitschaft des Winterdienstes bis Mitte April verlängert worden.

Einige Menschen freuten sich über den überraschenden Schneefall zum Frühlingsanfang. In vielen Parks und Grünanlagen in Hamburg genossen am Morgen Spaziergänger und Hundebesitzer den überraschenden Schnee nach den sonnigen Frühlingstage – Kinder starteten bereits auf dem Schulweg ihre erste Schneeballschlacht.

Wetter Hamburg: Schnee – S-Bahn warnt vor Verspätungen

„Weiterhin sollte man die Winterreifen noch auf dem Auto lassen", rät der Wetterexperte Jung. "Das kann sonst sehr gefährlich werden." Kurze, aber heftige Kaltlufteibrüche könne es im April generell immer wieder geben. "Das war aber schon immer so und ist typisch April. Das schöne sonnige Märzwetter hat uns in falscher Sicherheit gewiegt.“

Die S-Bahn Hamburg warnte am Donnerstagmorgen schon mal vorsorglich vor Verspätungen wegen des winterlichen Wetters. Es könne auf allen Linien zu Verspätungen und Fahrtausfällen kommen, twitterte die S-Bahn.

Wetter Hamburg: Am Wochenende -6 Grad in der Nacht

Und es bleibt auch in den kommenden Tagen frostig. Es komme zunehmend kältere Luft nach Norddeutschland, so der DWD. Die Tageshöchstwerte liegen am Donnerstag und Freitag bei etwa 5 Grad, auf den Inseln sind bis zu 7 Grad möglich. Am Sonnabend und Sonntag sind 6 bis 8 Grad zu erwarten. In den Nächten wird es stetig kälter. Von Donnerstag auf Freitag liegen die Temperaturen noch bei etwa 0 Grad, in der Nacht zum Sonnabend kann es mit bis zu -2 bereits frostig werden. Für die Nacht von Sonnabend auf Sonntag rechnet der DWD-Experte mit bis zu -6 Grad in Hamburg.

Tagsüber bleibt es laut dem Meteorologen überwiegend bewölkt, vor allem am Sonnabend sei jedoch immer wieder auch Sonne möglich. Am Sonntag ziehen dann von der Nordsee vermehrt Regenschauer auf, die Anfang der kommenden Woche stärker werden."

Wetter Hamburg schwingt um: Es wird winterlicher

Der plötzliche Wetterumschwung ist ungewöhnlich: "Nach vier Wochen voller Sonnenschein und schönem Wetter kommt der Umsturz schon sehr abrupt", sagte Jung. "Da der Winter in den vergangenen Monaten ja gar nicht wirklich da war, kann es durchaus sein, dass das Wetter jetzt winterlicher wird als in den richtigen Wintermonaten."

Schnee hin oder her: Während kühlere Wetter-Perioden Ende März, Anfang April durchaus nicht ungewöhnlich sind, hebt Wetterexperte Jung eine andere Besonderheit hervor: "Der März war bislang ungewöhnlich trocken." Mit lediglich 5,5 gemessenen Litern Niederschlag in Fuhlsbüttel schaffe der März gerade einmal 9,8 Prozent des langjährigen Durchschnittswerts. Das war auch der Natur anzumerken: Die anhaltende Trockenheit sowie der viele Sonnenschein haben auch in Hamburg phasenweise zu einer deutlich erhöhten Waldbrandgefahr geführt – etwas, das in den Sommermonaten häufiger vorkommt, nicht jedoch im März.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Allergiker können vorerst aufatmen, denn die Pollenbelastung sinkt durch die kühlen Temperaturen wieder. "Wenn es so kalt wird, blüht auch nicht mehr so viel auf", erklärte Meteorologe Jung. Aktuell sind es vor allem Pappel, Esche und Birke, die bei Allergikern für Probleme sorgen könnten.

( coe/maj/josi/dpa )

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