Encrochat-Prozess

30-Jähriger dealt für Behandlung von Vater: Drei Jahre Haft

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Bettina Mittelacher
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.

Foto: dpa

Der Mann dealte im großen Stil mit Drogen. Er muss mehr als drei Jahre ins Gefängnis – obwohl er alle Taten gestanden hat.

Hamburg. Bei ihm war Marihuana zu bekommen, Kokain und Ecstasy. Einige Wochen lang trieb Ali B. mit diesen Betäubungsmitteln einen schwunghaften Handel. Für seine Deals nutzte er Encrochat, einen Messanger-Dienst, der besonders beliebt bei Kriminellen war, weil sie ihn für absolut sicher hielten. Doch tatsächlich war das System längst von Ermittlern infiltriert, und die Polizei konnte gewissermaßen live mitverfolgen, wer wo und wann mit Drogen handelte. So auch bei dem 30-Jährigen. Schließlich klickten die Handschellen.

Jetzt verurteilte das Landgericht den Mann wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge: Die Kammer verhängte drei Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe gegen Ali B. Zudem wurden knapp 100.000 Euro eingezogen. Der 30-Jährige hatte zum Prozessauftakt die Taten unumwunden eingeräumt.

Drogendeal via Encrochat: Ali B. brauchte Geld für kranken Vater

Laut seinem Geständnis hatte Ali B. im Jahr 2018 selber angefangen, Marihuana zu konsumieren, als sein Vater schwer an Krebs erkrankt war. Die Familie habe gehofft, durch bestimmte Therapien eine Heilung zu erzielen. Diese Behandlungen hätten sie aber selber bezahlen müssen.

Um das zu finanzieren, sagte Ali B., habe er begonnen, mit Drogen zu handeln. Als der Vater dann doch starb, habe er außerdem unter anderem die Beerdigungskosten bezahlen müssen. Um die Familienschulden zu begleichen, habe er vom März 2020 an in neun Fällen Rauschgift an- und verkauft, so der Angeklagte. Allein in einem Fall ging es dabei um ein Kilogramm Kokain, hinzu kamen weitere erhebliche Mengen.

In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende Richter, dass sich insbesondere das umfassende Geständnis des Angeklagten positiv auf das Strafmaß ausgewirkt habe. Das Geständnis sei zudem „von Reue getragen“ gewesen. Allerdings seien die Taten auch unter anderem durch die Auswertung der Encrochat-Daten nachzuweisen. „Encrochat war ein besonderer Anbieter“, so der Richter. „Die Geräte waren sehr teuer.“ Die habe man außerdem nicht einfach im Elektronikmarkt kaufen können, „sondern unter konspirativen Umständen und gegen Barzahlung“.

Drogen via Encrochat verkauft: Taten "durchdacht und geplant"

Strafschärfend wirke sich zudem aus, dass die Taten „durchdacht und geplant“ gewesen seien und dass Ali B. auch mit harten und besonders gefährlichen Drogen wie Kokain handelte, das ein „hohes Abhängigkeitspotential“ habe.

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