Putins Krieg

Schon 9000 Ukraine-Flüchtlinge in Hamburg registriert

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Im ehemaligen Fegro-Markt in Harburg hat das DRK eine Unterkunft für 600 Menschen aus der Ukraine eingerichtet.

Im ehemaligen Fegro-Markt in Harburg hat das DRK eine Unterkunft für 600 Menschen aus der Ukraine eingerichtet.

Foto: André Zand-Vakili

Feldbettenlager mit Hunderten Plätzen bereitgestellt. Kleinere Hotels besorgt über Kosten für Zimmer für Schutzsuchende.

Hamburg. Die Zahl des Wochenendes ist 9000 – und doch ist sie nur eine Annäherung. So viele Menschen sind bisher vor dem Krieg aus der Ukraine nach Hamburg geflüchtet. Das schätzt die Innenbehörde und weiß selbst, dass diese Zahl vermutlich höher liegt, denn es gibt sehr viele Schutzsuchende, die ohne Registrierung privat bei Freunden oder Familienmitgliedern untergekommen sind. Zudem sind viele der Menschen auch weitergereist in andere Bundesländer oder weiter in den Rest Westeuropas.

Nachdem es bei der Meldung der Neuankömmlinge lange Warteschlangen an den Einrichtungen in Rahlstedt und Wandsbek gegeben hat, wurden vorübergehend fünf Schulturnhallen als Unterkunft eingerichtet. Die Behörde wies darauf hin, dass durch eine um Tage verspätete offizielle Registrierung den Geflüchteten keine Nachteile entstünden. In den Turnhallen stehen je 150 Feldbetten zur Verfügung.

Die Standorte sind: Ladenbeker Furtweg (Bergedorf), Budapester Straße (St. Pauli), Dratelnstraße (Wilhelmsburg), Museumstraße (Altona) und Tessenowweg (Winterhude). Zunächst sollen die Plätze in den Turnhallen an der Budapester Straße und der Museumstraße vergeben werden. Das THW bereite sie derzeit vor.

Ukraine-Flüchtlinge: Hamburg stellt Kurzzeitunterbringung bereit

Der Sprecher der Innenbehörde, Daniel Schaefer, sagte dem Abendblatt, es handele sich bei den Turnhallen um eine Kurzzeitunterbringung. Dort würden die Menschen nicht Wochen oder Monate verbringen. Die Einrichtungen könnten aber nötig werden, wenn an einem oder mehreren Tagen erheblich mehr Geflüchtete nach Hamburg kommen, als sofort auf die bestehenden Unterkünfte verteilt werden können.

Es sei Konsens unter den Innenministern der Länder und mit der Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Berlin und Hamburg zu entlasten. Der sogenannte „Königsteiner Schlüssel“ als Verteilmechanismus für Geflüchtete auf alle Bundesländer greife derzeit noch nicht. Es könne sich aber nur um Details der Vereinbarung handeln, bis dieser umgesetzt werde.

Hotels Hamburg: Vorschlag von Sozialbehörde sei nicht durchdacht

Aus dem Kreis der Hamburger Hotels ist zu hören, dass nicht alle glücklich mit dem derzeitigen Vorschlag von der Sozialbehörde und von Hamburg Tourismus sind, Ukraine-Flüchtlinge in Hotels unterzubringen. Es sei nicht durchdacht, heißt es, wenn bis zu 30 Zimmer eines Hauses kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollten und es ab 30 dann eine finanzielle Kompensation geben solle. Viele kleine Häuser könnten sicherlich zwei, drei Zimmer pro bono anbieten, aber eine Kostenübernahme müsse die Größe der Hotels berücksichtigen. Außerdem sei nicht klar, wie und wo die Menschen essen sollten.

Innerhalb kurzer Zeit hat das Deutsche Rote Kreuz in Harburg im ehemaligen Fegro-Markt an der Schlachthofstraße eine Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge fertiggestellt. Am Freitagnachmittag begannen die Arbeiten. Am Sonnabend um kurz nach 18 Uhr fuhren die ersten Busse mit Flüchtlingen vor, fast ausschließlich Frauen und Kinder.

Am Freitagnachmittag hatten Helfer des DRK mit Unterstützung der freiwilligen Feuerwehr den rund 11.500 Quadratmeter großen Raum hergerichtet. In der riesigen Halle bauten die Helfer dicht nebeneinander Feldbetten auf. Die Hälfte der Fläche blieb frei. Dort werden Messebauer in den kommenden Tagen Stellwände errichten, um so den Bewohnern ein wenig Privatsphäre zu ermöglichen.

Feldbetten-Lager: Neue Unterkunft für Geflüchtete in Harburg

Die Versorgung ist von einem Caterer übernommen worden. Die Grundausstattung mit Bettdecke und Kissen kam aus einem Katastrophenschutzlager. Vor dem Gebäude wurden mehrere Reihen Klohäuschen aufgestellt. Duschcontainer holte das Technische Hilfswerk mit Blaulicht aus Bremen.

Das Gebäude ist von der Stadt „bis auf Weiteres“ angemietet worden. Helfer rechnen damit, dass die Nutzung über Monate, eventuell über Jahre gehen könnte. Das hänge davon ab, wie schnell Folgeunterkünfte gebaut werden können. Bis zum Sonntag kamen rund 200 Menschen an, ausgerichtet ist die Kapazität auf 600 Geflüchtete. Das Gebäude war schon einmal 2015 als Erstaufnahme für Flüchtlinge genutzt worden.

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