Beziehungstipps

Früher mal an später denken – auch für Liebespaare wichtig

| Lesedauer: 5 Minuten
Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex und Beziehungen.

Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex und Beziehungen.

Foto: Roland Magunia

Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs verrät, was junge Paare beachten sollten, und warum ein Haushaltplan die Beziehung retten könnte.

Hamburg. Heute das Thema bei „Ich frage für einen Freund“, dem Sex-Podcast für Erwachsene mit Moderator Hajo Schumacher und der Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs: Du kannst nicht früh genug an später denken.

Dabei muss gleich mal klargestellt werden: Die Patienten von Hinrichs liegen nicht mit einem Eierlikörchen auf einem Kussmundartigen roten Sofa, wie Schumacher zu Beginn fantasiert. Im Gegenteil, manchmal geht die Sexualtherapeutin sogar mit ihren Klientinnen spazieren, um die Gedanken und die Zunge zu lösen – wenn es Probleme in der Beziehung gibt.

Beziehungstipps: Schon am Anfang an später denken

Der Journalist findet die Vorstellung, dass man am Anfang einer Beziehung daran denken sollte, wie sie später einmal sein soll, einfach unromantisch. „Gerade sind wir uns im Park über den Weg gelaufen, haben die Namen unserer Hunde ausgetauscht, ich habe Schmetterlingsgefühle im Bauch – und soll sie dann kurz nach einem Bausparvertrag und ihrem Aktiendepot fragen?“

Hinrichs kontert nüchtern mit den Fakten: 400.000 Hochzeiten stehen aktuell 148.000 Scheidungen im Jahr gegenüber – durchschnittlich sind die Paare 14 Jahre zusammen. Und geschätzte 25 Prozent würden in stabilen, aber sehr unglücklichen Beziehungen leben.

Was kommt nach der Verliebtheit?

Sie schildert den Fall eines Witwers um die 60. „Er kam beschwingt in meine Praxis, hatte eine tolle Frau kennengelernt und überlegte, ob er mit ihr zusammenziehen solle. Ist ja praktischer.“ Aber dann holte beide die Realität ein. Denn sie liebte Fetisch-Partys, zu der sie einmal die Woche ging. Der Witwer hingegen wusste nicht, ob er da mitmachen müsse, fühlte sich überfordert – und fragte die Sexualtherapeutin um Rat.

„Hätte man so etwas vielleicht vorher besprechen sollen?“, fragt Hinrichs und berichtet sogleich über den zweiten Fall einer jungen Frau, die bei ihrem Verlobten in der Wohnung sitzt und an seinem Computer im Browserverlauf nachschaut. „Da sieht sie, dass er sich lauter Pornos mit Umschnall-Dildos anschaut und total analfixiert ist.“ Aber solche Dinger dürfe man sich doch im Internet ansehen, wirft Schumacher etwas unsensibel ein. Hinrichs erklärt ihm das Pro­blem: „Die war ganz schön durcheinander. Am Anfang, wenn man frisch verliebt ist, macht man ja einiges mit, aber was passiert dann eigentlich später?“

Junge Paare sollten einen Haushaltsplan erstellen

Daraufhin fragt Schumacher, ob Hinrichs eigentlich eine Verfechterin der Bund-fürs-Leben-Ideologie sei. Er kenne inzwischen viele Menschen, die sich komplett aus diesem Konstrukt verabschiedet hätten und trotz Kindern in zwei Wohnungen leben würden. „Nicht weil sie getrennt sind, sondern aus Überzeugung. Sie sind so als Paar total glücklich“, sagt der Moderator, der selber seit Langem eine Ehe führt.

Das Modell findet die Therapeutin „toll“. „Ich finde es aber auch toll, wenn Menschen es schaffen und zusammen glücklich sind – wie meine Eltern, die sind seit 60 Jahren verheiratet. Aber: 25 Jahre heißt bei manchen lebenslänglich. Die Bedürfnisse ändern sich, und ich finde wichtig, dass man sich auch seine Zeit für sich nimmt und gemeinsam dann eine ,quality time‘ hat.“

Jungen Paaren rät die erfahrene Ehefrau und Therapeutin dazu, sich einen Plan zu machen, ob sie überhaupt zusammenziehen sollten. Wollen sie Kinder haben? Braucht jeder ein eigenes Zimmer? Und richtig unromantisch ist ihr Vorschlag, auch schon im Vorwege einen Haushaltsplan zu erstellen. „Der Alltag scheitert oft an diesen Dingen.“ Das Wichtigste sei zudem die Streitkultur des Paares.

Eine glückliche Beziehung leben – Sexualtherapeutin gibt Tipps

Der Moderator hat eine andere Idee: Er schlägt eine „flexible response“ vor, so eine Art flexible Antwort. Dass man zum Beispiel erst mal gemeinsam Probe wohnt als junges Paar, bevor man zwei Haushalte zusammenwirft oder sich eine teure Wohnung anmietet. Man müsse doch erst einmal die „Sockenerregungsquote“ testen. Genau so einen Fall eines Paares hatte Hinrichs kürzlich in der Praxis: Sie war total genervt von seiner Unordnung und er von ihrer Ordnungsliebe. Hinrichs gesteht, dass auch sie eher „Typ ordentlich“ sei. Schumacher interessiert, wie oft dieser Socken- oder Zahnpastastreit in ihrer Praxis vorkomme. „Da liegt meistens ein anderes Pro­blem drunter“, mutmaßt der Journalist. Es gehe eher um fehlende Wertschätzung, das Nichtwahrgenommenwerden, dass der andere nicht merkt, was einen störe, sagt die Expertin.

Ganz praktisch orientiert rät die Therapeutin dazu, dass Paare 20 bis 30 Dinge aufschreiben sollten, was sie mögen und was nicht. Wenn er aufschreibt: „Das Schönste ist für mich ein Dreier und einmal die Woche in den Swingerclub.“ Und sie große Augen macht und ihm nur einmal pro Woche Missionarsstellung zugesteht. „Dann sieht man da direkt schon das Problem.“

Ein Kompromiss könnte hier die Lösung sein, wenn das Gesamtpaket sonst stimme. „Die rosarote Brille ist gut, aber man sollte sie auch mal absetzen und schauen: Will ich mit dem Mann wirklich alt werden?“, fasst Schumacher zusammen – auch wenn das sehr unromantisch ist.

( HA )

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