Krieg gegen die Ukraine

Hamburg nimmt die ersten Kriegsflüchtlinge auf

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Flüchtlinge warten am 27. Februar im Bahnhof von Lwiw in der Westukraine auf einen Zug nach Polen.

Flüchtlinge warten am 27. Februar im Bahnhof von Lwiw in der Westukraine auf einen Zug nach Polen.

Foto: Bernat Armangue/AP/dpa

Ukrainer finden Zuflucht im Ankunftszentrum in Rahlstedt und bei Familien – Hilfsstab ist überwältigt von der Unterstützung.

Hamburg ist blau-gelb: Die Solidarität der Hamburger mit der Ukraine und den Menschen dort nimmt stetig zu. Während es in der Hansestadt in den vergangenen Tagen immer wieder Demonstrationen gegen den Einmarsch Russlands in die Ukraine und für den Frieden gab, sind inzwischen die ersten ukrainischen Flüchtlinge in Hamburg angekommen. Noch ist diese Zahl überschaubar, aber die Behörden bereiten sich auf steigende Flüchtlingszahlen vor.

„Es geht jetzt primär darum, diese Menschen zu versorgen und dass sie Ruhe und Schutz finden“, sagt Daniel Schaefer, Sprecher der Innenbehörde. Acht Personen sind demnach bis Sonntagnachmittag in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung und Ankunftszen­trum am Bargkoppelweg in Rahlstedt eingetroffen. Es handelt sich um ein Ehepaar mit einem zweijährigen Kind sowie um zwei weitere Frauen und drei Männer.

Krieg: Erste ukrainische Flüchtlinge kommen in Hamburg an

Nach dem russischen Einmarsch waren die ersten Ukrainer am Freitag ins Ankunftszentrum gekommen. Womöglich ist die Zahl der Menschen aus der Ukraine, die vor dem Krieg nach Hamburg geflohen sind, noch ein wenig höher. Denn: „Die Leute kommen auch privat unter, die ukrainische Community ist da sehr aktiv“, so Daniel Schaefer. Bereits jetzt leben 4000 Menschen aus der Ukraine in der Stadt. Und so hätten auch viele Privatpersonen Angebote gemacht, Flüchtlinge aufzunehmen – etwa die in Hamburg lebenden Ukrainer. Sie haben ihrerseits einen Krisenstab gebildet. Neben den Kriegsflüchtlingen sind auch Ukrainer aufgenommen worden, die bereits vor dem Einmarsch der Russen in Hamburg waren und nun nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Genaue Zahlen darüber hat Aleksander Blümel, Sprecher des „Norddeutschen Ukrainischen Hilfsstab“, aber nicht.

Die bürokratischen Hürden für die Flüchtenden sind niedrig: Ukrainische Staatsangehörige, die hier Schutz vor Krieg und Vertreibung suchen, werden ein Aufenthaltsrecht, eine Unterkunft und die erforderlichen Versorgungsleistungen erhalten. Das Ankunftszentrum Hamburg steht rund um die Uhr für die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge zur Verfügung.

Hohe Hilfsbereitschaft unter den Hamburgern

Aleksander Blümel zeigt sich überwältigt von der Unterstützung: „Die Hilfsbereitschaft ist riesig, sowohl was Spenden angeht als auch die private Unterbringung von Geflüchteten.“ Der Hilfsstab steht in engem Kontakt zum ukrainischen Generalkonsulat, und die Helfer freuen sich über Geldspenden. „Derzeit sammeln wir für Schutzwesten für die Zivilbevölkerung“, so Blümel. Den Transport dieser Westen in die Ukraine­ wird auch der Hilfsstab organisieren. Wer die Ukrainer unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter www.hilfe-ua.de.

Die Hilfsbereitschaft der Hamburger sei generell sehr hoch, so Behördensprecher Schaefer. Vor allem über die sozialen Medien erreichen die Behörden entsprechende Angebote. Ein Hockeytrainer habe bereits ein Training für die Flüchtenden vorgeschlagen. Für eine solche Unterstützung sei es aber noch viel zu früh: „Wir freuen uns über diese Angebote und ordnen diese derzeit. Wir bitten aber noch um Geduld“, sagt Daniel Schaefer. Wie viele Ukrainer tatsächlich nach Hamburg kommen werden, sei noch nicht absehbar. „Deutschland ist nicht unbedingt das erste Ziel.“ Dennoch sei die Stadt vorbereitet. Ein Krisenstab kümmert sich um die Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten. Derzeit können in den bestehenden Unterkünften bis zu 3000 Menschen untergebracht und versorgt werden – diese Kapazitäten können jederzeit ausgebaut werden.

Friedensdemo in Hamburg: 400 Menschen vorm Rathaus

Während die ersten Kriegsflüchtenden in der Stadt Schutz finden, gingen am Wochenende in Hamburg Tausende auf die Straße, um ihre Solidarität mit der Ukraine zu zeigen. Vor dem russischen Generalkonsulat wurde eine Mahnwache gehalten, vor der ukrainischen Vertretung brachten am Sonnabend laut Polizei 1000 Menschen ihre Anteilnahme zum Ausdruck. An einem Friedensgebet in der Hauptkirche St. Petri mit Bischöfin Kirsten Fehrs und dem katholischen Erzbischof Stefan Heße­ nahmen auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Bürgermeister Tschentscher teil.

Am Sonntagmittag versammelten sich mehr als 400 Menschen vor dem Hamburger Rathaus, um ein Zeichen für Frieden zu setzen. Musiker spielten die ukrainische Nationalhymne, die „Ode an die Freude“ aus der 9. Sinfonie Beethovens und das Lied „Imagine“ von John Lennon. Sowohl am Rathaus als auch unter den Demonstranten war die blau-gelbe ukrainische Flagge zu sehen. Auf Schildern waren Texte wie „Hände weg von der Ukraine“ und „Make love not war“ zu lesen. Nach Polizeiangaben war die geplante Versammlung – wohl unbemerkt von den Demonstranten – von der Anmelderin abgesagt worden. Um sie dennoch durchführen zu können, habe sich einer der Musiker als neuer Anmelder zur Verfügung gestellt.

Finanzsenator appelliert an Altkanzler Schröder

Auch Greenpeace Deutschland setzt ein Zeichen der Solidarität und für Frieden mit einer Projektion am Greenpeace-Hauptsitz an der Hongkongstraße in der HafenCity. Die Buchstaben PEACE werden in Regenbogenfarben für mehrere Tage in den frühen Morgen- und Abendstunden leuchten.

Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel hat unterdessen Altbundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) aufgefordert, Konsequenzen aus dem russischen Überfall auf die Ukraine zu ziehen. „Wenn der Altkanzler Schröder noch einen Funken Anstand hat, dann gibt er jetzt endlich seine von seinem Freund Putin vermittelten Aufsichtsratsmandate ab – es ist mehr als überfällig!“, twitterte Dressel am Sonnabend.

( mit dpa )

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