Hafen Hamburg

Barkassen in Sorge – finanzielle Reserven fast aufgebraucht

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Maike Huckschlag
Hubert Neubacher ist der Chef von Barkassen Meyer.

Hubert Neubacher ist der Chef von Barkassen Meyer.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie trifft Hamburgs Barkassengesellschaften hart. Wie wichtig eine gute Saison für das Überleben ist.

Hamburg. An der Landungsbrücke zwei, wo eigentlich das Büro von Barkassen-Meyer ist, wurde ein Corona-Testzentrum eingerichtet. Pink- und lilafarbene Banner weisen bereits großzügig von Weitem darauf hin. Doch nicht mehr allzu lange: Ab Anfang April beginnt nämlich für gewöhnlich die Saison der Hafenrundfahrten. Spätestens dann will Barkassen-Meyer-Geschäftsführer Hubert Neubacher wieder sein Büro beziehen. Neben den vielen Leidtragenden der Pandemie zählen nicht zuletzt Hamburgs Barkassengesellschaften zu jenen, die besonders unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie und dem Fernbleiben der Touristen leiden.

„Wir befinden uns jetzt im 103. Betriebsjahr“, sagt Hubert Neubacher stolz auf die Frage hin, wie lange Barkassen-Meyer bereits existiere. Neubacher, der als Inhaber den Betrieb seit dreizehn Jahren leitet, hat ursprünglich vor 28 Jahren als Kellner bei Barkassen-Meyer angefangen und beschreibt das Geschäft als seine „Leidenschaft“, ja, sein „Leben“. Doch nun, zwei Jahre nach Pandemiebeginn, seien auch bei ihm die finanziellen Reserven trotz vieler staatlicher Hilfen nahezu aufgebraucht.

Corona: Hamburgs Barkassengesellschaften mit deutlich weniger Gästen

Im Vergleich zu 2019 „kommen wir ungefähr auf 15 Prozent Auslastung“, erklärt der 49-Jährige. Zwar seien der Januar und die Winterzeit ohnehin schwierig, jedoch hätten sie sich in den vergangenen Jahren gut mit Veranstaltungen, verspäteten Weihnachtsfeiern und Musicaltouristen über Wasser halten können. „Um ein gesamtes Jahr wirtschaftlich gut zu überstehen, brauchen wir aber jeden Teil davon.“ Deshalb sei die erneute Absage des Hafengeburtstages ein herber Schlag gewesen: „Die Zuversicht war da, und viele Stammkunden haben auch Reservierungen vorgenommen“, doch kurz nach der Verkündung der Absage hätten sie diese direkt wieder „wegstornieren“ müssen, erklärt der Geschäftsführer. Ähnlich verhielt es sich mit Silvester: Von insgesamt zehn ausgebuchten Schiffen sei am Ende lediglich eine einzige Gruppe übrig geblieben, die an einer Hafenrundfahrt festgehalten habe.

Vor Corona waren es insgesamt 43 Mitarbeiter, jetzt beschäftigt der Unternehmer hingegen nur noch 24 Angestellte. Um über die Runden zu kommen befänden sich alle Angestellten zudem schon seit zwei Jahren in Kurzarbeit, so Neubacher. „Wir sind sehr dankbar für die staatlichen Hilfen. Ohne die wäre es nicht gegangen“, sagt der gebürtige Österreicher.

Die Pandemie hinterlässt nicht nur finanziellen Schaden

Doch nicht nur wirtschaftlich mache die Krise dem sonst so lebensfrohen Geschäftsführer zu schaffen: „Egal, wie kreativ und bunt man ist, du wirst schon anders durch so eine Zeit. Du bist nicht mehr so locker-flockig.“ Während der vergangenen zwei Jahre habe der 49-Jährige jedoch besonders das „gute Miteinander“ im Hafen geschätzt. „Da kam dann auch mal so etwas wie: Komm Chef, wir schaffen das schon!“

Auch die Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten hätte ihn gestärkt. „Wir mussten einfach sehen, wie wir da zusammen durchkommen“, sagt Neubacher. Zudem hätten „Kleinigkeiten“ wie die von der Hafenbehörde (HPA) teilweise erlassenen Liegegebühren oder das Entgegenkommen der Versicherer geholfen, erklärt er. Damit Barkassen-Meyer momentan überhaupt auf ein paar Fahrgäste komme, fahren sie derzeit nach Bedarf mit halber Flottenstärke. „Wir müssen einfach flexibel sein“, sagt der 49-Jährige. Worauf er jedoch hoffe, sei eine hohe Auslastung durch Touristen im Sommer. Bis kurz vor der Pandemie seien die Touristenzahlen schließlich stetig gestiegen.

Barkassen-Ehlers hofft auf großen Ansturm

Auf eben diesen Ansturm hofft auch Klaus Ehlers, der zusammen mit seiner Schwester Birgit Ehlers-Braatz die „Barkassen-Centrale Ehlers“ in vierter Generation betreibt. Allein im Jahr 2020 habe das Familienunternehmen mehr als 200.000 Euro Verlust gemacht, erklärt der Hamburger. „Verglichen mit Vor-Pandemie-Niveau haben wir einen Umsatzrückgang von bis zu fünfzig Prozent erlebt.“ Deshalb habe auch ihr Betrieb trotz Kurzarbeitergeld Personal entlassen müssen. Von insgesamt 35 habe sich das Team auf 20 Personen reduziert, erklärt Ehlers.

Weil auch dieses Jahr nicht gut anlief, habe die Familie schließlich reagiert und den Betrieb alleinig auf das Wochenende reduziert. „Jetzt fahren wir nur noch freitags, sonnabends und sonntags. Oder jemand bestellt uns, wie zum Beispiel Schulklassen“, sagt Ehlers. Dass der Betrieb wirtschaftlich bestehe, sei nur aufgrund der Kurzarbeit und der Flexibilität seiner Angestellten möglich, sagt der 58-Jährige. „Unsere Angestellten sind immer da und verzichten auf ihr freies Wochenende.“ Zudem habe sich die Familie vor der Pandemie finanzielle Rücklagen verschaffen können, weil 2019 „das beste Geschäftsjahr war“, was sie je erlebt hätten, wie Ehlers verrät. Eigentlich wollte das Unternehmen mit dem angesparten Geld seinen Fuhrpark um eine Barkasse auf insgesamt 14 Schiffe erweitern, doch dieses Vorhaben sei nun in weite Ferne gerückt.

Doch trotz aller Enttäuschung: auch Ehlers betont das gute Miteinander mit der Hamburg Port Authority, seinen Versicherern sowie mit seinem Vermieter. Dass am Ende so zusammengehalten werde, habe der 58-Jährige „nicht für möglich“ gehalten.

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