Westerland/Kiel.

Der Hebammenverband Schleswig-Holstein hat sich besorgt über die Situation der Geburtshilfe im Land gezeigt. In einem am Montag veröffentlichten offenen Brief, der "als Hilferuf zu verstehen" sei, wendet sich der Verband mit seinen Sorgen über die Schließungen von Kreißsälen an Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sowie die Fraktionsvorsitzenden im Landtag. Die Kreißsäle würden gegen Widerstand von Frauen und Bevölkerung geschlossen, heißt es in dem Brief. "Das hat Prinzip, denn ein Viertel der Kreißsäle in SH sind im Laufe der vergangenen zehn Jahre dicht gemacht worden". In der vergangenen Woche habe der Kreißsaal in Ratzeburg überraschend schließen müssen, "weitere folgen, wie sich wahrscheinlich in Preetz zeigen wird".

Der Verband wies darauf hin, dass dies für Frauen weitere Wege, längere Fahrtzeiten, eine Gefährdung in Notfallsituationen sowie eine schlechtere Versorgung bedeute. Der Argumentation, dass durch geringere Geburtszahlen in Kliniken die Versorgungsqualität leide, folge der Verband nicht. "Nicht jede Frau braucht Hightech-Medizin", sagte Verbandsvorsitzende Anke Bertram.

Der Verband fordert vielmehr einen Paradigmenwechsel in der Geburtshilfe - etwa die "Umkehr vom pathologischen Ansatz, hin zur Förderung der physiologischen Geburt", wie es in dem Brief weiter heißt. Statt Ängste zu schüren vor Eventualitäten, benötigten Frauen menschliche Zuwendung und respektvolle Versorgung. Zudem müsse die Vergütung in der Geburtshilfe verändert werden. "Die Fallkostenpauschalen sind ein großes, vermutlich das größte Problem, denn sie setzen Fehlanreize". Dazu gehöre die Förderung einer physiologischen Geburt, bei der "keine Ängste vor Eventualitäten" geschürt würden.

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