Demo Hamburg

Fridays vor Future demonstriert: Erster Klima-Aufreger 2022

| Lesedauer: 3 Minuten
Leon Berent
Luisa Neubauer von Fridays for Future im Interview

Luisa Neubauer von Fridays for Future im Interview

Fridays for Future demonstriert in Hamburg gegen Taxonomie-Pläne der Bundesregierung. Luisa Neubauer erklärt, was die Bewegung kritisiert.

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70 Aktivisten zogen am Freitagnachmittag durch die Innenstadt. Was sie zu Atomkraft und Erdgas als nachhaltige Energien sagen.

Hamburg. Es ist der erste Klima-Aufreger des Jahres: Die EU will Atomkraft und Erdgas als nachhaltige Energien einstufen – für „Fridays for Future Hamburg“ ein Grund, am Freitag auf die Straße zu gehen. „Wir sind heute hier, weil Atomkraft und Erdgas als nachhaltig einzustufen absoluter Bullshit ist. Oder nicht?“ „Doch!“, antworteten die etwa 70 Klimaaktivisten, die gegen 14 Uhr am Gänsemarkt zusammenkamen. Die Stimmung war wie gewohnt fröhlich und wütend zugleich. Als obligatorischer Ehrengast sollte Luisa Neubauer kommen.

Luisa Neubauer: Änderung lächerlich und dreist

Sie gab dem Abendblatt ein Interview. „Weder Atomkraft noch Erdgas sind nachhaltig. Wenn man sie jetzt labeln würde, würde man nicht nur sich selbst belügen, sondern auch alle anderen.“ Die Änderung sei lächerlich und dreist. Zur Politik des neuen Umweltministers Robert Habeck (Grüne) sagte sie: „Ich bin nicht enttäuscht, ich bin beklemmt. Statt wirklich zu machen wird angekündigt, dass man die Klimaziele verfehlt.“ Außerdem schaffe es die Regierung nicht, eine klare und ökologische Haltung zu Nord Stream 2 zu entwickeln. Das sehe gar nicht gut aus.

Die Demo setzte sich gegen 14.20 Uhr auf dem Jungfernstieg Richtung Rathaus in Bewegung. Auf dem Weg dorthin riefen die Aktivisten bekannte Schlachtrufe wie „What do we want? Climate justice! When do we want it? Now!“ und „Hambi? Bleibt! Hambi? Bleibt! Hambi? Bleibt!“. Auf einem Rohr stand: „Außen grün innen dreckig“. Über die Bergstraße und Mönckebergstraße zogen die Demonstranten dann vor das Rathaus. Marie, die bisher an fünf Demos teilgenommen hat, erklärte ihre Motivation wie folgt: „Ich will das hier unterstützen und glaube nicht, dass Erdgas eine nachhaltige Energieform ist.“

Fridays for Future: Zum Warten keine Zeit mehr

Aktivistin Aline hielt ihre erste Rede für die Bewegung: „Olaf Scholz ist jetzt Kanzler, aber Klimakanzler ist er nicht. Sonst müssten wir heute nicht auf der Straße stehen.“ Man sei leider gewöhnt, dass Politiker im Wahlkampf viel versprechen, aber dann wenig einhalten. Zum Warten sei keine Zeit mehr, man brauche jetzt konkrete Maßnahmen.

Luisa Neubauer hielt zum Abschluss der Demonstration eine Brandrede: „Widerstand bedeute, auch an einem Freitag um 14 Uhr bei Kälte und grauem Himmel auf die Straße zu gehen.“

Die EU Kommission hatte eine Frist bis Freitag angesetzt, um den Rechtsakt zu vollziehen. Der Beschluss bedingt auch, dass Investoren unter dem Label „Grün“ Energieprojekte finanzieren können. Neubauer schätzte ein, dass die Änderung vollzogen wird. Die Demonstration endete gegen 15.15 Uhr vor dem Rathaus.

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