Gesundheit

Senat gegen Lockerungen der Regeln: Inzidenz bei 1617,6

| Lesedauer: 5 Minuten
dpa
Auf einem Schild wird vor einem Cafe auf die 2G-plus-Regel hingewiesen.

Auf einem Schild wird vor einem Cafe auf die 2G-plus-Regel hingewiesen.

Foto: dpa

Hamburgs rot-grüner Senat sieht wegen weiter massiv steigender Infektionszahlen keine Chancen für eine Lockerung der Corona-Regeln bei der nächsten Ministerpräsidentenrunde. Leise Hoffnung auf ein Ende der Pandemie macht derweil der Virologe Schmidt-Chanasit.

Hamburg. Angesichts massiv steigender Infektionszahlen sieht Hamburg bei der nächsten Bund-Länder-Runde kommende Woche keine Chancen für eine Lockerung der Corona-Regeln. "Eine Lockerung der Regelungen ist derzeit nicht geboten", sagte Vizesenatssprecherin Julia Offen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erwarte bei dem Treffen der Regierungschefs mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag vielmehr "eine Bestätigung der aktuellen Strategie und der in Hamburg bereits ergriffenen Maßnahmen wie beispielsweise die FFP2-Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr und das flächendeckende 2G-plus-Zugangsmodell".

Zudem müssen die Test- und Quarantänestrategie angepasst werden. Die Omikron-Variante führe zu einer extrem hohen Zahl an Neuinfektionen, sagte Offen. "Die Auswirkungen für das Gesundheitswesen sind in einigen Ländern noch nicht absehbar. Dies erfordert eine angepasste Test- und Quarantänestrategie, um die Kapazitäten von Laboren und Gesundheitsämtern gezielt einzusetzen." Im Gespräch ist eine Priorisierung bei der Auswertung von PCR-Tests. Entscheidend sei die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur "und die weitere Erhöhung der Impfquote, um das Risiko schwerer Erkrankungen zu verringern".

Leise Hoffnung macht derweil der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Für eine sichere Beurteilung sei der Verlauf der derzeitigen Welle in den nächsten ein bis zwei Wochen entscheidend, sagte der Mediziner vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin der "Hamburger Morgenpost". "Momentan gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten ein bis zwei Monaten aber damit durch sind." Seiner Meinung nach muss dann diskutiert werden, ob aus der Pandemie eine Endemie geworden ist. Schmidt-Chanasit geht davon aus, dass es nach Omikron keine weitere Virus-Variante geben wird, die schlimmere Auswirkungen als die bisherigen haben könnte. "Das ist sehr unwahrscheinlich."

Aktuell klettern die registrierten Corona-Fälle in Hamburg und die Sieben-Tage-Inzidenz weiter von Höchststand zu Höchststand. Die Gesundheitsbehörde gab die Zahl der gemeldeten Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitag mit 1617,6 an. Am Donnerstag lag er bei 1476,3, vor einer Woche noch bei 897,8. An neuen Corona-Fällen meldete die Behörde am Freitag 6532 - 118 mehr als am Donnerstag und 2691 mehr als am Freitag vor einer Woche. Die Zahl der seit Beginn der Pandemie an oder im Zusammenhang mit Corona gestorbenen Menschen stieg nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) um 2 auf 2059.

Bei der Sieben-Tage-Inzidenz liegt Hamburg weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Auf Basis einer anderen Berechnungsmethode gab das RKI am Freitag für Hamburg eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1221,9 an. Die Hansestadt liegt damit nur noch knapp hinter den bisherigen Spitzenreitern Bremen und Berlin. Für ganz Deutschland gab das RKI einen Wert von 706,3 an. Bundesweit kamen 140.160 neue Fälle hinzu - so viele wie noch nie an einem Tag.

Insgesamt haben sich seit Februar 2020 laut Gesundheitsbehörde mindestens 199.955 Menschen infiziert. Davon gelten 138.500 nach RKI-Schätzung als genesen. Auf den Intensivstationen der Hamburger Krankenhäuser wurden Freitag (Stand 15.15 Uhr) laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 71 Covid-19-Patienten behandelt, elf mehr als am Vortag. 37 von ihnen mussten invasiv beatmet werden, einer weniger als am Donnerstag. Die Gesundheitsbehörde gab die Gesamtzahl der Covid-19-Patienten in 25 Hamburger Kliniken mit Stand Donnerstag mit 450 an - drei weniger als am Vortag.

Die Behörde ermutigte einmal mehr die Menschen, sich impfen zu lassen. Termine gebe es genug - sowohl am Wochenende als auch unter der Woche. "Wer eine Auffrischungsimpfung erhalten möchte, kann dafür heute einen Termin buchen und morgen schon geimpft sein - oder aber täglich spontan bei einer der geöffneten Impfstellen vorbeikommen", sagte Behördensprecher Martin Helfrich der dpa. Insgesamt stünden bis Monatsende noch mehr als 12.000 Impf-Termine zur Verfügung. Geimpft werde mit mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna. "Wer bisher zurückhaltend war oder gezögert hat, um nicht in der Warteschlange stehen zu müssen, hat jetzt eine gute Chance."

Laut RKI sind bislang 80,6 Prozent der Hamburger mindestens einmal geimpft. Den vollständigen Grundschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben demnach 78,6 Prozent. Eine Auffrischungsimpfung erhielten bisher 47,0 Prozent der Hansestädter. Bei den Erst- und Zweitimpfungen liegt Hamburg im Ländervergleich weiter auf dem dritten Platz hinter Bremen und dem Saarland. Bei den "Booster"-Impfungen belegt die Hansestadt Platz 11 unter den 16 Ländern vor Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen.

© dpa-infocom, dpa:220121-99-798253/3

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg

( dpa )