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Vorentscheidung für Milliardenprojekt Bahntunnel in Hamburg

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dpa

Große Infrastrukturprojekte rufen meist Kritiker auf den Plan. Beim milliardenschweren Bahntunnel in Hamburg soll deshalb von Anfang an die Öffentlichkeit an der Planung beteiligt sein. Wie der neue Tunnel konkret aussehen könnte, dürfte sich erst in einem Jahr abzeichnen.

Hamburg. Für das Milliardenprojekt eines Tunnels zur Entlastung des Hamburger Bahnknotens ist eine wichtige Vorentscheidung gefallen. Die Deutsche Bahn, der Bund und der Senat der Hansestadt haben sich darauf verständigt, den Bau eines rund sechs Kilometer langen S-Bahn-Tunnels vom Hauptbahnhof bis nach Altona zu untersuchen. Das berichteten die Bahn und die Verkehrsbehörde am Donnerstag im Verkehrsausschuss der Hamburger Bürgerschaft.

Das Bauvorhaben mit der sperrigen Bezeichnung "Verbindungsbahnentlastungstunnel" ist im Bedarfsplan für Bundesschienenwege mit höchster Dringlichkeit verzeichnet. Für das Projekt allein werden in dem 40 Milliarden Euro schweren Maßnahmenkatalog rund 2,66 Milliarden Euro veranschlagt.

Auf der Bahnstrecke zwischen dem chronisch überlasteten Hauptbahnhof und Altona verkehren nach Bahn-Angaben derzeit täglich 300 Regional- und Fernzüge sowie 900 S-Bahnzüge. Auf dem stark befahrenen Streckenabschnitt sollen Kapazitäten für den Fernverkehr frei werden, indem der zweigleisige S-Bahn-Verkehr unter die Erde verlegt wird und auf dem Abschnitt dann vier statt bislang zwei Gleise für den Fernverkehr zur Verfügung stehen.

Das Projekt gilt als wichtiger Baustein für den geplanten "Deutschlandtakt" der Bahn. Er soll dafür sorgen, dass ab 2030 Züge zwischen den größten Städten im Halbstundentakt fahren und Anschlüsse besser aufeinander abgestimmt sind. Fahrgäste der Bahn würden davon mit deutlich geringeren Fahrzeiten profitieren. "Der Abschnitt zwischen den beiden großen Fernbahnhöfen ist eine der am stärksten belasteten Strecken in Deutschland", sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. "Mit dem Tunnel möchten wir in der Metropole noch mehr Verkehr auf die umweltfreundliche Schiene bringen."

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bezeichnete den neuen Tunnel als einen "zentralen Schlüssel für den Deutschlandtakt an einem der wichtigsten Eisenbahnknoten Deutschlands". Bahn und Stadt wollen nun bis Anfang 2023 in einer Machbarkeitsstudie ausloten, wie das Projekt im Detail umgesetzt werden kann. Einen Zeitplan für den Bau und einen genauen Streckenverlauf gibt es noch nicht. Der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, hatte Ende 2020 bei der ersten Präsentation eines solchen Tunnelprojektes davon gesprochen, dass eine Fertigstellung Mitte der 30er Jahre "ehrgeizig, aber machbar" sei.

In Stein gemeißelt ist bei der Tunnelplanung zwar noch nichts. "Machbarkeitsstudie heißt noch nicht, dass man das macht, sondern man überlegt erst mal wie das geht", sagte Tjarks. Im Interesse der für den Klimaschutz nötigen Mobilitätswende sei es aber der Wille aller Beteiligten, "dass das dann passiert", betonte der Senator auch. "Im Grundsatz geht es jetzt in Richtung eines S-Bahn-Tunnels." Die Vor- und Nachteile im Vergleich zu einem Fernbahntunnel seien gegeneinander abgewogen worden. Dabei sprächen die "deutlich stärkeren Argumente" für einen S-Bahn-Tunnel, der beispielsweise kürzer und auch kostengünstiger sei.

Tjarks zufolge sollen nun drei mögliche Streckenführungen untersucht werden, von denen eine nahe der jetzigen oberirdischen Strecke auf der Achse Hauptbahnhof, Dammtor, Schlump und Alsenplatz bis zum Diebsteich führt. Dorthin soll 2027 der zwei Kilometer südlich liegende Fernbahnhof Altona verlegt werden. Die Bauarbeiten für den voraussichtlich 548 Millionen teuren neuen Bahnhof haben im Juli 2021 begonnen. Die anderen beiden Streckenführungen wären nördlich beziehungsweise südlich der jetzigen Strecke.

Projektleiter ist der Bahningenieur Bernd Homfeldt, der im Norden kein Unbekannter ist. Er hatte die Bahnanbindung der festen Fehmarnbeltquerung zwischen Fehmarn in Schleswig-Holstein und der dänischen Insel Lolland federführend begleitet. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie will die Bahn nun umgehend mit Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog treten. Die zur Auswahl stehenden Varianten sollen öffentlich präsentiert werden, für Fragen aus der Öffentlichkeit sollen zudem ein Projekttelefon und eine eigene Mailadresse (VET@deutschebahn.com) eingerichtet werden.

© dpa-infocom, dpa:220120-99-788182/3

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