Energie

Windkraftausbau im Norden beschleunigt

| Lesedauer: 4 Minuten
dpa
Ein Windrad eines Windparks steht während des Sonnenaufgangs in einem Wald.

Ein Windrad eines Windparks steht während des Sonnenaufgangs in einem Wald.

Foto: dpa

Nach schwächeren Jahren nimmt die Windenergie in Schleswig-Holstein wieder mehr Fahrt auf. Künftig werden sehr große Mengen Wind- und Sonnenstrom gebraucht, wenn grüner Wasserstoff Teil der Energiekette werden soll. In Ostholstein entsteht dazu ein Pilotprojekt.

Göhl. Schleswig-Holstein hat bei den Genehmigungen neuer Windkraftanlagen deutlich zugelegt. Im Jahr 2021 seien 220 Windkraftanlagen mit 1,05 Gigawatt (GW) Leistung durch das Land neu genehmigt worden, teilte Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Donnerstag mit. Im Vorjahr seien es 162 Anlagen mit 699 MW Leistung gewesen.

Damit sei 2021 das zweitstärkste Jahr für den Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein gewesen. Nur 2014 wurde demnach mit 433 neuen Anlagen mit 1,24 GW Leistung noch mehr Windkraftleistung an Land genehmigt. Zum Vergleich: Das zum Jahresende aus der Produktion genommene Atomkraftwerk Brokdorf an der Elbe hatte eine Leistung von gut 1,4 GW.

Nach Albrechts Angaben sorgten die abgeschlossene Regionalplanung Wind und beschleunigte Genehmigungsverfahren für den neuen Schub beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. "Das sind beste Voraussetzungen, um die Energiewende im Land auf ein neues Level zu heben."

Nach Zahlen des Bundesverbands Windenergie und VDMA Power Systems erhöhte sich die installierte Windkraft-Leistung in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr um 181 MW. Neu errichtet wurden demnach 67 Windräder mit einer Gesamtleistung von 269 MW. Nur in Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sei der Brutto-Zubau größer ausgefallen. Im Norden wurden aber auch 77 alte Anlagen mit einer Leistung von 88 Megawatt stillgelegt.

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Hölck, kritisierte, dass die Anzahl der Genehmigungen im Jahr 2021 gerade einmal der Hälfte von 2014 entspreche. Der Zuwachs sei ausschließlich der Fortentwicklung der Anlagentechnik mit mehr Leistung geschuldet. "Das wäre ungefähr so, als ob eine Kfz-Zulassungsstelle ihren Fleiß nicht an der Anzahl der Zulassungen, sondern an den zugelassenen PS messen würde."

Aktuell sind nach Ministeriumsangaben rund 3000 Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein mit einer Gesamtleistung von 6,9 GW in Betrieb. Zusammen mit bereits neu genehmigten Anlagen, die noch nicht in Betrieb genommen wurden, ergebe sich eine Gesamtleistung von 8,7 GW. "Wir sind auf einem sehr guten Weg, unser selbst gestecktes Ziel von 10 GW installierter Windkraft-Leistung an Land im Jahr 2025 zu erreichen", so Albrecht.

In Schleswig-Holstein soll parallel zum Windkraftausbau eine Infrastruktur für grünen Wasserstoff entstehen. Das Land fördert dazu den Aufbau einer Wasserstoffproduktion mit einer Elektrolyseanlage im ostholsteinischen Göhl mit gut 4,3 Millionen Euro, wie Albrecht bei einem Besuch der Windpark Kremsdorf GmbH mitteilte. "Ich freue mich, dass damit an der Ostküste ein neuer Hotspot für grünen Strom, grünen Wasserstoff und eine erfolgreiche Sektorenkopplung entstehen wird."

In Göhl sollen künftig 326 Tonnen Wasserstoff im Jahr erzeugt werden. Die Gesamtinvestition beträgt rund 6,7 Millionen Euro. Die Nähe zur Autobahn 1 (Lübeck-Heiligenhafen) und zu einem Unternehmenspark werde die Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität ermöglichen, so Albrecht. Der mit Hilfe von Windstrom erzeugte Wasserstoff soll eine Wasserstofftankstelle versorgen.

Der Leiter der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbands Windenergie, Marcus Hrach, nannte die Entwicklung der Windenergie erfreulich. "Damit Schleswig-Holstein und Deutschland die Pariser Klimaschutzziele erreichen, brauchen wir ab sofort einen konstant starken Zubau für die nächsten Jahre." Zum kurzfristigen Ziel der Landesregierung von 22 Terawattstunden (TWh) Einspeisung Windenergie an Land im Jahr 2025 fehlen nach Hrachs Angaben noch etwa neun TWh. Eine TWh entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. "Es muss jetzt gehandelt werden. Das bedeutet auch, dass mehr Flächen für die Windenergie zur Verfügung stehen müssen, die vollumfänglich bebaubar sind." Zusätzlich müssten Genehmigungsverfahren vereinfacht und die Genehmigungsdauer verkürzt werden.

© dpa-infocom, dpa:220120-99-781405/4

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg

( dpa )