Corona Hamburg

"Höllentrip!" Grünen-Chefin über ihre Omikron-Infektion

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Hamburgs Grünen-Chefin berichtete in einem emotionalen Post über ihre Corona-Infektion (Archivbild).

Hamburgs Grünen-Chefin berichtete in einem emotionalen Post über ihre Corona-Infektion (Archivbild).

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Maryam Blumenthal schildert ihre Erkrankung in einem sehr emotionalen Facebook-Post. Auch ihre Familie blieb nicht verschont.

Hamburg. Die Corona-Zahlen steigen rasant, immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger infizieren sich mit dem Virus – eine davon ist die Grünen-Chefin Maryam Blumenthal, Mutter von drei Kindern. In einem langen Post bei Facebook schildert die 36-Jährige ausführlich und sehr emotional, wie sie und ihre Familie eine Omikron-Infektion durchmachten. Den Beitrag hat sie inzwischen aus bestimmten Gründen auf privat gestellt. "Ich wollte mit meinem Beitrag für Vorsicht bei Omikron werben, weil viel zu oft Omikron als so harmlos dargestellt wird", sagte Blumenthal dem Abendblatt am Donnerstag. "Die AfD wollte meinen Beitrag für das Gegenteil nutzen, zur weiteren Verharmlosung."

Die Grünen-Politikerin kämpfte selbst tagelang gegen hohes Fieber und andere unangenehme Symptome und spricht von einem "Höllentrip". Los ging alles laut Blumenthal am 2. Januar. Der Tag, an dem ihre Kinder beim Sport Kontakt zu einem später positiv getesteten Kind hatten. Doch alle Schnelltests waren negativ, Symptome hatte niemand in ihrer Familie. Wenige Tage später hatte eines ihrer Kinder Kontakt zu Kindern, die auch am 2. Januar dabei waren.

Corona Hamburg: Grünen-Chefin über "höllische Kopfschmerzen"

"Am 6. Januar bekam ich erstmals höllische Kopfschmerzen, die ich nur mit Tabletten einigermaßen aushalten konnte", schreibt die Grünen-Chefin in ihrem Facebook-Post. Dabei weist sie darauf hin, dass nicht nur die Kinder regelmäßig in der Schule getestet wurden, sondern auch sie und ihr Mann Jan sich zu dem Zeitpunkt täglich selbst testeten. "Am 7. Januar trafen Jan und ich abends Freunde, die auch kurz unser K1 sahen. Wir alle testeten uns vorsorglich vor dem Treffen negativ."

Am Tag darauf übernachtete K1 (Kind 1, Anm. d. Redaktion) bei einem Freund. Am 9. Januar sei ihr Kind mit Schlappheit, Kopfschmerzen und Schnupfen wieder nach Hause gekommen. Zwei Schnelltests zeigten ein positives Ergebnis. Inzwischen hatten auch andere Kinder, die am 2. Januar an der Sportaktivität teilgenommen hatten, einen positiven Corona-Test.

Omikron in der Familie: Kinder von Grünen-Chefin positiv

"Wegen meiner höllischen Kopfschmerzen ging ich mit ihm (dem Kind, Anm. d. Red.) zusammen zum PCR-Test", so Blumenthal. Am 10. Januar lag das Ergebnis vor. "Kind positiv, ich negativ. Trotzdem meldeten wir uns sofort alle krank. Vorsorglich und um die Kids zu betreuen, aber nicht weil WIR gemusst hätten."

Während ihr infiziertes Kind am 11. Januar schon wieder fit war, bekam der Jüngste ihrer drei Sprößlinge am 12. Januar plötzlich Fieber und schlief den ganzen Tag. "Am nächsten Tag war er wieder topfit und wir machten gegen den härtesten Widerstand eines Dreijährigen einen Schnelltest", schreibt Blumentahl. Das Ergebnis: positiv.

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Corona: Blumenthal – positives PCR-Test-Ergebnis am 14. Januar

Am nächsten Tag wachten das bisher symptomlos gebliebene Kind (K2) und die Grünen-Politikerin mit Halsschmerzen auf. "Die höllischen Kopfschmerzen hatte ich nach wie vor nur mit Tabletten einigermaßen im Griff", so Blumenthal. "Meine Schnelltests zeigten positiv auf, K2 und Jans weiter negativ." Dennoch gingen die Eltern mit ihrem mittlerem Kind zum Hausarzt, um alle einen PCR-Test zu machen. "K3 verschonten wir, den Stress wollten wir uns nicht antun."

Am 14.Januar bekamen sie das Ergebnis. "Jan und ich positiv. K2 negativ. Tja, abgesehen davon, dass Jan sehr überrascht war, ohne Symptome positiv zu sein, fanden wir es erstaunlich, dass K2 trotz Dauerkontakt zu K1 verschont blieb." Aber zwei Tage später bekam K2 Fieber und Kopfschmerzen – und hatte positive Schnelltests." Einen weiteren PCR-Test ersparten Blumenthal und ihr Mann dem Kind jedoch.

Blumenthal: Fast vier Tage lang kämpfte sie mit 40 Grad Fieber

Inzwischen gehe es dem Kind wieder gut. Sowieso hätten es alle aus der Familie recht gut überstanden. Blumenthal: "Nur ich nicht. Nachdem die höllischen Kopfschmerzen weiter anhielten, bekam ich am 13. Januar plötzlich Fieber. Fast vier Tage lang kämpfte ich mit um die 40 Grad Körpertemperatur. Mein Rekordwert lag bei 40,7. Nichts half wirklich."

Blumenthal spricht von "echt beschissenen vier Tagen". "Herzrasen, krasse Schweißattacken – insbesondere nachts –, Schüttelfrost, Erbrechen, überall Schmerzen. Und immer wieder diese erschreckende, nicht unter Kontrolle zu bekommende Temperatur." Seit Dienstag ist die Hamburger Grünen-Chefin fieberfrei. Aber gut es ihr nicht. "Es ist, als sei ein Auto über meinen Körper gefahren. Alles tut weh. Ich bin sooo müde und meine höllischen Kopfschmerzen sind wieder so stark wie in der ersten Woche."

Omikron – Hamburgs Grünen-Chefin gegen Durchseuchung

Nachdenklich stimmt die 36-Jährige, dass sie immer wieder lese, dass Omikron so ungefährlich sein soll und sich jetzt ruhig alle damit anstecken sollen. "Ja, wir hatten alle milde Verläufe, mal mehr und mal weniger belastend. Niemand von uns hatte ausgeprägten Husten, unsere Lungen sind verschont geblieben, selbst meine als Asthmatikerin. Dennoch wünsche ich niemandem, was ich bzw. wir durchgemacht haben."

Die Quarantäne an sich sei schon belastend. Blumenthal: "Aber die Sorge umeinander, wirklich flach zu liegen, nicht einen Ton sprechen zu können, so völlig ausgeknockt zu sein – das sollte doch bitte jede*r selbst für sich entscheiden dürfen. Hätten wir es entscheiden können, hätten wir uns jetzt nicht anstecken wollen."

"Wahrscheinlich, dass viele einen Höllentrip durchmachen wie ich"

In ihrem Facebook-Beitrag zählt die Grünen-Frau auf, welche Folgen Omikron in ihrer Familie für andere Menschen in ihrem Umfeld hatte. "Wir haben 2 Kindergeburtstagsfeiern anderer Kinder zerstört, die wegen dem Kontakt zu uns nun in Quarantäne sind. Wir haben einen Haushalt infiziert, der bereits vor Kurzem den ganzen Scheiß mit Delta durch hatte und einen anderen eine Woche durch vorsorgliche Quarantäne lahm gelegt." Blumenthal ist davon überzeugt, dass die Durchseuchung, von der immer viel gesprochen werde im Zusammenhang mit Omikron, nicht der Weg sein könne.

"Ich bin nur froh, dass wir Erwachsenen diesen Scheiß als dreifach Geimpfte durchgemacht haben. Nach diesen Tagen habe ich noch weniger Verständnis für jene, die diesen Virus klein reden und sich bewusst nicht impfen lassen wollen. Ich habe einfach gar kein Verständnis mehr für solche Leute!", stellt Blumenthal klar. Zudem mache sie sich angesichts der Prognosen um Omikron große Sorgen um all ihre Liebsten. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele von ihnen, viele von euch, noch einen ähnlichen Höllentrip durchmachen wie ich", schreibt Blumenthal am Ende ihres emotionalen Posts. "Dabei könnte es alles schon hinter uns liegen. Passt auf euch und andere auf!"

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