Belästigung am Arbeitsplatz

Sexistisch, provokant: Plakate in Hamburg erregen Aufsehen

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Mit einer Plakataktion kämpfen die Agentur-Gruppe thjnk und das Unternehmen Ströer auch in Hamburg gegen Belästigung im Büro.

Mit einer Plakataktion kämpfen die Agentur-Gruppe thjnk und das Unternehmen Ströer auch in Hamburg gegen Belästigung im Büro.

Foto: Thjnk

Bei der Kampagne stehen Sprüche im Fokus, die Frauen auch 2022 noch in Büros zu hören bekommen. Die Aktion hat ein konkretes Ziel.

Hamburg. „Die müsste nur mal wieder richtig durchgevögelt werden.“ "Für eine Frau machen Sie das aber ganz gut." Oder: "Hast du deine Tage, oder was?" Es sind sexistische, häufig sprachlos machende Sprüche, die viele Frauen auch 2022 immer noch in Büros und Betrieben zu hören bekommen. Nun sind die provokanten Sprüche auch auf großen Werbeflächen in ganz Hamburg zu lesen – und sorgen für Aufsehen.

Und genau das sollen die sexistischen Aussagen auch. Wachrütteln. Verändern. Auf das Problem Belästigung am Arbeitsplatz aufmerksam machen. Mit einer gemeinsamen bundesweiten Kampagne kämpfen die Agentur-Gruppe thjnk und das Unternehmen Ströer gegen Sexismus in Büros und Betrieben.

Sexistische Zitate an U- und S-Bahnhöfen in Hamburg

In Hamburg sind die Sprüche wie "Damit musst du rechnen, wenn du Minirock trägst" auf digitalen Billboards, die Ströer in allen großen deutschen Städten zur Verfügung stellt, an U- und S-Bahnhöfen sowie in vielen Einkaufszentren zu lesen. Für kurze Zeit – denn dann werden die provokanten Aussagen mit Unterschriften bis zur Unkenntlichkeit überschrieben.

Dabei handelt es sich um Originalunterschriften aus der Petition C190, die von der Schauspielerin Ursula Karven bei change.org gestartet wurde. Bereits mehr als 78.500 Menschen haben die Petition unterzeichnet (Stand: 12. Januar, Nachmittag) – angestrebt werden 150.000 Unterschriften. Ziel sei es, die Gesetzesinitiative „PetitionC190“ erfolgreich zu implementieren, heißt es in einer aktuellen Mitteilung von thjnk.

Provokante Sprüche sorgen an Hamburger Bahnhöfen für Aufsehen

Auch die Menschen in Hamburg können sich ein Bild von der Plakatkampagne machen – an 16 viel frequentierten S-Bahnhöfen und an 14 U-Bahnhöfen. Zudem sorgen die auffälligen Sprüche in zahlreichen Einkaufszentren im gesamten Hamburger Stadtgebiet für Aufsehen:

  • Phoenix-Center Harburg
  • Elbe Einkaufszentrum Hamburg A
  • lstertal-Einkaufszentrum Hamburg
  • Billstedt-Center Hamburg
  • Hamburger Meile
  • Luna-Center Hamburg
  • Mundsburg-Center Hamburg
  • Born Center Hamburg
  • Krohnstieg Center Hamburg

Petition von Ursula Karven ist Teil des Koalitionsvertrages

Die jüngst gestartete Petition sieht vor, dass Opfer überall Zugang zu vertrauenswürdigen Hilfsangeboten bekommen sowie Unterstützung in der Sanktion gegen Täter und Täterinnen. Innerhalb einer Woche hatte die Petition bereits 50.000 Unterstützer. Die Unterschriften überreichte Ursula Karven der damaligen Bundesjustizministerin Christine Lambrecht – inzwischen ist die „PetitionC190“ Teil des Koalitionsvertrages.

„Die Koalition hat unsere Petition wahrgenommen, schriftlich fixiert und damit zu erkennen gegeben, dass ihnen unser Anliegen ernst ist", sagt Ursula Karven. "Das hat mich sehr gefreut. Noch mehr wird es mich freuen, wenn daraus jetzt ein konkretes Gesetz wird. Denn die Zeit der Lippenbekenntnisse muss endlich zu Ende gehen – jede Stimme zählt.“

„Arbeitsplätze sollten keine Orte der Einschüchterung sein"

Nach Angaben des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend geben allein in Deutschland 63 Prozent der Frauen und auch 49 Prozent der Männer an, dass sie schon mal geschlechtsspezifische Übergriffe wahrgenommen haben oder selbst betroffen waren. „Arbeitsplätze sollten Orte der Entfaltung sein – keine Orte der Einschüchterung", sagt thjnk-CEO Karen Heumann. "Für uns bei thjnk ist es selbstverständlich, dass wir die PetitionC190 mit unserer Kampagne pro bono unterstützen, um dieses gesellschaftlich wichtige Thema voranzutreiben.“

"Wir setzen uns gegen Diskriminierung ein und fördern Aufklärungskampagnen wie die von ,PetitionC190’," sagt auch Udo Müller, Gründer und Co-CEO von Ströer. Mit der Aktion helfe man, "die Thematik sichtbar zu machen und die Menschen im öffentlichen Raum für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren."

Mit der bundesweiten Zitat-Aktion für die „PetitionC190“ sollen nun noch mehr Unterschriften gesammelt – und der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden.

( coe )

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