Corona

2G plus: Für wen die Testpflicht in Hamburg nun gilt

| Lesedauer: 6 Minuten
Maike Huckschlag, Peter Ulrich Meyer und Christoph Rybarczyk
In Hamburg gilt wegen Corona nun 2G plus. Wer sich Ende November in der Elbphilharmonie hat impfen lassen, kann noch nicht boostern.

In Hamburg gilt wegen Corona nun 2G plus. Wer sich Ende November in der Elbphilharmonie hat impfen lassen, kann noch nicht boostern.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / FUNKE Foto Services

Wer gilt als vollständig geimpft, wer als geboostert? Hamburg weicht bei den Regeln von der Einschätzung des RKI ab.

Hamburg.  Zehntausende Menschen in Hamburg atmen auf: Sie haben als Erst- und vermeintliche Komplettimpfung gegen das Coronavirus das Serum von Johnson & Johnson erhalten. Sie haben sich „boostern“ lassen mit Biontech oder Moderna – und liefen doch Gefahr, sich bei den von Montag an geltenden 2G-plus-Regeln wieder in die Schlangen für die Schnelltests einreihen zu müssen. Wie die Sozialbehörde am Donnerstag erklärte, ohne es so zu nennen, macht Hamburg eine Ausnahme vom Impfschema des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Denn 2G bedeutet: Zugang zum Beispiel zu Kulturveranstaltungen, Fitnessstudios und Restaurant nur für Genesene oder Geimpfte. Das neue „plus“ heißt: genesen, geimpft und getestet. Ausnahme: Keinen Test braucht, wer bereits eine Auffrischungsimpfung hat, den Booster. 106.000 Einmal-Impfungen mit Johnson & Johnson hat es in Hamburg gegeben. Wer von diesen Kandidaten zusätzlich einmal mit der Spritze aufgefrischt wurde, gilt beim RKI als „optimiert“ oder „komplettiert“ und zählt explizit nicht zu den Geboosterten. In Hamburg gilt das bei 2G plus jedoch jetzt als „aufgefrischt“. Ärzte empfehlen diesen Menschen einen nächsten Piks mit Biontech oder Moderna nach weiteren drei Monaten. Die Sozialbehörde spricht ebenfalls von „weiterer Auffrischung“, die sinnvoll sein könne.

Corona Hamburg: Genesene brauchen keinen Testnachweis

Bei 2G plus sind Kinder bis 16 Jahre ausgenommen. Von ihnen wird angenommen, dass sie sich ohnehin in der Schule testen müssen. Jugendliche ab 16 brauchen den Geimpften- oder Genesenennachweis. Eine generelle Auffrischungsimpfung hat die Ständige Impfkommission für sie noch nicht vorgesehen.

Auf einen Test verzichten kann auch, wer von einer Infektion genesen ist und das nachweisen kann. Spätestens sechs Monate nach der Erkrankung müssen sie sich allerdings impfen lassen, um von der Testpflicht befreit zu bleiben. Wer vollständig geimpft ist und sich später Infiziert, gilt als genesen. Auch wer sich frisch hat boostern lassen, hat keinen Test mehr nötig. Als Nachweis dient die Impfung auch auf Papier (mit Personalausweis). Pech haben die frisch vollständig Geimpften ohne Booster. Sie müssen sich für 2G plus tagesaktuell testen lassen, können aber nach drei Monaten aufgefrischt werden. Die Schnelltests sind kostenlos (www.hamburg.de/corona-schnelltest).

Testfrequenz an Schulen in Hamburg wird erhöht

Am ersten Unterrichtstag nach den Weihnachtsferien, dem gestrigen Mittwoch, meldeten die Eltern 329 Schülerinnen und Schüler (0,1 Prozent der Schülerschaft) an 71 Schulen wegen einer Corona-Infektion. Auch 27 Schulbeschäftigte (0,07 Prozent) zeigten eine Infektion mit dem Virus an. „Die Infektionszahlen basieren auf Meldungen der Betroffenen an die Schulen. Aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens in Hamburg und der Ferien geht die Schulbehörde zurzeit davon aus, dass es weitere Infektionen gibt, die jedoch nicht oder noch nicht an die Schulen gemeldet wurden“, sagte Behördensprecher Peter Albrecht.

Wie berichtet, wird die Testfrequenz an den Schulen erhöht. In dieser und der kommenden Woche müssen die Schüler und Schülerinnen an jeweils drei Tagen einen Schnelltest machen, danach gilt wieder der Zwei-Test-Rhythmus. Das Schulpersonal ist aufgefordert, sich im gleichen Takt selbst zu testen – unabhängig vom Impfstatus. Seit Mittwoch und noch bis zum 12. Januar werden die neuen Testkits der Firma Siemens Healthcare an die Schulen ausgeliefert, die verlässlichere Ergebnisse liefern sollen als ihre Vorgänger.

Auch im Unterricht gilt Maskenpflicht

Die Schulen sind im vollen Präsenzunterricht in das neue Jahr gestartet. Derzeit sind in der Schulbehörde Einschränkungen kein Thema. Unter anderem war vorgeschlagen worden, den Sportunterricht einzuschränken oder einzustellen und den Mensabetrieb herunterzufahren, um so Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren. „Wir beobachten die Lage an den Schulen fortlaufend, bewerten die Wirksamkeit der aktuellen Maßnahmen und prüfen, ob weitere Maßnahmen sinnvoll erscheinen“, sagte der Behördensprecher.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

An den Schulen gilt auch im Unterricht die Maskenpflicht. Mehr als 21.000 Luftfiltergeräte in den mehr als 11.000 Unterrichts- und Fachräumen sollen die Raumluft verbessern und die Ansteckungsgefahr durch Aerosole verringern. Der Sprecher wies darauf hin, dass die Luftfiltergeräte nur eine Ergänzung seien und das Stoß- und Querlüften der Räume nicht ersetzen.

Schulleiterin verweist auf mangelnde Kapazitäten

Gestern meldete unter anderem die Grundschule Anna-Susanna-Stieg in Schnelsen, dass sich aktuell 15 Kinder in Quarantäne befänden. Einen positiven Test habe es allerdings laut Schulleiterin Jennifer Urban diese Woche noch nicht gegeben. Ebenso meldet die Grundschule Marienthal mit drei positiven Tests pro Tag eine grundsätzlich gute Bilanz.

Schulleiterin Pia Brüntrup vom Gymnasium Hoheluft verweist hingegen auf ein zentrales Problem: die fehlenden Kapazitäten beim Personal. Sie sagte, „jegliche Erkältungssymptome führen zu Fehlzeiten“. Es komme zu weiteren Ausfällen durch Quarantänezeiten, Impftermine und das Boostern.

Corona Hamburg: Katzmann fordert mehr Engagement

Grit Katzmann, die Vorsitzende der Lehrergewerkschaften Hamburg, betont jedoch: „Grundsätzlich finden wir es gut, dass wir die Schulen offen halten und Präsenzunterricht abhalten können.“ Allerdings könne die Schulbehörde mehr Engagement bezüglich des Boosterns an Schulen zeigen. Anstatt Impf- und Boosteraktionen von Schulen im Alleingang organisieren zu lassen, wie die Berufliche Schule City Nord es am 6. Januar tat, solle dies von den Behörden organisiert werden.

„Der Andrang ist schließlich groß“, verrät Katzmann. Zudem fordert die Gewerkschafterin eine Ausweitung der Testungen an Schulen: „Anlässlich der Omikron-Variante wäre es sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler jeden Tag anstatt wie bisher nur dreimal pro Woche zu testen“. Dies biete einfach mehr Sicherheit.

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