Nachthimmel

Hunderte Sternschnuppen! Hamburgs nachträgliches Feuerwerk

| Lesedauer: 6 Minuten
Thomas W. Kraupe
Im Januar werden in Hamburg viele Sternschnuppen am Himmel zu beobachten sein (Archivbild).

Im Januar werden in Hamburg viele Sternschnuppen am Himmel zu beobachten sein (Archivbild).

Im Januar regnet es Sternschnuppen in der Hansestadt. Wann es sich lohnt, nach oben zu schauen, und wie sich der Himmel verändert.

Hamburg.  Die meisten Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr – und in Pandemiezeiten mit großen Wünschen und Hoffnungen. So ist es ein schöner Zufall, dass schon bald mit reichlich Sternschnuppen zu rechnen ist, denn schließlich besagt der Brauch, dass Menschen, die Sternschnuppen erblicken, einen Wunsch frei haben. Wer sich etwas wünschen möchte, blickt also nun geduldig zum Nachthimmel.

Denn jedes Jahr rast unsere Erde zu dieser Zeit durch eine Wolke von Staubpartikeln, die ein ehemaliger Komet, der jetzige Asteroid 2003 EH1, verstreut hat. Hoch über uns, in etwa 90 Kilometern Höhe, verglühen die Staubkörner beim Aufprall auf die Erdatmosphäre. Die Leuchtspuren scheinen aus einer Gegend nahe der Deichsel des „Großen Wagen” zu kommen, vom „Mauerquadrant“. Auch wenn dieses Sternbild heute nicht mehr gebräuchlich ist, ist dem Meteorschauer sein Name „Quadrantiden” geblieben.

Nachthimmel: Anfang Januar gibt es die besten Chancen

Die besten Chancen, Sternschnuppen zu entdecken, bieten sich in der zweiten Nachthälfte vom 3. auf den 4. Januar. Denn dann erreichen die Quadrantiden ihr spitzes, kurzes Maximum und kein Mondschein stört die Sicht. Suchen Sie sich also am besten einen dunklen Ort fern der Lichter der Stadt und lassen ihren Augen mindestens zwanzig Minuten Zeit, sich an die Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Mit Glück lassen sich bei sternenklarem Himmel bis zu hundert Sternschnuppen in der Stunde beobachten. Die meisten Leuchtspuren sind aber eher lichtschwach.

Die dunklen, langen Winternächte bieten uns zu Jahresbeginn auch einen schönen Reigen der prächtigsten Gestirne. Bereits gegen 17 Uhr legt sich allmählich das Dunkel der Nacht über uns - und bietet Anfang Januar die vorerst letzte Gelegenheit, Venus als „Abendstern“ zu erleben. Die helle Venus sinkt bis zum 5. Januar immer früher unter den Horizont und nimmt schließlich Abschied vom Abendhimmel. Am 9. Januar erreicht sie ihre kleinste Entfernung zur Erde, bleibt aber für uns unsichtbar, da sie zwischen Sonne und Erde steht.

Venus erscheint kurz vor Sonnenaufgang

Nur rund 40 Millionen Kilometer trennen uns dann von unserem inneren Nachbarplaneten. Danach entfernt sich Venus westwärts von der Sonne und ziert ab Mitte Januar kurz vor Sonnenaufgang als „Morgenstern“ unseren Himmel. Erscheint sie anfangs erst kurz nach 7 Uhr morgens, verfrühen sich ihre Aufgänge bis zum Monatsende rasant um etwa eineinhalb Stunden.

Länger am Abendhimmel verbleibt Jupiter. Wir finden ihn leicht in der Abenddämmerung im Südwesten. Zu Monatsbeginn bleibt er noch rund zwei Stunden nach Dämmerungsende über dem Horizont, am Monatsende kann man ihn dann nur noch bis gegen Ende der Abenddämmerung erspähen. Besonders lohnend ist der Anblick am 5. Januar gegen 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Dann sehen wir bei klarer Sicht unterhalb von Jupiter die schlanke Sichel des zunehmenden Mondes und rechts daneben den schwächeren Planeten Saturn - und vielleicht auch noch Venus und Merkur, die knapp über dem Horizont leuchten.

Saturn verschwindet vom Abendhimmel

Während sich Jupiter zum Monatsende immerhin noch für etwa anderthalb Stunden über dem Südwesthorizont zeigt, verabschiedet sich sein „kleiner Bruder“ Saturn im Januar vom Abendhimmel. Der Ringplanet wandert im Steinbock und verschwindet zur Monatsmitte im Glanzbereich rund um die Sonne. Gleichzeitig steigt der zunehmende Mond vom 5. bis zum 15. Januar im Tierkreis immer höher und dominiert schließlich mit seinem hellen Schein die Nacht. Am 7. Januar passiert er im Sternbild Wassermann den fernen Neptun und am 11. Uranus im Widder. Die beiden Planeten kreisen weit draußen um unsere Sonne und sind daher nur mit Fernglas oder Fernrohr zu finden.

Abend für Abend wird unser Mond immer rundlicher und tritt am 13. Januar durch das „Goldene Tor der Ekliptik“, das von den Kopfsternen des Stiers und dem Sternhaufen der Plejaden, dem Siebengestirn, gebildet wird. In der Nacht vom 17. auf den 18. Januar steht er dann im Sternbild Krebs, unterhalb der Zwillingssterne Kantor und Pollux, der Sonne genau gegenüber und bleibt als Vollmond die ganze Nacht am Himmel.

Im Süden beherrscht Himmelsjäger Orion das Bild

Der ganze Himmelsraum im Süden wird spätabends beherrscht von einem Ensemble heller, funkelnder Sterne – rund um das wohl schönste Sternbild des Himmels – den Orion. Der legendäre Himmelsjäger steht dann halbhoch im Süden. Mit seiner Kette aus drei gleichhellen Gürtelsternen ist er nicht zu übersehen Der „links über dem Gürtel“ stehende Stern ist Beteigeuze. Er markiert die rechte Schulter Orions und ist ein roter Überriesenstern, der 650-mal größer als unser Sonne ist. Seine Leuchtkraft übertrifft die der Sonne um das 60.000-fache.

„Links unterhalb“ des Orions funkelt Sirius, der hellste Fixstern an unserem Nachthimmel. Ziehen wir von Sirius eine Linie über die Gürtelsterne des Orions nach Westen, treffen wir auf Aldebaran, das rote Auge des Stiers, und darüber hinaus auf das „Siebengestirn“. Die sieben Sterne des „Großen Wagen“ finden wir spätabends im Nordwesten halbhoch am Himmel. In den Stunden nach Mitternacht klettern sie immer höher. Gleichzeitig steigt auch der Löwe in die Südrichtung, während Orion und die Wintersterne nach Westen sinken.

Nachthimmel: Orion hat einen Gegenspieler

Dem Löwen folgen im Tierkreis Jungfrau, Waage und Skorpion. Dieser ist der Sage nach der Gegenspieler des Orion. Zeus, so heißt es, habe sie daher an gegenüberliegenden Stellen des Himmels verewigt, damit sie sich aus dem Wege gehen. Die Sterne des Skorpions zeigen sich daher erst gegen Ende der Nacht am Südosthorizont, sobald Orion im Westen untergeht.

Die Monatssternkarte aus dem Planetarium Hamburg mit dem Sternen-Podcast ist zu finden unter: www.abendblatt.de/sterne

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg