Silvesterbilanz für Hamburg

Böller reißt Mann Finger ab – Freund reagiert mit Kopfnuss

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Am Jungfernstieg und anderen Hamburger Hotspots zeigte die Polizei in der Silvesternacht erhöhte Präsenz.

Am Jungfernstieg und anderen Hamburger Hotspots zeigte die Polizei in der Silvesternacht erhöhte Präsenz.

Foto: Michael Arning / HA

Unglaubliche Szenen in Bahrenfeld. Was Polizei und Feuerwehr in der Hamburger Silvesternacht 2021/22 sonst noch alles erlebten.

Hamburg. Eine eher „ruhige“ Silvesternacht registrierten Feuerwehr und Polizei zum Jahreswechsel in Hamburg. Allerdings rückte die Feuerwehr zu mehr Einsätzen aus als im Vorjahr, als ebenfalls ein Böllerverbot und andere durch coronabedingte Verbote die Feiern einschränkten.

Auch gab es einige schwere Verletzungen durch Feuerwerk, die durch das Böllerverbot eigentlich verhindert werden sollten. Viele Hamburger hatten sich offenbar im Ausland mit Pyrotechnik eingedeckt, die dort mit mehr explosivem Inhalt verkauft wird als in Deutschland. Neu in Hamburg: Die Querdenkerszene nutzte die Silvesternacht offenbar, um zusammenzukommen.

Zu 120 Brandeinsätzen, 19 technischen Hilfeleistungen und 441 Rettungsdiensteinsätzen rückte die Feuerwehr in dieser Silvesternacht aus. Das sind 31 Brandeinsätze, sieben technische Hilfeleistungen und 102 Rettungsdiensteinsätze mehr beim Jahreswechsel 2020 auf 2021. Anders bei der Polizei. „Wir verzeichneten 1025 Einsätze, 293 weniger als im Vorjahr“, so Polizeisprecherin Sandra Levgrün.

Jugendliche bewerfen sich mit Böllern und flüchten

In der Innenstadt waren die klassischen Treffpunkte Kiez, Jungfernstieg und Hafenrand Schwerpunkte der Polizeieinsätze. „Im Bereich der Innenstadt stellten wir immer wieder Kleingruppen fest, die der sogenannten Querdenker-Szene zuzuordnen waren“, so Levgrün. „Einige der Personen konnten angetroffen werden, ihnen wurde die Rechtslage erläutert und es wurden Platzverweise gegen die Personen ausgesprochen.“

Probleme gab es auch mehreren Stadtteilen. In Osdorf bewarfen sich etwa 50 Jugendliche mit Böllern. Sie flüchteten, als die Polizei kam.

Mann stirbt in Silvesternacht auf seiner Yacht

In Billstedt bemerkte während einer Feier beim Club Bille-Klabautermann ein 22-Jähriger einen Feuerschein aus der Kabine der zehn Meter langen Motoryacht „Regulus“. Als er die Tür öffnete, schlugen ihm Flammen und Rauch entgegen. Er erlitt eine Rauchvergiftung.

Feuerwehrleute fanden bei den Löscharbeiten in der Kabine die Leiche eines Mannes. Es dürfte sich um den Eigner handeln. Die Brandursache ist unklar. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nicht.

Stromausfall an Neujahr: Sorge um Pflegefälle

Einen ungewöhnlichen Einsatz hatte die Feuerwehr nach einem größeren Stromausfall in Borgfelde. Betroffen war auch eine Pflegeinrichtung für Menschen, die ambulant intensivmedizinisch versorgt und vielfach dabei künstlich beatmet werden.

Die Feuerwehr bereitete sich darauf vor, im Extremfall elf Patienten in Krankenhäuser zu verlegen. Denn die Akku-Kapazität der Beatmungsgeräte reichte nur für einige Stunden. Auch Optionen für eine Stromversorgung über Generatoren durch das THW wurde geprüft.

Die Stromversorgung war dann wieder hergestellt, bevor Maßnahmen getroffen werden mussten. 150 Einsätzkräfte waren vor Ort.

Böller reißt Mann Finger ab – Freund gibt Kopfnuss

In zwei Fällen kam es in Hamburg zu schweren Verletzungen durch Feuerwerk. Am Werfelring in Bramfeld erlitt ein 50-Jähriger schwere Gesichtsverletzungen.

An der Boschstraße in Bahrenfeld riss ein Böller einem 40-Jährigen alle fünf Finger einer Hand ab. Ein Bekannter (37) versetzte bei der Versorgung des Verletzten einem Rettungssanitäter eine Kopfnuss, weil er nicht mit den Maßnahmen zufrieden war.

13-Jähriger begrüßt Polizei mit Schreckschusswaffe

Immer wieder stellten Beamte fest, dass aus Schreckschusswaffen geschossen wurde. Im Bereich Landungsbrücken nahm die Polizei einen 17-Jährigen in Gewahrsam, der als Beifahrer aus einem Auto geschossen hatte. Bei ihm fand man zudem einen gefälschten Impfausweis.

Im Schulterblatt öffnete ein 13-Jähriger mit einer Schreckschusswaffe in der Hand der Polizei die Tür zu einer Wohnung, in der eine Familie feierte. Die Beamten waren gerufen worden, weil aus dem Fenster geschossen worden war.

Kaum Unterschiede zu Silvester vor Corona

Im Vergleich zur Vor-Coronazeit sind die Einsatzzahlen sowohl bei Feuerwehr, wie auch bei der Polizei gering. So rückte die Feuerwehr zum Jahreswechsel 2019 auf 2020 stündlich zu durchschnittlich 104 Einsätzen aus. Dieses Silvester waren es 48.

Bei der Polizei ist der Unterschied nicht so groß. Zum Jahreswechsel 2019 auf 2020 wurden 1353 Einsätze, 328 mehr als diesmal, gezählt.

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