Hamburg 2022

S-Bahnhof, Sternbrücke und Science-City – das plant Altona

| Lesedauer: 14 Minuten
Matthias Schmoock
Die Planung für einen Neubau der Sternbrücke läuft.

Die Planung für einen Neubau der Sternbrücke läuft.

Foto: Andreas Laible / Funke Foto Services

Was planen die Bezirke? In der Abendblattserie stellen wir die wichtigsten Projekte vor. Veränderungen in Altona prägen das Stadtbild.

Hamburg. Der ständige Wandel, der sich in Hamburg ununterbrochen vollzieht, lässt sich in Altona täglich erleben. Im Bezirk laufen zahlreiche Bauprojekte parallel, die nach ihrer Fertigstellung das Erscheinungsbild der ganzen Stadt prägen werden. Die Überdeckelung der A 7 und die Schaffung des Fernbahnhofs Diebsteich sind dabei beispielhaft zwei Vorhaben, bei denen Bund beziehungsweise Deutsche Bahn mit beteiligt sind. Hinzu kommen zahlreiche rein städtische Baumaßnahmen und eine Fülle von privaten Projekten, die in fast allen Stadtteilen realisiert werden. Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) spricht entsprechend von der „ungeheuren Dynamik“ Altonas.

Bewohner von Ottensen und Altona haben in den vergangenen Jahren die vom Bezirk angebotene Bürgerbeteiligung vielfach genutzt oder sogar neue Beteiligungsverfahren erstritten. Mittlerweile ist das Bewusstsein dafür auch in anderen Stadtteilen deutlich gewachsen, und als sichtbares Zeichen gibt es Proteste gegen eine ständige Nachverdichtung, die von vielen als zu stark wahrgenommen wird.

Stadtplanung: Viele Veränderungen in Altona 2022

Viele Projekte wie zum Beispiel der Rückbau des ehemaligen Euler-Hermes-Gebäudes in Bahrenfeld und der Bau des Kolbenhöfe-Quartiers in Ottensen, über die das Abendblatt im nun zu Ende gehenden Jahr immer wieder berichtet hat, werden 2022 fortgesetzt und zum Teil vollendet. Neue werden hinzukommen, und bei anderen wird die Planung anlaufen. Nachfolgend eine Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.

Kaum ein geplantes Bauprojekt wurde in der Hansestadt in den vergangenen Monaten so intensiv diskutiert wie das Holstenquartier (1). Auf dem Grundstück sollen 1400 Wohnungen entstehen, aber das Vorhaben machte zwischenzeitlich vor allem als Spekulationsobjekt Schlagzeilen. Der (aktuelle) Eigentümer Consus Real Estate kündigt für das neue Jahr den Fortgang der Abrissarbeiten an: Bis Jahresmitte sollen die oberirdischen Gebäude (bis auf die denkmalgeschützten) abgebrochen sein, danach kommen offiziell die Keller dran.

Science City Bahrenfeld: Ein Stadtteil für die Wissenschaft

Dass davon abgesehen vor Ort viel geschehen wird, ist fraglich. Denn: Die Frist für das von Consus vorgelegte Vertragsangebot wurde auf Wunsch des Bezirksamts bis zum 31. Mai 2022 verlängert. Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) stellt klar: „Eine Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrags durch die Stadt erfolgt erst, wenn die öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs abgeschlossen ist und die Stellungnahmen ausgewertet wurden.“

Mit der Science City Bahrenfeld (2), die unter anderem auf dem Trabrennbahn-Gelände entstehen wird, soll ein ganzer Stadtteil der Wissenschaft gewidmet werden, zudem sind vor Ort 2500 Wohnungen geplant. Noch ist das meiste Zukunftsmusik – die Fertigstellung wird nicht vor 2030 angepeilt. Für die Trabrennbahn und die angrenzenden Bereiche wird es unter dem Arbeitstitel „Quartiere am Volkspark“ im Laufe des Jahres 2022 einen erneuten städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb geben.

Schulcampus Struenseestraße soll 2025 fertig sein

Beim Dauerbrenner Blankeneser Marktplatz (3) hat sich der für 2021 angekündigte Abriss des alten Markthauses verzögert. Diese Arbeiten sollen nun im Januar beginnen, anschließend folgt der Bau des neuen Hauses, was sich voraussichtlich bis Ende Oktober 2022 hinziehen wird.

Neben der Kirche St. Trinitatis entsteht das neue „Trinitatis Quartier“ (4). Es beinhaltet den Neubau von fünf Gebäudekörpern mit Tiefgarage, einem Gemeindesaal, das Pastorat, eine Pilgerherberge, Gastronomie/Café, Büro- und Verwaltungsnutzung, eine Kindertagesstätte und 33 „soziale“ Wohneinheiten. Die Genehmigung wurde im August 2019 erteilt. Derzeit erfolgen noch Änderungen in der Planung. Anvisiert ist weiterhin ein Baubeginn in 2022, die Präsentation erfolgt voraussichtlich schon im Januar. Beim Campus Struenseestraße (5) herrscht seit Monaten Stillstand. Auf Nachfrage gibt sich die Schulbehörde bedeckt: „Leider machen es die laufenden Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren schwierig, genauere Termine zu nennen“, hieß es auf Nachfrage, „für den Schulcampus wird aktuell von einer Fertigstellung in 2025 ausgegangen.“

Der geplante Bau eines Wohnheims für Auszubildende am Alsenplatz (6) im Auftrag der Haspa ist ein weiteres Projekt, gegen das es Widerstand in der Nachbarschaft gibt. Geplant sind 68 Apartments für insgesamt 140 Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht mehr als 235 Euro Grundmiete pro Person zahlen. Der Baustart ist nach Angaben der Haspa wohl im April 2022, die Fertigstellung ist für Februar 2023 geplant.

Was für den Verkehr in Altona geplant ist

Nach wie vor gehört die Magistralebebauung (7), also die Randbebauung der großen Verkehrsachsen mit Wohnungen, zu den wichtigsten Bauvorhaben. Dafür wird es im kommenden Jahr auch wieder diverse Einzelprojekte geben, zum Beispiel an der Osdorfer und Sülldorfer sowie der Luruper Hauptstraße. Die Überdeckelung der A 7 (8) ist eines der ehrgeizigsten und aufwendigsten Projekte in der neueren Stadtgeschichte. Nach wie vor gilt: Es soll im Jahr 2028 abgeschlossen werden.

Dafür werden Ende des dritten/Anfang des vierten Quartals 2022 die Fertigteile für die ersten drei Tunnelzellen unter Sperrung der A 7 aufgelegt, sodass im Anschluss der Fahrbahnaufbau und die Anbindung an das vorhandene Straßennetz folgen können. Ab dem vierten Quartal wird dann im Verlauf der Behringstraße, dem Osdorfer Weg und der Bahrenfelder Chaussee der Verkehr über die ersten drei Tunnelzellen geführt. Im Nachgang werden dann Ende 2022 die drei halbseitig verbliebenen Brücken innerhalb einer weiteren 79-Stunden-Vollsperrung der A 7 abgebrochen. Die detailgenaue Abstimmung soll Anfang 2022 abgeschlossen sein.

Der aufwendige Umbau der Elbchaussee (9) ist ein weiteres Großprojekt, das den Hamburger Westen stark prägt. Die koordinierten Bauarbeiten, an denen unter anderem auch Hamburg Wasser und Stromnetz Hamburg beteiligt sind, gehen auch 2022 weiter. Das ganze Jahr wird dabei auch weiterhin dem ersten Bauabschnitt gewidmet sein – also den Arbeiten zwischen der Parkstraße (Othmarschen) und der Manteuffelstraße (Blankenese).

Die Fernwärmeleitung unter der Elbe kommt 2022

Die Deutsche Bahn plant trotz vieler Proteste einen Neubau der Sternbrücke (10). Um Ideen für eine „kreative und identitätsstiftende“ Gestaltung des Entwurfs für den Neubau zu entwickeln, hat die DB im vergangenen September eine Kreativwerkstatt gestartet, die auch im neuen Jahr eingerichtet bleibt. Dabei geht es unter anderem um die Gestaltung von Elementen wie der Lärmschutzwand, der Unterseite der Brücke oder um die Entwicklung eines Beleuchtungskonzepts. Kürzlich beschloss die Bürgerschaft zudem, dass die Bahn unter anderem ein Büro für Freiraum- und Grünplanung bestimmen möge. In unmittelbarer Nähe der Sternbrücke soll zudem ein Kulturhaus entstehen, in dem die vom Umbau betroffenen Kultureinrichtungen eine neue Heimat finden können. Der Baustart ist erst für 2023 geplant.

Die (ebenfalls umstrittene) Fernwärmeleitung (11) unter der Elbe kann gebaut werden. Gegen den Planfeststellungsbeschluss seien keine Klagen eingegangen, der Beschluss sei damit rechtskräftig, teilte die Umweltbehörde vor Kurzem mit. Nun sollen die Bauvorbereitungen Ende Januar beginnen und die eigentlichen Bauarbeiten im März. Die 7,6 Kilometer lange Leitung soll von der Halbinsel Dradenau auf der südlichen Elbseite bis zum Weststrand der bestehenden Fernwärmetransportleitung in Bahrenfeld führen. Die Planungen für den Ausbau der Veloroute 1 werden weiter vorangetrieben, wobei das Bezirksamt weiterhin auf Bürgerbeteiligung zur Fortschreibung des bezirklichen Radverkehrskonzepts setzt.

Velorouten in Altona werden weiter ausgebaut

Im Veloroutenabschnitt Ottensen (12) werden diverse Einzelmaßnahmen fortgesetzt oder abgeschlossen, darunter sind Radfahrstreifen unter anderem in Bleickenallee, Keplerstraße, Arnoldstraße, Lobuschstraße und der Eulenstraße westlich der Rothestraße sowie Schutzstreifen in der Klausstraße und im östlichen Abschnitt der Eulenstraße. Im Frühjahr wird die Veloroutenmaßnahme an der Thadenstraße abgeschlossen sein, vom Grünen Jäger bis zur Holstenstraße gibt es dann eine Fahrradstraße.

Beim Veloroutenabschnitt Blankenese/Sülldorf (13) wird die Strecke zwischen den Straßen Am Sorgfeld und Eichengrund „qualifiziert“, wie es heißt. Konkret wird der Wartungsweg zwischen altem und neuem Friedhofsteil zu einen getrennten Rad- und Gehweg umgestaltet. Baubeginn ist im Frühsommer, die Arbeiten werden rund drei Monate dauern. Der Bereich soll außerdem gestalterisch aufgewertet werden.

Wann wird der neue S-Bahnhof Ottensen gebaut?

Das Projekt freiRaum Ottensen – Das autoarme Quartier (14) ist aus dem Pilotprojekt „Ottensen macht Platz“ entstanden, das zwischen September 2019 und Februar 2020 einige Straßen im Kern von Ottensen als verkehrsberuhigten Raum erprobt hat. Im Jahr 2021 wurden ein umfangreiches Beteiligungsverfahren sowie die Bestandsanalyse abgeschlossen, 2022 geht’s dann an die Erstellung des Verkehrskonzeptes. Bereits Anfang des Jahres werden Varianten für die Ausgestaltung des Verkehrskonzeptes erstellt und der Öffentlichkeit präsentiert – der Austausch dazu soll über den freiRaum-Ottensen-Beirat, den Verkehrsausschuss sowie mit Infoveranstaltung und anschließendem Workshop folgen. Mitte des Jahres soll dann die Bezirkspolitik die zukünftige Gestaltung beschließen.

Seit 2003 planen Hamburg und die Bahn den neuen S-Bahnhof Ottensen (15). Inzwischen ist klar: Der mehrmals verschobene Betriebsbeginn verschiebt sich auf den Dezember. Der Bau des Zugangsgebäudes Ost soll ab Ende Januar 2022 beginnen, der Bau der Personenüberführung West ab Februar 2022. Für die Arbeiten ist eine zeitweise Sperrung der S-Bahn zwischen Altona und Othmarschen notwendig. Die S-Bahn Hamburg wird „zeitnah“ über den Ersatzverkehr informieren.

Schienenersatzverkehr für Fahrgäste von und nach Diebsteich

Die Louise-Schroeder-Straße und das Nobistor (16) sind nach Angaben des Bezirksamts für die aktuelle Verkehrsbelastung deutlich überdimensioniert und zerschneiden den Grünzug Neu-Altona. Ziel der Planung ist es nun, „die Verkehrssituation, insbesondere für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern und den Grünzug zu stärken“. Dafür soll die Louise-Schroeder-Straße auf nur noch einen Fahrstreifen reduziert werden, der eine Baumallee erhält. Rund 70 Linden werden dort neu gepflanzt. Beginn dieser Arbeiten ist im Sommer. Der westliche Abschnitt der Straße Nobistor soll zurückgebaut werden und ist künftig nur noch durch Fußgänger und Radverkehr nutzbar. Baubeginn in der Louise-Schroeder-Straße ist im Sommer 2022.

Nach den Plänen der Bahn sollen die Fern- und Regionalzüge statt in Altona ab April 2027 am zwei Kilometer nördlich gelegenen S-Bahnhof Diebsteich (17) halten. Seit vergangenem Oktober laufen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik sowie Gleis- und Weichenarbeiten. Im zweiten Quartal kommenden Jahres beginnen die vorbereitenden Maßnahmen. Dazu gehört der Bau eines „Umfahrungsgleises“, das dann (voraussichtlich ab Sommer) für die Fahrten der S-Bahn genutzt wird. In diesem Zeitraum wird ein Schienenersatzverkehr für Fahrgäste von und nach Diebsteich eingerichtet. Die DB informiert zeitnah über die konkreten Ersatzmaßnahmen.

Die Pläne für Natur und Parks

Ein Projekt als schier unendliche Geschichte: Der in Teilen abgesackte und mittlerweile seit rund fünf Jahren gesperrte Otto-Schokoll-Höhenweg (18) in Rissen konnte auch im vergangenen Jahr nicht instand gesetzt werden. Das Bezirksamt wird 2022 eine Infoveranstaltung vor Ort durchführen. Parallel dazu werden Erkundungsbohrungen beauftragt und die Vergabe der Ausführungsplanung vorbereitet. Vorgesehen ist zudem eine Visualisierung des neuen Stegs.

Dazu werden vor Ort an den Stellen, wo später die Pfeiler stehen werden, Holzgerüste in T-Form aufgebaut. Auch für den Volkspark (19) gibt es Neuigkeiten: Die Laufstrecke um die große Spielwiese wird beleuchtet, und der Park bekommt auf Höhe Vorhornweg einen neuen Zugang. Der Weg, im Bebauungsplan Lurup 62 vorgegeben, verbindet den zukünftigen Technologiepark mit dem Volkspark und übernimmt in diesem Bereich bereits die Funktion des langfristig angedachten Rundweges.

Das passiert im Bereich Soziales

Der neue Spielplatz Op’n Hainholt (20) wurde noch kurz vor Jahresende fertiggestellt. Folgende Spielplätze werden im Rahmen von Beteiligungsplanungen grundüberholt, die Arbeiten in 2022 abgeschlossen: Bei der Osterkirche, Duschweg, Fischerspark, Glückstedter Weg, Immenbusch und Unzerstraße.

Ein Projekt, das 2022 zu einem guten Abschluss kommen soll, ist die Neunutzung des Florabunkers im Schanzenpark (21). Der Bezirk hatte den Bunker 2013 gekauft und Projektentwicklung, Realisierung und Verwaltung in die Treuhänderschaft der Steg übergeben. Die Bauarbeiten konnten im Herbst 2019 beginnen, die durch den Umbau entstehenden Räumlichkeiten sind für Vereine vorgesehen, die eigenständig den Innenausbau übernehmen. Die Ausbauarbeiten am Bunker sind grundsätzlich fertiggestellt. Der Innenausbau läuft und könnte bereits im Frühjahr 2022 abgeschlossen werden.

„Nachhaltigkeits-Chal­lenges in Altona“ finden wieder statt

Auch im Jahr 2022 will das Bezirksamt (22) die Altonaer Vielfaltswoche umsetzen sowie den Altonaer Solidaritätspreis an ausgewählte Projekte verleihen, die im Sinne der Altonaer Deklaration einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Die Vielfaltswoche wird Ende Oktober stattfinden. Auch die „Nachhaltigkeits-Chal­lenges in Altona – Zeit gemeinsam zu handeln!“ wird es wieder geben. Unter diesem Titel hatte es im vergangenen November 2021 im Bezirk eine digitale Bildungskonferenz gegeben. Der Beginn der neuen Challenges ist für die fünfte Kalenderwoche 2022 angepeilt.

Das ehrenamtlich getragene Sozialkaufhaus Cappello e. V. (23) war, verstärkt noch durch die zeitweise Schließung in Verbindung mit der Corona-Pandemie, in seiner Existenz bedroht. Schließlich war der Sozialverband Deutschland (SoVD) auf die Notlage aufmerksam geworden und hatte das Sozialkaufhaus im vergangenen Juni 2021 übernommen. Das Bezirksamt geht davon aus, dass das Sozialkaufhaus im kommenden Jahr mit seinen Einnahmen die Kosten decken werden kann.

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