Stadtentwicklung

Neue Quartiersstudie zeigt, wie Hamburger leben wollen

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Ulrich Gaßdorf
DC Development-Chef Lothar Schubert in der HafenCity.

DC Development-Chef Lothar Schubert in der HafenCity.

Foto: Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Befragte wünschen sich vor allem Gemeinschaft und Nahversorgung. So fielen die Antworten der Bewohner der Hansestadt aus.

Hamburg.  Was ist Menschen in ihrem Lebensumfeld wichtig? Mit dieser Frage hat sich der Hamburger Projektentwickler DC Developments in seiner aktuellen Quartierstudie beschäftigt. Dafür wurden 10.000 Menschen im gesamten Bundesgebiet befragt. Lothar Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments, fasst das Ergebnis so zusammen: „Die 15-Minuten-Stadt wird zur Basis der Urbanität. Faktoren wie Naturerlebnisse, nachbarschaftlicher Zusammenhalt und Fußläufigkeit werden immer wichtiger für Städte und sind es auch für uns Quartiersentwickler. All diese Eigenschaften werden Dörfern selbstverständlich zugeschrieben.“

Diese Rückbesinnung sorge dafür, dass die Urbanisierung von morgen ohne eine moderne Form der Verdorfung nicht mehr denkbar sei. Was das bedeutet? „Der Begriff Verdorfung meint einerseits das Comeback der lokalen Verbundenheit, die für viele Menschen insbesondere während der Lockdown-Phasen von großer Bedeutung war. Zugleich beschreibt dieser das Vorhaben, dorfähnliche Strukturen mit Quartiersentwicklungen gezielt hervorzubringen.“

Stadtentwicklung: Wie Hamburger laut neuer Studie leben möchten

Dem Abendblatt liegen auch die Ergebnisse der Studie der Hamburger Befragten vor. Auf die Frage, was ihnen neben der Lage in ihrer Nachbarschaft noch wichtig ist, war die Top-Antwort mit 41,6 Prozent ein „Gemeinschaftsgefühl/Netzwerk“, gefolgt von „Bewohner verschiedener Altersklassen“ mit 38,8 Prozent sowie „Kinderfreundlichkeit“ mit 34,2 Prozent.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Menschen nicht mehr anonym leben möchten, sondern Interesse an ihrer Nachbarschaft haben. Bei unserem neuen Projekt im südlichen Überseequartier mit mehr als 300 Wohnungen werden wir zum Beispiel eine App für alle Bewohner anbieten, damit sie sich untereinander vernetzen können – und um sich auch auf den Gemeinschaftsflächen wie das Club House oder den Yogaraum zu organisieren“, sagt Lothar Schubert.

Nahversorgung liegt klar auf dem ersten Platz

Auf die Frage, durch was sich eine kinderfreundliche Umgebung besonders auszeichnet, standen bei den Hanseaten Spielplätze und Parks mit 58,1 Prozent an erster Stelle, gefolgt von genügend Angeboten der Kinderbetreuung (47,1 Prozent). 38,9 Prozent der Befragten wünschen sich eine sichere Infrastruktur, zum Beispiel durch Spielstraßen.

In der Studie wird auch danach gefragt, welche Aspekte bei der Lage des Wohnortes wichtig sind. Den Befragten werden acht verschiedene Punkte genannt. Und mit 77,1 Prozent landet die Nahversorgung, zum Beispiel durch Supermärkte, klar auf dem ersten Platz. „Wenn ich den Supermarkt, die Apotheke und die Bank zu Fuß erreichen kann, bin ich nicht dazu gezwungen, mein Dorf zu verlassen, in der Folge rücken die Menschen näher zusammen“, sagt Schubert.

Nach der Nahversorgung landet die Naherholung (65,4 Prozent) auf dem zweiten Platz, gefolgt von ausreichenden Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs (65,2 Prozent). Interessant ist allerdings, dass auf die Frage „Wie bewegen Sie sich in Ihrem Alltag am meisten fort?“ die Antwort der Hamburger „mit dem Auto“ mit 48,2 Prozent auf dem ersten Platz landet, gefolgt von 41,7 Prozent „zu Fuß“. Nur 26,7 Prozent nennen den öffentlichen Nahverkehr.

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