Corona Hamburg

Regeln wieder verschärft: Das gilt jetzt für Vorschulkinder

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Auch die Kinder der Vorschulklassen müssen Mund-Nasen-Masken tragen.

Auch die Kinder der Vorschulklassen müssen Mund-Nasen-Masken tragen.

Foto: picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke

Auch für Kinder wurden neue Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung festgelegt. Außerdem: Clubbetreiber klagen weiter über Gästeschwund.

Hamburg. Die Corona-Regeln an Schulen werden noch einmal verschärft. Vom kommenden Montag, dem 13. Dezember, an müssen auch alle Jungen und Mädchen der 487 Vorschulklassen Mund-Nase-Masken im Unterricht tragen. Betroffen sind 10.041 Vorschüler und -schülerinnen an den staatlichen Schulen. Die Regelung gilt aber auch für die privaten Schulen.

Die Maßnahme ist Folge der Bund-Länder-Beschlüsse zur Bewältigung der Corona-Pandemie vom Donnerstag der vergangenen Woche. „In den Schulen gilt eine Maskenpflicht für alle Klassenstufen“, heißt es in dem Beschluss eindeutig. Nach Informationen des Abendblatts bereitet die Schulbehörde eine Änderung des Muster-Corona-Hygieneplans für die Schulen derzeit vor.

Corona in Hamburg: Maskenpflicht bei schulischen Ausflügen

Bislang waren die Vorschulkinder den Kita-Kindern im Hinblick auf die Pandemie gleichgestellt und mussten keine Masken tragen. Viele Eltern und vor allem auch die Lehrkräfte an den Vorschulen hatten sich immer wieder für die Einführung der Maskenpflicht eingesetzt. In vielen Klassen tragen die Schülerinnen und Schüler bereits freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz. Wie in den Grundschulklassen auch soll für die Vorschüler eine regelmäßige Schnelltestpflicht eingeführt werden.

Zudem gilt von der kommenden Woche an bei schulischen Ausflügen eine Maskenpflicht in Innenräumen. Das schließt Besuche von Theater- oder Opernaufführungen sowie Museen ein. Wie berichtet, hatten Eltern kritisiert, dass zum Teil Schüler Weihnachtsmärchen verfolgen, ohne Masken tragen zu müssen. Die Schulbehörde bereitet nach Abendblatt-Informationen eine kurzfristige Information über die Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse vor.

Corona-Regeln versetzen Bars in Angst

Unterdessen machen die seit dem Wochenende geltenden schärferen Corona-Regeln Musikclub-Betreibern schwer zu schaffen. „Insbesondere bei 2G-Plus-Veranstaltungen ist ein fortwährender Einbruch bei den Gästezahlen zu verzeichnen“, sagte der Geschäftsführer des Clubkombinats, Thore Debor, der Deutschen Presse-Agentur. Es mangele augenscheinlich an Test-Kapazitäten und Besuchervertrauen. Im Clubkombinat sind 184 Mitglieder organisiert, darunter 110 Musikspielstätten, 55 Veranstalter und 6 Festivals.

„Viele Konzerte und Tourneen sind reihenweise abgesagt und das Veranstaltungsjahr 2021 nahezu vorzeitig gelaufen“, sagte Debor. Die ersten Musikclubs stellten ihr Programm unter diesen Rahmenbedingungen inzwischen eigenständig ein und riskierten damit erneut einen Aderlass beim Personal. „Die Clubszene steht somit erneut vor einer ungewissen Zukunft.“ Seit Sonnabend gelten in Clubs und allen anderen Lokalen, in denen getanzt wird, 2G-Plus-Regeln. Das heißt: Nur Geimpfte oder Genesene kommen rein und müssen zusätzlich einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen.

Maskenpflicht auch bei 2G

Als weitere Verschärfung gilt auch unter 2G-Bedingungen wieder eine Maskenpflicht. Immer dort, wo es möglich ist – etwa im Theater oder bei Konzerten –, muss auch am Platz wieder eine medizinische Maske getragen werden. Debor sagte unter Hinweis auf eine Befragung der Clubkombinatsmitglieder, dass etliche Musikclubs von sich aus schon die 2G-Plus-Regel eingeführt hätten. Die kurzfristig noch hinzugekommene Maskenpflicht für 2G-Veranstaltungen ohne Tanz habe jedoch vielfach für Fragen und Verwirrung bei Veranstaltern und Kontrollstellen geführt.

Im Zusammenhang mit der Pandemie gebe es aktuell beim Verwaltungsgericht fünf offene Eil- und 100 offene Klageverfahren, sagte ein Sprecher des Gerichts mit Blick auf Zahlen vom Freitag. Beim Hamburgischen Oberverwaltungsgericht seien gegenwärtig zwei Beschwerdeverfahren zu Eilentscheidungen des Verwaltungsgerichts anhängig. Von März bis Dezember 2020 waren insgesamt 162 Eilverfahren und 46 Klageverfahren beim Verwaltungsgericht eingegangen. Im Jahr 2021 sind es bisher 229 Eilverfahren und 105 Klageverfahren.

2G auch an der Universität Hamburg

Einen großen Anstieg verzeichnen laut Sprecher die Fälle, in denen es um die Rückforderung von Corona-Soforthilfe geht. In den Eilverfahren seien in der zweiten Jahreshälfte vor allem die Quarantänepflicht nach einer Urlaubsrückkehr aus Risikogebieten, die Masken- und Testpflicht in Schulen, die Anwendung des 2G-Modells und das Tanzverbot auf Hochzeitsfeiern zum Streitgegenstand geworden.

An Lehrveranstaltungen der Universität Hamburg dürfen seit Montag nur noch Geimpfte und Genesene teilnehmen. Damit folge die Hochschule der Corona-Eindämmungsverordnung der Stadt Hamburg, teilte eine Sprecherin der Universität mit. Der Zugang zu den Gebäuden beziehungsweise den Lehrveranstaltungen in Präsenz werde kon­trolliert. Ungeimpften soll bei Bedarf ein Ersatzangebot gemacht werden. Den Dozenten sei nach wie vor selbst überlassen, ob sie ihre Veranstaltungen in Präsenz, digital oder hybrid umsetzen wollen, hieß es.

Corona-Inzidenz in Hamburg: 245,5

Lehrveranstaltungen mit praktischen Anteilen, wie etwa Labortätigkeiten, können den Angaben zufolge vorerst weiter unter 3G-Vorgaben stattfinden – also geimpft, genesen oder frisch negativ getestet. Die Universität Hamburg zählt mit ihren derzeit fast 45.000 Studenten und rund 14.800 Beschäftigten – darunter 673 Professorinnen und Professoren – zu den größten Hochschulen Deutschlands.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Hamburg ist erneut gestiegen. Die Gesundheitsbehörde gab die Zahl pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche am Montag mit 245,5 an. Am Sonntag hatte der Wert 237,5 betragen, vor einer Woche 233,7. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug laut Robert-Koch-Institut (RKI) 441,9. Die Gesundheitsbehörde meldete am Montag für Hamburg 420 neue Fälle. Das sind zwar 151 Fälle weniger als am Sonntag, aber auch 151 Fälle mehr als vor einer Woche.

70 Corona-Patienten auf Intensivstationen

Seit Februar 2020 haben sich in der Hansestadt damit mindestens 118.548 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. 102.800 davon gelten nach RKI-Schätzungen als genesen. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus in Hamburg gestorben sind, gab das Institut unverändert mit 1903 an.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Auf den Intensivstationen der Hamburger Krankenhäuser wurden am Montagvormittag laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 70 Covid-19-Patienten behandelt, von denen 52 invasiv beatmet werden mussten – einer weniger beziehungsweise vier mehr als am Vortag. Darunter sind auch sechs schwer erkrankte Patienten aus Bayern, die zur Entlastung der dortigen Krankenhäuser nach Hamburg verlegt worden sind.

Corona in Hamburg: 77,3 Prozent geimpft

Die Gesundheitsbehörde hatte die Gesamtzahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken der Hansestadt zuletzt am Freitag mit 226 angegeben. Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Krankenhäusern aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner und Woche, stieg laut RKI in Hamburg auf 3,08. Am Freitag hatte sie bei 1,67 gelegen. Bundesweit betrug der Wert am Montag 5,32. Die Hospitalisierungsinzidenz spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 können die Bundesländer jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängen.

77,3 Prozent aller Hamburgerinnen und Hamburger sind nach Angaben des RKI Stand Sonntag mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft – als vollständig geimpft gelten 75,0 Prozent. 265.158 Hamburgerinnen und Hamburger haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten, was einer Quote von 14,3 Prozent entspricht. Bei den Quoten der erst- und vollständig Geimpften belegt Hamburg unter den Bundesländern weiterhin Platz drei hinter Bremen und dem Saarland. Bei den Booster-Impfungen liegt die Hansestadt dagegen unter dem Durchschnitt der 16 Bundesländer von 16,7 Prozent.

( pum/lno )

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