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Vor Einschränkungen für Ungeimpfte: Erstimpfungen nehmen zu

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dpa
Melanie Leonhard (SPD), Gesundsheitssenatorin, spricht während einer Pressekonferenz zur Corona-Lage.

Melanie Leonhard (SPD), Gesundsheitssenatorin, spricht während einer Pressekonferenz zur Corona-Lage.

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Die bevorstehenden Einschränkungen für Ungeimpfte im Hamburger Einzelhandel zeigen offenbar Wirkung: Das Interesse an Erstimpfungen steigt. Ärger gibt es mit den Schnelltests.

Hamburg. In Hamburg treten an diesem Samstag zur Eindämmung der Corona-Pandemie schwere Einschränkungen für Ungeimpfte in Kraft. Wohl auch deshalb sei bereits in den vergangenen Tagen die Zahl der Erstimpfungen deutlich gestiegen, sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Freitag. Viele dieser jungen Menschen, die jetzt doch für eine Impfung anstünden, seien keine "richtigen Impfgegner". "Ich nenne es mal Menschen, die lässlich waren mit dem Thema." Jetzt, wo es durch die neuen 2G- und 2G-plus-Regelungen "prekär wird, wo sie merken, jetzt behindert sie das im Alltag doch deutlich", kämen sie zur Impfung. "Da stehen gar keine Gesundheitsthemen im Vordergrund."

Ab Samstag sind in Hamburg Ungeimpfte vom Einzelhandel ausgeschlossen. Nur noch Läden zur Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien oder Apotheken, dürfen sie noch bedienen. Ansonsten gilt 2G: Zugang nur für Geimpfte und Genesene. In Bars, Clubs und sonstigen Lokalen, wo getanzt wird, gilt 2G plus: Neben einem Impf- oder Genesenen-Nachweis muss auch ein aktueller negativer Corona-Test vorgelegt werden.

Doch ausgerechnet jetzt stockt in Hamburg die Schnelltestkampagne. "Es gibt gegenwärtig - und zwar bundesweit - einen Lieferengpass was Testkits betrifft", sagte Leonhard. "Wir haben eine Reihe von Testangeboten, die noch nicht mit der vollen Kapazität oder noch gar nicht an den Start gehen konnten." Ihre Behörde wolle nun "sondieren, ob wir über andere Bestellwege, zum Beispiel den Bund, Testkits beschaffen können, die unter medizinischer Aufsicht angewendet werden dürfen."

Darüber hinaus würden in allen Bezirken über die zuständigen Gesundheitsämter Testzentren beauftragt, "die dann immer Schritt für Schritt an den Markt gehen, sobald sie sowohl Personal wie auch die entsprechenden Testkits zusammenhaben", sagte die SPD-Politikerin. Grundsätzlich sollte es von den Kapazitäten her aber möglich sein, sich am Samstag oder Sonntag testen zu lassen, "wenn man abends noch weg will".

Die Senatorin äußerte sich zuversichtlich, dass durch vermehrte Impfstofflieferungen des Bundes das Impftempo in Hamburg steigen werde. Derzeit ist man von dem Ziel, 160.000 Impfungen pro Wochen zu verabreichen, deutlich entfernt. 87.000 waren es den Angaben zufolge in der vergangenen Woche.

Einen Haken konnte die Behörde hinter die Booster-Kampagne für die Bewohnerinnen und Bewohner der Hamburger Pflegeeinrichtungen machen. Bis Freitag habe man auch in den letzten Einrichtungen und damit flächendeckend Auffrischungsimpfungen angeboten, sagte Behördensprecher Martin Helfrich. "80 Prozent der Pflegeheimbewohner, die eine Corona-Schutzimpfung bekommen haben, sind auch mit einer Auffrischungsimpfung versorgt."

Weitere würden folgen. Bei Einzelnen, deren Zweitimpfung noch keine sechs Monate zurückliege, erfolge die dritte Impfung in Kürze. Bei den Beschäftigten liege die Quote nach Betreiberangaben bei 83 Prozent; davon habe knapp die Hälfte bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Unterdessen sank die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen weiter. Die Gesundheitsbehörde gab die Zahl pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche am Freitag mit 238,5 an. Am Donnerstag hatte der Wert 245,0 betragen, vor einer Woche 252,1. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug laut Robert Koch-Institut (RKI) 442,1.

Die Behörde meldete am Freitag für Hamburg 707 neue Ansteckungen. Das sind 184 weniger als am Donnerstag und 123 weniger als vor einer Woche. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus in Hamburg gestorben sind, stieg laut RKI um 1 auf 1898.

Auf den Intensivstationen der Hamburger Krankenhäuser wurden am Freitagvormittag (Stand 11.15 Uhr) laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 65 Covid-19-Patienten behandelt, von denen 43 invasiv beatmet werden mussten - 2 beziehungsweise 5 mehr als am Vortag. Damit sind 13,9 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Die Gesundheitsbehörde gab die Gesamtzahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken der Hansestadt mit Stand Donnerstag mit 223 an, davon 66 auf Intensivstationen.

Die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der in Krankenhäusern aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner und Woche, stieg laut RKI in Hamburg deutlich von 0,92 auf 1,67. Bundesweit betrug sie 5,52, nach 5,47 am Donnerstag.

© dpa-infocom, dpa:211203-99-243511/4

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