Hamburg

Wo sich Nachbarn in die Karten gucken können

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Friederike Ulrich
Jörg Teepe lebt und arbeitet in Klein Borstel. Hier ist er in seiner Ideenschmiede unterm Dach.

Jörg Teepe lebt und arbeitet in Klein Borstel. Hier ist er in seiner Ideenschmiede unterm Dach.

Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Schlägt Blankenese Billstedt? Hat Osdorf im Vergleich mit Harvestehude die Nase vorn? Das Stadtteilquartett verrät's

Hamburg.  Der Hamburger Spieleentwickler Jörg Teepe hat ein neues Projekt begonnen. Nachdem er seine Karriere 2002 mit Teamquartetten deutscher Fußballclubs begann (und nach wie vor jedes Jahr für 20 Vereine ein neues Spiel herausbringt), brachte er 2016 die ersten Hamburger Stadtteilquartette in den Handel. Mittlerweile ist dieses Projekt, in dem rund 100 Stadtteile hinsichtlich Einwohnerzahl, Fläche, Zahl der Brücken, Wohnungsgröße, Jugendquote sowie Kindergärten und Grundschule verglichen werden können, abgeschlossen.

Nun können sich auch Nachbarn miteinander messen: Mit „Eppendorf“, „Eimsbüttel“ und „Winterhude“ hat Teepe die ersten drei neuen Quartette herausgebracht, in denen jeweils 32 Straßen der Stadtteile verglichen werden. Kategorien sind höchste Hausnummer, Länge, Geschäfte, Gastronomien, Bäume und Jahr der Benennung. Dabei erfährt man allerlei über sein Viertel. In Winterhude etwa haben zwar die Sierichstraße und die Barmbeker Straße mit jeweils 191 gleichhohe Hausnummern – die Barmbeker Straße übertrifft ihre Konkurrentin mit 2065 Metern aber um 50 Meter. Und am Baumkamp wachsen zwar 69 Bäume, am fünf Meter kürzeren Lattenkamp aber 78.

Hamburg: Stadtteilquartette zum in die Karten gucken

Die Straßenlänge ist also nur ein Kriterium. Geht es aber um die Anzahl der Geschäfte und der Gastronomie, kann auch eine kürzere Straße eine längere überholen. In Eppendorf zum Beispiel die 660 Meter lange Hegestraße, die auf dieser Strecke 33 Gastronomien bietet, die Eppendorfer Landstraße mit einer Länge von 1450 Metern aber nur 30 Gastronomien. Bei einem Blick ins Eimsbüttel-Quartett erfährt man, dass die Weidenallee und die Schäferkampsallee ihre nach alten Zeiten klingenden Namen nicht ohne Grund tragen: Sie wurden im Jahr 1858 benannt und sind damit von den 32 Karten im Spiel die ältesten. Die jüngste ist die Hartwig-Hesse-Straße, die ihren jetzigen Namen 1948 erhielt.

Ebenso wie die Angaben zur Länge einer Straße habe er auch die Jahre ihrer Benennung bei Wikipedia gefunden, so Teepe (60). Die Zahl der Bäume habe er dem Hamburger Straßenbaum-Kataster entnommen. Für die Recherche dieser Informationen benötige er pro Quartett zwei Wochen. Das aber ist die reine Schreibtischarbeit. „Danach brauche ich zwei weitere Wochen, um mit dem Fahrrad oder meinem Elektroauto die Straßen abzufahren, die Geschäfte und Gastronomien zu zählen und Fotos zu machen“, so der Klein Borsteler.

Stadtteilquartette sind noch persönlicher

„Bei Straßen mit vielen Läden zähle ich erst mal die rechte Seite und fahre anschließend noch einmal für die andere Seite durch.“ Im Fall der Hegestraße ist es dabei zu Ungenauigkeiten gekommen, wie dem Abendball auffiel. Dort gibt es deutlich mehr als die acht auf der Karte angegebenen Geschäfte. Wie es dazu kam, kann sich der Spieleentwickler momentan nicht erklären. Doch er verspricht: „Ich werde nächstes Jahr neu zählen und die Angaben aktualisieren.“

Die Idee zu den Stadtteilquartetten kam ihm, weil sich schon die Hamburg-Quartette gut verkauft hatten. „Straßen sind noch persönlicher als Stadtteile; die Menschen leben dort und identifizieren sich damit.“

Teepe, der sein Geld schon als Musiker, Tennislehrer, Grafiker, Fotograf und Webdesigner verdient hat und Gitarre in einer Rockband, Tennis, Fußball, Dart und Golf spielt, will im kommenden Jahr Quartette zu Poppenbüttel, Niendorf, Ottensen, St. Pauli, Barmbek-Nord und Harburg herausbringen.

Abendblatt-Leser können „mitspielen“

Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern und Sie als „Mitspieler“ zu gewinnen, hat sich Jörg Teepe eine Aktion für Abendblatt-Leser und -Leserinnen ausgedacht: Sollten Sie ein schönes Foto Ihrer Straße besitzen oder machen wollen, können Sie es an foto@teepe.de senden. „Jedes Straßenfoto, das wir anschließend verwenden, wird mit fünf Quartetten honoriert“, verspricht der Spieleentwickler.

Zu kaufen gibt es die Kartenspiele für 5,99 Euro im Spielwaren-Einzelhandel (etwa bei Die Spielwerkstatt), in Papeterien (wie Carl Dames) und Buchläden (beispielsweise den Heymann-Filialen). Daneben sind von Teepe weitere Hamburg-Artikel wie ein Memo, ein Würfelbecher und ein Würfelspiel im Handel erhältlich.

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