Corona Hamburg

Hamburger Ärzte sollen im Advent auch sonnabends impfen

| Lesedauer: 10 Minuten
Elisabeth Jessen
Impfaktionen wie hier in der Elbphilharmonie sorgen für große Nachfrage.

Impfaktionen wie hier in der Elbphilharmonie sorgen für große Nachfrage.

Foto: Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Zahl der Immunisierungen steigt an – das Ziel von 160.000 pro Woche ist aber noch fern. Jetzt wird zum Advents-Impfen aufgerufen.

Hamburg.  Die Bemühungen der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVHH), in den Hamburger Arztpraxen verlässlich Tag 10.000 Impfungen pro Tag abzuarbeiten, scheinen erste Erfolge zu zeigen. Am Mittwoch wurden in 383 Arztpraxen im gesamten Stadtgebiet 12.960 Erst-, Zweit- und Drittimpfungen verabreicht. Am Tag davor waren es 9248 gewesen.

Auch bei den städtischen Impfangeboten gab es wieder regen Zulauf. Nach Angaben von Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde, wurden am Mittwoch rund 1500 Erst-, 300 Zweit- und 1600 Auffrischungsimpfungen durchgeführt, zusammen mit denen bei niedergelassenen Ärzten waren es demnach 16.360 Immunisierungen und damit laut Gesundheitsbehörde mehr als an den besten Tagen im Impfzentrum. Nicht enthalten sind in den aktuellen Zahlen laut Helfrich die möglicherweise durch Betriebsärzte verabreichten Spritzen. Am Tag davor waren es insgesamt nur 12.248, davon 3000 bei städtischen Angeboten.

Corona Hamburg: Ärzte impfen auch am Wochenende

Ziel der Sozialbehörde sind 160.000 Impfungen pro Woche. Diese Zahl hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) als Maßgabe genannt. Doch bis diese Zahl erreicht wird, scheint es noch ein längerer Weg. Wohl auch deshalb ruft die KVHH die Hamburger Ärzteschaft zur Aktion „Advents-Impfen“ auf und hofft auf rege Beteiligung der Mediziner. Hamburger Arztpraxen sollen an den Adventssonnabenden außer der Reihe ihre Türen für Impfungen öffnen.

„Doch Weihnachten steht vor der Tür, und mit dem 1. Advent beginnt nicht nur eine Zeit der Vorfreude, sondern auch der Hoffnung und der Zuversicht. Lassen Sie uns gemeinsam vorweihnachtliche Zuversicht verbreiten und machen Sie mit beim ,Advents-Impfen‘“, heißt es auf der KVHH-Internetseite. Termine soll es an allen Adventssonnabenden geben. „Wenn Sie an einem oder allen dieser Sonnabende Impfungen anbieten wollen, dann bitten wir Sie, dies in unser Online-Portal einzutragen.“ Die Daten könnten die Ärzte unkompliziert hinterlegen. „Wir hoffen auf viele Teilnehmende, damit wir zusammen darauf hinarbeiten, dieses Jahr ein besinnliches Weihnachtsfest zu feiern“, heißt es.

Adventsimpfen: Teilweise offen oder mit Termin

Bislang ist der Erfolg für den ersten Adventssonnabend aber noch überschaubar. Nur in Eppendorf, Sasel und Bahrenfeld gibt es derzeit Angebote für den 27. November. An den kommenden Wochenenden sieht es schon besser aus. Teilweise sind es offene Angebote, teilweise werden auch feste Termine mit Anmeldung (per Mail oder telefonisch) vergeben. Die unterschiedlichen Termine sind je nach Sonnabend aufgeteilt, auch die entsprechenden Stadtteile aufgeführt, in denen die Praxen liegen, sind einzeln aufgeführt.

Die KVHH weist darauf hin, die Impfwilligen sollten beachten, dass zwischen der Abschlussimpfung und der Boosterimpfung sechs Monate liegen müssen. Ausnahme: Wer eine Einmalimpfung mit Johnson & Johnson erhalten hat, kann bereits nach vier Wochen eine Auffrischungsimpfung bekommen. Zudem werden Impfungen mit Moderna gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur an Personen ab 30 Jahren verabreicht. Weitere Informationen zu der Aktion gibt es unter https://www.kvhh.net.

Gibt es in Hamburg ausreichend Impfstoff?

An Impfstoff mangelt es in Hamburg nicht – jedenfalls sind das die offiziellen Aussagen. „Für die städtischen Angebote bestellen wir entsprechend der geplanten und absehbaren Nachfrage, und die Lieferungen erfolgen entsprechend“, sagt Martin Helfrich von der Gesundheitsbehörde. Anders als im Frühjahr ist es nicht mehr so, dass die Stadt ein zen­trales Lager betreibt, in dem Impfstoff vorgehalten und verteilt wird. Arztpraxen, Impfzentren oder Betriebsmediziner bestellen direkt beim pharmazeutischen Großhandel.

Auch in den Praxen sei genügend Impfstoff vorhanden, so die KVHH. „Nach Mitteilung des Bundesgesundheitsministers sind die Lager ausreichend gefüllt – wenn auch nicht mit dem Impfstoff von Biontech“, so Walter Plassmann, Vorstandschef der KVHH. Hausärzte hätten zudem keinen Mangel beklagt. Auf ihrer Internetseite informiert die KVHH: „Der Impfstoff Spikevax (Moderna) ist laut Stiko gleichermaßen für Auffrischimpfungen geeignet wie Comirnaty (Biontech) und zudem unbegrenzt bestellbar.“

Corona Hamburg: Inzidenz bei Geimpften viel niedriger

Eine Abendblatt-Leserin berichtet anderes: So wurde ihr Termin für eine Impfung in einer Praxis an der Weidenallee für Sonntag mit der Begründung abgesagt, man bekomme nicht genug Impfstoff. Als sie sich bei ihrer Frauenarztpraxis erkundigte, teilte man ihr mit, man bekommt nur die Hälfte des bestellten Impfstoffs.

Bei vielen Geimpften wächst die Sorge, sich angesichts der hohen Infektionszahlen doch noch anzustecken. Dabei ist der Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz interessant. Sie liegt bei den Ungeimpften bei 715,5, bei den Geimpften bei nur 32,2. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus in Hamburg gestorben sind, stieg nach RKI-Angaben um sechs auf 1882.

In den Hamburger Kliniken wurden mit Stand vom Mittwoch 211 Covid-Patienten behandelt, sechs mehr als tags zuvor. Auf Intensivstationen lagen 47 Corona-Kranke – drei weniger als am Tag zuvor. 75,9 Prozent der Menschen in Hamburg sind laut RKI (Stand Donnerstag) mindestens einmal geimpft, 73,9 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz, 8,24 Prozent haben bereits eine Auffrischung bekommen. Damit rangiert Hamburg beim Impftempo hinter Bremen und Saarland weiter auf Platz drei.

Wenn die Impfpflicht für medizinisches Personal kommt

Das Thema Impfung spielt auch bei den Mitarbeitern der Hamburger Krankenhäusern eine wichtige Rolle. Denn wenn die Impfpflicht für medizinisches Personal kommt, stehen die Kliniken vor einer weiteren großen Herausforderung. Jeder Mitarbeiter ist in diesen Zeiten enorm wichtig. Aber wie sieht es um die Impfwilligkeit der Beschäftigten aktuell aus? Das Abendblatt hat nachgefragt.

Bei den 15.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Asklepios in ganz Hamburg gibt es nach Angaben von Konzernsprecher Rune Hoffmann, keine gesicherte Zahl, wer genesen oder geimpft ist, da es ja bisher keine Grundlage zur Abfrage des Impfstatus gab. „Auf Basis unserer durchgeführten Impfungen unserer Beschäftigten gehen wir aber davon aus, dass wir inzwischen eine nahezu vollständige Durchimpfung unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, insbesondere in den sensiblen Bereich der Kliniken, erreicht haben.Wir haben frühzeitig – bereits im Dezember 2020 – mit der Impfung unserer Belegschaft begonnen und allen Mitarbeiter:innen ein Impfangebot gemacht.“

UKE: „Impfbereitschaft ist in den klinischen Bereichen sehr gut“

Parallel hätten sich die Beschäftigten aber auch in den offiziellen Impfzentren und bei ihren Hausärzten impfen lassen. Wenn eine gesetzliche Impfpflicht für medizinisches Personal eingeführt werde, gehe er davon aus, dass auch die letzten noch fehlenden Kollegen und Kolleginnen sich impfen lassen werden. Mit Kündigungen rechnet Hoffmann nicht: „Auch bislang können wir das nicht beobachten. Unsere Fluktuation bewegt sich auf demselben Niveau wie vor der Pandemie.“

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat mehr als 14.100 Mitarbeitende. UKE-Sprecherin Saskia Lemm sagt: „Wir appellieren an jeden Mitarbeitenden, sich und andere durch eine Impfung zu schützen. Rund 75 Prozent haben sich bislang in der Impfaußenstelle des UKE impfen lassen.“ Dazu kämen jene, die sich bei ihrem Haus- oder Facharzt oder in einem Impfzen­trum haben impfen lassen, aber auch jene, die an Covid-19 erkrankt waren und sich bisher nicht impfen lassen konnten, sowie Mitarbeitende, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen dürfen. Lemm betont: „Die Impfbereitschaft ist unserer Wahrnehmung nach insbesondere in den klinischen Bereichen sehr gut. Auch bei den von unserem Betriebsärztlichen Dienst angebotenen Auffrischungsimpfungen sehen wir eine große Nachfrage.“

Agaplesion Krankenhäuser: 90 Prozent des Personals geimpft

Matthias Gerwien, Sprecher des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg und des Agaplesion Bethesda Krankenhauses Bergedorf mit etwa 1000 bzw. 900 Mitarbeitern, sagte, man ermittle gerade aufgrund des neuen Infektionsschutzgesetzes detailliert: „Da wir aber den Großteil selbst geimpft haben, wissen wir, dass wir in beiden Häusern sicher bei über 90 Prozent liegen.“ Wie will man mit Mitarbeitern umgehen, die sich partout nicht impfen lassen wollen?

„Wir hoffen, dass wir alle überzeugen können. Alles andere ist derzeit noch offen, weil unter anderem eine Impfpflicht für Krankenhaus-Mitarbeiter und -mitarbeiterinnen gänzlich neue rechtliche Rahmenbedingungen schaffen würde. Davon hängt dann entscheidend ab, was zu tun ist.“ Hält er Kündigungen von Impfverweigerern für möglich: „Nein. Wir rechnen damit, dass sich alle rechtzeitig impfen lassen. Aber das sind individuelle Entscheidungen, die wir nicht vorhersagen können.“

Ungewiss: Kündigen Mitarbeiter wenn die Impfpflicht kommt?

Auch bei der Immanuel Albertinen Diakonie will man bald Daten der 2200 Beschäftigten sammeln: Sprecher Fabian Peterson sagt: „Eine regelhafte Erhebung des Impfstatus der Mitarbeitenden wird erst durch die aktuelle Änderung des Infektionsschutzgesetzes möglich. Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist aber der weitaus größte Teil unserer Mitarbeitenden geimpft.“ Zum jetzigen Zeitpunkt sei aber nicht bekannt, welche Sanktionen und Auflagen der Gesetzgeber für Mitarbeitende vorsehen würde, die einer möglicherweise kommenden gesetzlichen Impfpflicht für medizinisches Personal nicht nachkämen. „Das macht auch eine Prognose, ob und wie viel ungeimpfte Mitarbeitende möglicherweise kündigen würden, sehr schwierig.“

Im Israelitischen Krankenhaus sind nach Angaben von Kliniksprecherin Frauke Jacobs von etwa 500 Mitarbeitern 96 Prozent geimpft. Wer sich partout nicht impfen lassen wolle, müsse sich weiter täglich vor Dienstaufnahme testen, man werde die gesetzliche Regelung abwarten. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen etwa mit der Impfpflicht bei Masern rechne man nicht mit Kündigungen, sagte Jacobs.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg