Corona Hamburg

Montgomery fordert Impfpflicht für Pfleger und Lehrer

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Andreas Dey
Der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery spricht sich für eine Ausdehnung der 2G-Regel aus (Archivbild).

Der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery spricht sich für eine Ausdehnung der 2G-Regel aus (Archivbild).

Foto: Reto Klar/FUNKE Foto Services

Weltärzte-Präsident befürwortet 2G: „Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, müssen auch die Folgen tragen."

Hamburg. Mit seiner drastischen Formulierung, dass wir derzeit eine „Tyrannei der Ungeimpften“ erleben, hatte Prof. Frank Ulrich Montgomery jüngst eine bundesweite Debatte losgetreten. Folgerichtig plädiert der Vorsitzende des Weltärztebunds und Ehren-Präsident der Ärztekammer Hamburg jetzt auch für eine Impfpflicht – zumindest für bestimmte Berufsgruppen.

„Wir brauchen eine Impfpflicht für Gruppen, die eine besondere Garantenstellung gegenüber den ihnen anvertrauten Menschen haben, etwa Mitarbeiter im medizinischen und im Altenpflegebereich“, sagte Montgomery im Gespräch mit dem Abendblatt. „Auch bei Lehrern kann man darüber diskutieren. Für diese Gruppen hatte auch der Ethikrat 2019 in Zusammenhang mit der Impfung gegen Masern von einer moralischen Impfpflicht gesprochen.“

Corona Hamburg: Montgomery für Ausdehnung der 2G-Regel

Die Gegenargumente, wonach es jetzt schon zu wenige Kranken- und Altenpfleger gebe und man niemanden durch ein Impfpflicht abschrecken dürfe, lasse er nicht gelten: „In Frankreich hat das funktioniert. Da sind die Mitarbeiter trotz Impfpflicht nicht von der Fahne gegangen – sondern zum Impfen.“ Die Personallage spitze sich eher ohne Impfpflicht weiter zu, so Montgomery: „Die Ärzte und Pfleger auf den Intensivstationen sind ausgebrannt und haben keine Lust mehr, sich für die Unvernunft der Ungeimpften abzurackern.“

Der Mediziner spricht sich zwar nicht für eine generelle Impfpflicht aus, sagt aber: „Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, obwohl sie es können, müssen auch die Folgen tragen. Das sind in Deutschland etwa 12 bis 15 Millionen Menschen – und bislang müssen alle anderen nach deren Pfeife tanzen.“ Daher habe er von einer „Tyrannei der Ungeimpften“ gesprochen. Um das umzukehren, befürworte er, wie die Wissenschaftler der Leopoldina, eine Ausdehnung der 2G-Regel – also Zugang zu Kneipe, Restaurant, Kino und Veranstaltungen nur noch für Geimpfte und Genesene.

Montgomery rät, AHA-Regeln weiter einzuhalten

Die Rückkehr zu kostenlosen Tests hält Montgomery daher für einen großen Fehler: „Das ist die Feigheit der Politik, die der Mehrheitsmeinung hinterher rennt. Wir haben die Kostenpflichtigkeit doch erst vor vier Wochen eingeführt und noch gar keine Erfahrungen damit.“ Wo Tests als Zugangsvoraussetzung akzeptiert werden sollen, müssten es valide PCR-Tests sein, so der Vorsitzende des Weltärztebundes: „Und die werden die Menschen bezahlen müssen.“ Dabei müsse es natürlich Ausnahmen geben für Menschen, die sich nicht impfen lassen können.

Generell rät Montgomery auch den Geimpften, die AHA-Regeln weiter einzuhalten und überall dort eine Maske zu tragen, wo man anderen Menschen nahe komme. „Jede Infektion beinhaltet das Risiko einer weiteren Mutation oder Variation des Virus’ – so dass irgendwann eine richtig gemeine Variante dabei herauskommen könnte. Daher müssen wir versuchen, die Infektionen im Vorfeld zu verhindern.“

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