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Wie der "Wochenmarkt der Zukunft" aussehen soll

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Die Wochenmärkte in Hamburg-Mitte sollen attraktiver für Besucher werden: Fiona Dahncke (Hamburg Kreativ Gesellschaft, v.l.), Markus Jordan vom Bezirksamt Hamburg-Mitte und Melanie Obrist (Kreativschaffende) stellten den Maßnahmenkatalog vor.

Die Wochenmärkte in Hamburg-Mitte sollen attraktiver für Besucher werden: Fiona Dahncke (Hamburg Kreativ Gesellschaft, v.l.), Markus Jordan vom Bezirksamt Hamburg-Mitte und Melanie Obrist (Kreativschaffende) stellten den Maßnahmenkatalog vor.

Foto: BA HH-Mitte

Wochenmärkte stehen für nachhaltige und qualitativ hochwertige Versorgung, haben aber einen schweren Stand. Das soll sich ändern.

Hamburg. Wie können Wochenmärkte in Hamburg mehr Besucher anlocken und zu ihrem alten Erfolgskurs zurückkehren? Mit dieser Frage haben sich der Cross Innovation Hub der Hamburg Kreativ Gesellschaft und der Bezirk Hamburg-Mitte gemeinsam mit dem Ausschuss für Wochenmärkte und dem Landesverband des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg e.V. (LAGS) beschäftigt. Sie entwickelten einen Maßnahmenkatalog, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Das Ergebnis: Rund 40 Handlungsempfehlungen, wie die Wochenmärkte des Bezirks Mitte attraktiver werden können.

Einkaufen in Hamburg: Immer weniger Besucher auf Wochenmärkten

Um die Zahl der Besucher auf den neun im Fokus stehenden Wochenmärkten zu erhöhen, gibt es zahlreiche Ideen, unter anderem Abendmärkte, ein immer wechselnder Probierstand, ein Runder Tisch mit Händlern und Bezirk, Marktmusik und praktische Marketing-Ideen.

Da Wochenmärkte für regionale, qualitative und nachhaltige Versorgung stehen, müssten sie mehr denn je den Nerv der Zeit treffen. Doch die Besucherzahlen auf den Wochenmärkten in Hamburg-Mitte spiegeln das nicht wieder. Nach Angaben des Bezirks kommen immer weniger Besucher und Händler auf die Märkte. Um die rückläufigen Zahlen näher zu untersuchen, starteten der Bezirk und der Cross Innovation Hub zu Beginn der Projektarbeit eine nicht repräsentative Umfrage unter Besuchern, Nicht-Besuchern und Händlern.

Wochenmärkte: Abendmärkte sollen für Besucheranstieg sorgen

Aus dem Maßnahmenkatalog geht hervor, dass die Einführung von Abendmärkten als zielführend eingestuft wird. Umfragen hätten demnach ergeben, dass die bisherigen Uhrzeiten der Wochenmärkte für berufstätige Menschen schwer einzurichten sind. "Aus diesem Grund könnten Abendmärkte mit neuen Uhrzeiten im Feierabend (16 – 21 Uhr) eine neue Zielgruppe erschließen, die sonst zum Großteil reguläre Supermärkte besucht", heißt es in dem Maßnahmenkatalog.

Die neun Wochenmärkte:

  • St. Georg (Donnerstag)
  • Neustadt (Mittwoch, Sonnabend)
  • Rothenburgsort (Mittwoch, Sonnabend)
  • Wilhelmsburg Stübenplatz (Mittwoch, Sonnabend)
  • Wilhelmsburg Berta-Kröger-Platz (Dienstag, Freitag)
  • Finkenwerder (Dienstag, Sonnabend)
  • Horn (Donnerstag)
  • Billstedt (Dienstag, Freitag)
  • Hamm-Nord (Dienstag, Freitag)

Probierstand soll für Abwechslung auf Wochenmarkt sorgen

Eine weitere Idee ist ein immer wechselnder Probierstand, für den keine Standmiete erhoben wird. "Der Probierstand gibt allen Hamburgerinnen und Hamburgern die Möglichkeit, sich als Händlerin oder Händler auszuprobieren – ganz ohne Markterfahrung", heißt es in der Mitteilung. So könnten es lokale Produkte unkompliziert auf den Wochenmarkt schaffen und für Abwechslung sorgen.

An Attraktivität gewinnen könnten die Wochenmärkte zudem durch eine einheitliche Webseite, auf der Besucher alle wichtigen Informationen auf einem Blick erhalten. Aktuell informieren drei verschiedene Webseiten über die Wochenmärkte in Hamburg.

Wochenmärkte könnten familienfreundlicher werden

Eine weitere Maßnahme, die empfohlen wird: eine Stempelkarte. Das Argument: Bonussysteme zur Kundenbindung – wie Payback – gibt es in zahlreichen Bereichen. Auch die Wochenmärkte könnten ein Bonussystem einführen, bei dem die Kundenen für jeden Einkauf an einem Stand zum Beispiel einen Stempel erhalten. Bei einer bestimmten Anzahl an Stempeln können diese dann gegen Waren oder Prämien eingetauscht werden.

Zudem sollen die Wochenmärkte familienfreundlicher werden. Denn ein Marktbesuch mit Kinderwagen und quengelndem Nachwuchs kann schnell anstrengend werden. Abhilfe könnte geschaffen werden, indem die Stände großzügiger platziert werden oder durch Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder. "Es gab auch Überlegungen zu einer Fast Lane für Familien, mit der diese an den Ständen schneller bedient werden", heißt es in dem Maßnahmenkatalog.

Ebenfalls zielführend wäre demnach eine umfangreiche PR-Kampagne, mit der alle neuen Maßnahmen zu den Wochenmärkten begleitet werden. Diese sei abhängig von der Kommunikationsstrategie.

Dem Wochenmarkt fehlt "das tatsächliche Kaufpublikum"

„Nach Geschäftsaufgabe des Großteils der kleinen Einzelhandelsbetriebe reduziert sich auch die Zahl der klassischen Marktbeschickenden insbesondere durch altersbedingte Geschäftsaufgabe bei schlechter Ertragslage und fehlender Nachfolge", sagt Markus Jordan, Leiter des Fachamtes für Verbraucherschutz im Bezirksamt Hamburg-Mitte.

Dies geschehe, obwohl bezirkliche Wochenmärkte mit den "hochaktuellen Merkmalen 'regional – nachhaltig – kurze Wege'" wahrgenommen werden. "Es fehlt aber das tatsächliche Kaufpublikum", so Jordan. "Diese Abwärtsspirale wollen wir mit Projektideen für einen 'Wochenmarkt der Zukunft' durchbrechen.“

Wochenmärkte müssen sich anpassen und flexibler werden

Auch Jimmy Blum, Vorsitzender des Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Wochenmärkte und Tourismus Hamburg-Mitte, betonte, dass sich die Märkte angesichts des Gesellschaftswandels anpassen und flexibler werden müssten – etwa in Bezug auf die Öffnungszeiten und das Angebot. „Um die Märkte in Hamburg-Mitte fit für die kommenden Jahre zu machen, erarbeiten wir zukunftsfähige Konzepte", so Blum.

Wilfried Thal, Präsident des Landesverbandes des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller (LAGS), begrüßt es ebenfalls, dass die Wochenmärkte durch dieses Projekt nun einmal besonders in den Fokus genommen wurden.Damit sei ein Bewusstsein geschaffen worden, "welche Bedeutung den Wochenmärkten nicht nur in puncto Versorgung sondern gerade auch in soziokultureller Hinsicht zukommt.“

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