Verkehr Hamburg

Wie Fahrradwege im Winter sicherer werden sollen

| Lesedauer: 4 Minuten
Daniel Herder
08.11.2021, Hamburg: Rüdiger Siechau (l-r), Geschäftsführer Stadtreinigung Hamburg, Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft in Hamburg, und Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, stehen mit Schaufeln im Salzlager der Stadtreinigung Hamburg. Die Stadtreinigung ist in den Winterdienst gestartet. Die Silos sind mit Salz und Kies gefüllt, die Fahrzeuge und Geräte sind einsatzbereit. (zu dpa "Winterdienst einsatzbereit: besonderer Fokus auf Radwege") Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

08.11.2021, Hamburg: Rüdiger Siechau (l-r), Geschäftsführer Stadtreinigung Hamburg, Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft in Hamburg, und Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, stehen mit Schaufeln im Salzlager der Stadtreinigung Hamburg. Die Stadtreinigung ist in den Winterdienst gestartet. Die Silos sind mit Salz und Kies gefüllt, die Fahrzeuge und Geräte sind einsatzbereit. (zu dpa "Winterdienst einsatzbereit: besonderer Fokus auf Radwege") Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Marcus Brandt / dpa

Radfahren in der kalten Jahreszeit ähnelt in Hamburg oft eher einer Rutschpartie – und ist ziemlich gefährlich. Das soll sich ändern.

Hamburg.  Hat das Geeier auf glatten Radwegen ein Ende? Bisher vertrugen sich knackige Winter mit viel Schnee und Eis und Hamburgs Radwege nicht sonderlich gut – die Karte der von der Stadtreinigung Hamburg (SRH) gestreuten Radwege ähnelte eher einem Flickenteppich. Das ändert sich in dieser Wintersaison: Erstmals gibt es ein zusammenhängendes, deutlich ausgeweitetes Winterdienstnetz für den Radverkehr, das auch die sogenannten Radialachsen für Pendler aus den Bezirken Harburg und Bergedorf in die Innenstadt umfasst.

Wichtig: Pro Einsatz streut oder räumt die Stadtreinigung die Radstrecken nicht nur einmal, sondern zweimal. Diese „doppelte Bearbeitung“ soll gewährleisten, dass auf den Routen kein Schnee festfriert, die Radwege sicherer werden. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, hat die SRH 19 kleinere Streufahrzeuge erhalten, die sich leicht für den regulären Reinigungsbetrieb umrüsten lassen. Zwei große neue Räumfahrzeuge sollen außerdem die Fahrradstraßen von Schnee und Eis befreien.

Verkehr in Hamburg: Mehr Sicherheit für Radfahrer im Winter

Verkehrssenator Anjes Tjarks und Umweltsenator Jens Kerstan (beide Grüne) stellten die Neuerungen am Montag auf dem Gelände der Stadtreinigung am Bullerdeich vor. „Immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger nutzen das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel – auch während der Wintermonate“, sagte Tjarks. Er begrüße es deshalb sehr, dass die SRH die Radwege beim Winterdienst verstärkt mitdenke und das Winternetz für den Radverkehr optimiere.

„Durch die Doppelbearbeitung der Straßen erhoffen wir uns eine deutliche Qualitätssteigerung“, so Tjarks weiter. Das neue, zusammenhängende Winterdienstnetz für den Radverkehr orientiert sich nicht mehr primär an den Kfz-Hauptverkehrsstraßen, sondern an Velorouten und wichtigen Hauptverkehrsstraßen mit hohem Radverkehrsaufkommen. Zudem werden die Radwege gleichzeitig und nicht mehr nach ihrer Prioritätsstufe hintereinander bearbeitet. Zuständig sei der Winterdienst nun für eine Radstrecke von rund 600 Kilometern.

Blähton und Tausalz: Umweltfreundliche Alternativen im Test

Während auf den Hauptverkehrsstraßen (und Radfahrstreifen) Streusalz zum Einsatz kommt, wird auf den von der Straße abgetrennten Radwegen ein Gemisch aus Kies und Sand ausgebracht, da Tausalze unter anderem die am Straßenrand stehenden Bäume schädigen. Das Sand-Kies-Gemisch hat einen nur abstumpfenden Effekt, kann aber auch das Material der Fahrräder in Mitleidenschaft ziehen, insbesondere die Reifen. Als Alternative dazu testet die Stadtreinigung deshalb seit fünf Jahren auf 34 Kilometern Radwegen in Harburg und Bergedorf den Streustoff Blähton.

Die Pläne der Umweltbehörde gehen aber deutlich darüber hinaus: Sie arbeitet an einem umweltverträglichen Tausalz, zunächst für den flächendeckenden Einsatz auf Radwegen abseits der Fahrbahn. Getestet wird das Salz in dieser Saison auf der von Radlern viel genutzten Karolinenstraße, die Freigabe für den Elbuferweg als zweite Teststrecke steht noch aus. Eine erste Erprobungsphase auf dem Airbus-Gelände im Rahmen des Projektes E-Win habe bereits vielversprechende Resultate gezeigt, hieß es.

Anliegende Gehwege müssen Grunstückseigentümer selber räumen

„Sollte sich dieses alternative Taumittel gleichzeitig als wirksam und umweltfreundlich erweisen, wäre dies ein doppelter Gewinn – für die Umwelt und den Radverkehr“, sagte Kerstan. Mit einem regelhaften Einsatz wird allerdings frühestens in drei Jahren gerechnet. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, noch mehr Hamburger im Winter zur Nutzung des Fahrrades zu motivieren.

Seit dem 1. November und bis Ende März steht der Winterdienst rund um die Uhr bereit, um bei Schnee und Glätte auszurücken. Im Einsatz sind bis zu 850 Mitarbeiter in rund 360 Fahrzeugen. Geräumt und gestreut werden etwa 3200 Kilometer auf verkehrswichtigen Straßen, 660 Kilometer wichtige Gehwege (ohne winterdienstpflichtige Anlieger), 8400 Zebrastreifen und mehr als 4250 Bushaltestellen. Zur Beseitigung von Schnee und Eis auf den Gehwegen sind die Eigentümer der anliegenden Grundstücke verpflichtet.

Bereits während der vergangenen Wintersaison konnten Hamburger der SRH testweise glatte Stellen über die Stadtreinigungs-App melden. „Ab sofort gehört dieser Meldeweg zum festen Serviceangebot unseres Winterdienstes“, sagte SRH-Geschäftsführer Rüdiger Siechau. Die Bürger können Hinweise aber auch weiter unter der Telefonnummer 040/25 76 13 13 abgeben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg